XXXVII….und führe den Tischer nicht in Versuchung.

War’s abzusehen? Was haben wir falsch gemacht? Wir haben an irgendeiner Stelle nicht aufgepasst und wissen nicht, ob’s jetzt noch abzuwenden ist. Unser Eingriff in die Natur, in ein funktionierendes Ökosystem. Und wenn einmal die Natur nicht mehr Natur ist, wird’s sie es in der Regel auch nicht mehr. Was aber war passiert? Ich will Madame nicht die ganze Schuld geben, aber das corpus delicti war aus ihrer Hand. Wie kann man dergleichen unbeaufsichtigt und offen herumliegen lassen? Wie kann man nahebei dasselbe mit Tischer tun? Allerdings zur Verteidigung: normalerweise war die Beziehung von Tischer zu irgendeiner Form von Text wie irgendeine Wichtigkeit zu irgendeinem Sack Reis. Es gab keine Kausalität. Da gab es kein Geschehen. Das bedeutete nichts. Da würde hier nichts stehen. Keine Geschichte.

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Doch eine irgendwie geartete kosmische Veränderung, eine Raum-Zeit-Verzerrung, ein allgemeiner Schwindel, ein Wasauchimmer, das keiner erklären könnte, selbst wenn er Diplom hätte in einer Naturwissenschaft, und Tischer, unser Tischer, also der Tischer, der reflexartig aus Überzeugung stets meinte, dass Texte etwas für Luschen wären, entwickelt literarische Ambitionen, indem er anfängt, in einem Fürsten-Roman zu blättern.

Wir, die wir verloren sind, wissen, wohin das führen kann, wenn man nur einmal solch einen Fürsten-Roman liest. Ein unschuldiges Vergnügen, eine Sonntagnachmittags-Schwäche, eine für die Wanne oder den Korb am Strand, knappe 65 Seiten, nichts hatten wir uns gedacht, und dann war’s das nicht mehr, war’s der Verlust des Paradies‘, wurden es mehr und mehr Seiten, wurden es Klassiker, wurde es Juli Zeh, wurde es Buchpreisträgerliteratur – und plötzlich waren wir Blogger und Füjetonisten, füllten Zeilen und Zeilen mit Seiten von Seiten UND waren keine Tischer mehr, alle unsere Streifen los.

Tischer ist der letzte seiner Art, der Prototyp, das Nonplusultra, Maß aller Dinge, der, der durch seine Existenz den Laden zusammenhält, das übriggebliebene Ur-Ur-Wilde, das diese Welt so verdammt nötig hat. Eigentlich müsste man Tischer in eine Arche setzen, vor der Flut an Zivilisation und Kultur nur weit genug wegbringen -lass die nur machen- und wenn später die Welt es richtig machen will nach dem mißglückten ersten Versuch, würde Tischer wiederkommen können.

Ich weiß sehr wohl, mit Worten ist Tischers Ur-Wildheit nicht zu fassen, schon gar nicht zu erklären, aber bitte, ich drücke nur meine Angst aus, dass Fürstenromane der Anfang vom Ende sind, dass am Ende noch Tischer nach Leipzig mitmöchte, nicht um gesundes Chaos zu stiften, sondern gepflegt über Neuheiten sich zu informieren oder bei Sektempfängen vielleicht die Gelegenheit zu ergreifen, Juli Zeh für ihr letztes Buch zu loben (oder auch in höflicher Art doch überzeugend zu kritisieren, je nachdem). Tischer also im ausgesuchten Gespräch mit Juli und nicht ihr ein Schälchen mit Milchreis (der vom Vorjahr übrig geblieben ist) über den Kopf ausleerend, und nicht mehr auf Jagd nach Aventiuren, sondern nach Leseexemplaren. Ich will mir das gar nicht weiter ausmalen……irgendwie muss es abzuwenden sein. Irgendwie muss das notwendige Gleichgewicht wieder hergestellt werden.

….einer muss Tischer den Fürstenroman entwenden.

…einer muss dieses eine Mal Streifen genug haben, das zu tun.

…oder nichts zu verlieren.

…wir lassen Streichhölzer zieh’n…

…schluck….oh…..es hat mich getroffen….ich werde euch vermissen….aber vergesst niemals, ich habe es für euch getan…..

….und sagt Juli, das geht wieder raus….

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3 Gedanken zu “XXXVII….und führe den Tischer nicht in Versuchung.

  1. Wenn Tischer schon nicht die Frankfurter Buchmesse ins Wanken gebracht hat, dann wird es jetzt der Fürstenschwachsinn auch nicht. Gönnen wir ihm diese kleine Jugendsünde… hat denn sein Besitzer nicht auch Jugendtorheiten im Lesen begangen? Aus einem Tischer wird kein Bücherwurm oder eine Leseratte , dessen bin ich ganz gewiß -:))
    Ihnen einen herzlichen Guß vom windumstosten Dach, Karin

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