XXX. Langeweile oder die Frage: wo ist Ramba Zamba?

Dass uns so langweilig sein könnte. Selbst Marcels Gesicht sieht so aus, als ob er Tolstoi nicht mögen würde. Und die Tapeten erzählen Geschichten. Nur nicht uns. Es regnet, es sonnt, es ist uns gleich. Sommer, doch fühlt es sich an wie Winter, der nicht zum Schlafen kommt.

In dieser Leere laufen wir Gefahr, Kopfweh zu bekommen. Uns fehlt der Krach, uns fehlt das Scheppern, der Radau in unserer sonstigen Idylle. Uns fehlt Tischer.

Der ist ja aufgebrochen zwecks Vervollständigung seiner Sammlung. Wir befürchten, es könnte länger dauern. Denn wenn er so ungefähr der Nase nach geht, kommt er nicht drumherum und wird also hängenbleiben, eine verständliche Verzögerung. Unser Tischer ist, der aufmerksame Leser mag das bereits wissen, wenn auch nicht wissen, warum, ein großer Fan der kroatischen Nationalmannschaft. Wir wissen es auch nicht, warum er’s ist. Wir registrieren nur das aufgeregte Zappeln, die Leidenschaft, die Tränen. Es muss also so sein.

Zudem kennen wir Tischers Geheimnis. Da Tischer nichts ohne Grund tut, nicht einmal den größten Unsinn, wird’s schon was zu bedeuten haben. Und vielleicht klärt es eine gewisse pikante Aktualität gleich mit auf, dass es nämlich völlig harmlos, aber doch äußerst verständlich ist, sich gelegentlich in die Hose zu greifen.

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Helden oder Götter bei sich zu haben und ab und zu sich ihrer Realität zu vergewissern, ist selbst einem Tischer ein menschlicher Zug. Der sicherste Platz für Tischers „Gott“ kann nur Tischers Latzhose sein. Da würde Niemand, wenn er nicht mit allem abgeschlossen hat … nun ja.

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So sieht’s aus mit Tischers Spiritualität, seinem Heiligenbildchen, immer am Mann, immer sofort zur Hand der Modric, wenn’s dringlich werden könnte.

Folglich ist es auch meine Vermutung, dass ein Anderer ein Paninibildchen, etwa von Berti Vogts, in der Hose hatte und nur -eine brenzlige Situation- ein wenig Beistand brauchte, so wie man an Hasenpfoten reibt oder Kleeblätter rupft in der Not. Ich kann mich irren. Allerdings könnte hier nur der Angesprochene selbst Licht ins Dunkel bringen.

Von Tischer wissen wir, dass es so sich verhält.

Ist aber auch egal. Ich schweifte ab und wollte doch nur sagen: uns ist so langweilig, da er für länger auf Aventiure ist, mit kleinem Umweg, um vielleicht einmal seinem „Gott“ in echt die Hand zu schütteln.

Und nein, wir werden deswegen nach Tischers Rückkehr kein Öffentliches Sehen auf einem großen Platz veranstalten, dass einmal ein Jeder sich selbst ein Bild machen könnte von Tischers Griff in seine Latz. Wir sehen auch keinen Grund, die Angelegenheit in einer PK zurecht zu rücken. Zu viel Text.

Tischer hat ein Bild von einem Fussballspieler in der Hose. Na und. Und der andere vielleicht auch.

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Die bessere Frage: warum ihr nicht? Mangelt es euch an gehöriger Spiritualität?

 

P.S. Wir hoffen sehr, Kroatien kommt weiter, auch wenn das heißt, Tischer bleibt noch länger weg. Doch bei dem ganzen Regen die letzten Wochen wären Tischers Tränen wahrscheinlich zu viel an Feuchtigkeit für die Landwirtschaft und den Tourismus.

XXIX. Tischer, Jäger und Sammler

Jeder braucht ein Hobby. Das Dasein kann so breit, so lang und weilig auch werden, wenn es nicht ausgefüllt werden kann. Nur schlafen und träumen, das wäre schön, geht aber nicht immer. Man könnte natürlich ständig die Steuer erklären und käme an kein Ende. Ist eine Überlegung wert. Beschäftigt wäre man.

Was aber, wenn man ein Tischer ist und mit Steuern nichts am Hut hat?

Am Anfang wollte Tischer Treppenstufen sammeln. Das konnten wir ihm ausreden. Die Forderungen der Krankenkassen erschienen uns zu hoch. Wir sind keine Milliardäre, keine Baulöwen, dass wir Treppenstufen bzw. das Fehlen derselben mal soeben aus der Portokasse bezahlen könnten.

Zwischenzeitlich verlegte sich Tischer darauf, Kirchenfenster einzuschmeißen, aber nur die bunten und da gezielt die Farbe Rot. Aber Kirchen werden immer weltlicher und farbloser und Verkehrsampeln sind nur der halbe Spass. Er ließ es bleiben.

Ich schlug ihm -thörichterweise- Briefmarkensammeln vor. Ich vergaß, auf so einer Briefmarke steht oben unter dem Gezackten oder unten über dem Gezackten oder auch mal irgendwo dazwischen, ganz klein, aber man kanns lesen „Deutsche Post“ oder „Dänische Post“ oder „Post von Vatikan“ oder „Post von sonstwoanders“. Und man kann’s nur lesen, weil’s ein Text ist. Klein oder groß, Tischer mag Texte nicht. Und von allen Briefmarken das runterschneiden – ist doof.

Tischer meinte mal, ihm gefielen Ming-Vasen. Wir schwiegen lange, Münder und Augen weit offen. Dazu fiel uns nichts ein. Und glücklicherweise sprach Tischer auch nie wieder darüber.

Nachdem also Tischer die Reihe durchhatte mit kreativen Einfällen und zuletzt Poesiealbum (Vorschlag Marcel) auch nicht wirklich eine gute Idee war, fanden wir doch eins. Also Tischer gab dem Hobby seine Weihe, Madame ihm eine Dose: ab da sammelte Tischer Fussel und Fusselähnliches.

Nun würde mancher sagen, aber Tischer macht doch Aventiure. Ist das denn kein Hobby? Nein, denn Aventiure ist mehr als das. Ist Tischer wesentlich. Ist seine Essenz. Nimm diese weg, was hast du da: ein Ding mit Streifen. Nein, die Aventiuren gehören zu Tischer wie Luft zu Liebe. Ohne Aventiure wäre für Tischer wie Ersticken. Und tatsächlich röchelt er immer ein wenig, wenn’s mal wieder zu lange dauert. Denn die Aventiuren sehen es ein wenig anders als Tischer. Sie meinen, sie kämen ganz gut ohne Tischer aus, zumindest aber so lange, bis sie sich wieder erholt haben vom Gestreiften. Und dann machen sie Siesta, weit weg in einem Land, das nicht an Tischer ausliefert.

Nein, ein Hobby, das ist für Tischer ein Ausgleich, eine Überbrückung. Für das allerdings Tischer eine Leidenschaft entwickelt hat. Wenn was machen, tun oder haben, dann alles.

Er hat also Fussel für sich entdeckt. Zuerst die aus meinem Nabel, dann die unterm Bett undsofort. Und nur die schönsten Fussel sind ihm gerade recht, wobei uns die ästhetischen Kriterien von Tischer nicht ganz klar sind. Auch sind es nur im allerweitesten Sinn „Fussel“. Da ist schonmal eine Feder oder ein alter Keks dabei. Doch er ist glücklich dabei. Also, was soll’s?

Und seine Sammlung, ich kann’s nicht anders sagen, ist schon recht beachtlich.

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Da sind Stücke dabei. Unbezahlbare, kostbare Stücke, will ich meinen. Tischer hat die jetzt nicht von einem Fusselsachverständigen mit Diplom schätzen lassen, das nicht, aber darauf geschlossen, wie Tischer seine Dose bewacht, so muss es mindestens den Wert einer gesunkenen Galeone haben, einer spanischen echten, keiner nachgemachten aus Lego. Es war deshalb nicht ganz ohne Gefahr, mal kurz sich die Dose für ein Beweisbild zu borgen. Aber wir kennen alle Tischers Tiefschlafphasen, er brabbelt dann bzw. es ist ein Werktag. Mit ein wenig Geschick, so gelingt’s an solchen Tagen.

Gut, gut, Fussel also. Nur, da es Tischer ist, so muss ja folgerichtig irgendwann eine Übertreibung kommen. Es wäre ausgesprochen irritierend, würde unser Gestreifter nun für immer einfach dasitzen mit einer Pinzette und einer Lupe und einfach die gesammelten Fussel von rechts nach links sortieren oder sie reinigen, putzen und abstauben. Dann könnte er ja gleich alt werden.

Nein, nein, da fehlte noch der Tischersche Twist, das Obligatorische. Das kam letzte Woche und dauert an. Tischer wollte seiner Sammlung einen besonderen Fussel einverleiben. Da es sich außerdem nach einer exquisiten Aventiure anfühlte, war bei Tischer sowohl die Sammelleidenschaft, als auch der Jagdinstinkt entfeuert: der unter Kennern bekannte Riesenfussel, die Krönung jeder Sammlung, entdeckt und in greifbarer Nähe in Tisches Einflussbereichs. (Anmerkung: ehrlicherweise muss man sagen, dass dem, was ein Experte für Fussel genannt werden kann, am nächsten kommt, nur allein Tischer selbst sein kann, es die Einschätzung als Krönung einer Sammlung also ein wenig einschränkt. Mir nicht bekannt, dass es für Fussel einen Lehrstuhl oder eine Fernsehsendung gibt.)

Mir ist nicht klar, welche Konsequenzen, es haben wird, aber einfach wird es nicht. Tischer will, also ist Tischer nicht aufzuhalten. Und schon gar nicht von Argumenten. Wenn ich ihm sage, der Besitzer von Riesenfussel hat Delegiertenstimmen und möglicherweise bald auch Panzer, dann ist’s nur Öl ins Feuer. Arme Panzer, ich liebe Panzer. Delegierte sind mir nicht so wichtig. Aber so Panzer haben nicht die Ausrüstung für so einen Tischer. Wenn man sie alle zusammenschweißen würde, helfen würde es nicht gegen Tischer.

Tischer ist also los, ließ sich nicht aufhalten, hat sich meinen Handrasierer geliehen und ist auf dem Weg. Und es dauert solange, wie es dauert. Ich weiß jetzt nicht, ob ich die Panzer warnen soll. Dass sie sich auf Bäume retten, einbuddeln oder als Kinderwagen tarnen können. Raten würde ich den Panzern auf jeden Fall, Abstand zu halten vom Besitzer von Riesenfussel. das könnte schon reichen.

Um den Besitzer von Riesenfussel ist’s mir wurscht. Um seine Delegiertenstimmen ebenso.

Aber gut, um des lieben Friedens willen, falls jemand ihn wirklich warnen möchte -als würde das was helfen-, hier ein Bild des Objekts von Tischers Begierde:

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Vielleicht dass man dem Besitzer ein Nachricht zukommen lässt, besser den Fussel rauszurücken. es gibt sicherlich in seiner Nachbarschaft einen qualifizierten Friseur, der das Schlimmste abzuwenden helfen könnte. Und wenn er es nur wegen der lieben Panzer würde machen wollen.

XXVIII. 00Tischer in „Pussycat“

Endlich. Einige Agenten der bekannteren Geheimdienste sind in den letzten Monaten verschwunden. Bislang gab es nicht den geringsten Hinweis. Doch dann wurde uns Bildmaterial zugespielt. Jetzt können wir etwas unternehmen. Jetzt können wir unseren besten Mann auf die Sache ansetzen: 00Tischer.

An dieser Stelle sei noch einmal Dank ausgesprochen an unseren Kontaktmann. Wir wissen nicht wie er an das Material gekommen ist. Er hat mannigfaltige Fähigkeiten, das wussten wir. Doch dieses Mal, Alle Achtung:

00Tischer ist bereit zum Einsatz bzw. er weiß jetzt, mit wem er es zu tun bekommt. Ausnahmsweise gibt’s ein wenig Vorbereitung: Doppelschichten Ausschlafen, eine Kohlrabi-Diät die nächsten Tage und er schaut mir bei meinen Liegestützen zu. Er nimmt die Sache ernst. Das muss man sich mal vorstellen. Da hat er die ganzen Streifen und trotzdem, es ist eine besondere Situation, ein besonderer Gegner, der jetzt ein Gesicht hat: Pussycat, umgedrehter Ex-Agent, der jetzt für irgendeine Gegenseite oder wegen irgendeiner Rache Jagd auf ehemalige Kollegen macht. 00Tischer nimmt die Sache durchaus ernst.

Wir ebenfalls. Irish Q arbeitet bereits an ein paar Hilfsmitteln. 00Tischers Tarnhut braucht neue Flicken. Und außerdem bekommt er für diesen größten Einsatz einen Zettel mit, auf dem in sämtlichen Sprachen der Welt steht: „Können Sie mir sagen, wo ich Pussycat finden kann?“, sowie in sämtlichen Sprachen das Backrezept für Bamberger Hörnchen. Nur das mit dem Aston Martin, daraus wird nichts, 00Tischer hat zwar eine Lizenz zum Retten der Welt, aber nicht zum Autofahren. So wird er ersatzweise auf mich zurückgreifen. Und mein Zweitname ist Martin, das passt also. (Ist übrigens streng geheim mit dem Zweitnamen und in spätestens drei Sekunden zerstört sich der Gedanke daran von selbst.)

Wo aber geht’s hin? Laut Bildanalyse ist es entweder Kanada oder irgendein anderes Land die Straße runter. Bäume und Sträucher wachsen nur dort. Außerdem konnten wir alle Länder ausschließen, die keine Zäune haben. Dennoch bleibt es möglich, dass der Film nachbearbeitet wurde, um uns in die Irre zu führen. Eine sehr gute Arbeit wäre das. Allein, 00Tischer ist der beste Mann, um herumzuirren; er wird sicherlich irgendwas finden. Wenn es jedoch Pussycat sein sollte, dann muss die Gegenseite die Stelle neu ausschreiben.

Und wir hoffen, den Kollegen noch retten, zumindest aber seine sterblichen Überreste als Füllmaterial für neue Agenten verwenden zu können; die Streifen bekommt er so oder so abgenommen: Lusche.

Jetzt kann eines noch dazwischenkommen: 00Tischer will, wie jeder anständige Agent zum Aufbruch einen Titelsong. Wir sind aber in allem geschult, nur nicht in Musik. Selbst Irish Q weiß sich nicht zu helfen. Das angebotene Titelgedicht hat 00Tischer jedenfalls abgelehnt. Solange 00Tischer sich vorbereitet, musizieren wir unter Hochdruck. Irgendwo hat sich sogar noch eine Gitarre gefunden. Die Zeit drängt. Wir können es nicht hinnehmen, dass weitere Plüsch-Agenten Pussycat zum Opfer fallen. Die Gegenseite darf nicht triumphieren, nur weil wir nicht Noten lesen können und keinen geraden Ton herausbringen.

Die Rettung der Welt durch Musik, wir waren so dumm, dass wir das nicht haben voraussehen können. Dabei hätten wir ja ein Lied, das könnte gehen, das passt. Nur ist es nicht so ganz neu und nicht so 100%ig auf 00Tischer zugeschnitten, vielleicht aber akzeptiert er es, denn schließlich steht einiges auf dem Spiel und es ist zu erwarten, dass der Einsatz mit einer Menge Radau und Aventiure verbunden ist, ganz nach 00Tischers Geschmack. Auf weibliche Annehmlichkeiten, wie von anderen Agenten gewünscht, kann 00Tischer gut verzichten.

Nicht aber auf das Lied, warum also nicht dieses hier:

Was aber, dies eine weitere Mitteilung, die sich nach Sekunden selbst vernichtet, insofern ganz gut passt, als Pussycat ein weiblicher Agent ist und 00Tischer und sie eine gemeinsame Vergangenheit haben. Dass nur seine Streifen stärker sind als Sentimentalität. Es könnte ein wunder Punkt sein und 00Tischers einzige, aber entscheidende Schwäche.

Wir werden sehen.

XXVII. Das wahrscheinlich größte Abenteuer diese Woche – wenn sie keiner warnt

Mein Gott, die vielen Streifen machen dich auch nicht klüger, hm?

Also das ist jetzt nicht dein Beitrag, Clemens. Halt Dich da raus! Abgesehen davon, Du hast keine Ahnung von Katzen und von solchen mit Streifen schon gleich gar nicht. Ich halte dich für ziemlich intelligent, aber da liegst du ganz daneben. Streifen stehen für mehr als Intelligenz. Streifen machen Intelligenz überflüssig. Wer Streifen hat, muss nicht Geschichten sich ausdenken, er macht sie. Und wenn ich seh, Du erzählst auf tausendund Seiten eine Geschichte, ist zu vermuten, nirgendwo an deinem Körper auch nur der Hauch von einem Streifen, nichts davon eigenes Abenteuer. Nur Denken, nur Intelligenz und Genialität.

Ganz anders einer, dessen Streifen man schon von weitem sieht, wenig von dem, was dir wichtig ist, doch randvoller Aventiure und bereits so viele von denen gemeistert, manche durch bloßes grimmig Draufschauen, dass anzubauen wäre für die vielen Streifen. Denn er wächst nicht mehr an Körperfläche und nicht mehr optisch unterzubringen ist sein ganzer Mut.

Und all diese verdienten Streifen ohne sich viel dabei denken zu müssen. Für das Wenige, das bedacht werden musste bislang, standen wir In der Pflicht. Er aber, einfach hin, rein in das Abenteuer, das gerade wollte oder musste, weil er schneller war, und bestanden. Selten, ganz selten, Worte gemacht. Sondern sich den Streifen abgeholt, zurück unter die Decke, mehr nicht.

Sei’s drum. Das war zu klären. Ist geklärt. Stör nicht weiter mit unsinnigen Zitaten und lerne lieber von einem, der ein Träger von Streifen ist. Deine Zeit für einen eigenen Beitrag wird schon bald wieder kommen. Jetzt aber zum vorläufig größten Abenteuer in dieser Woche: wir, die wahrscheinlich unglaubwürdigste Reisegruppe, die sich denken lässt sind auf halber Strecke. Und sie, die am Ende der zweiten Hälfte sind, sollten langsam mit dem Zittern beginnen, denn Tischer ist dabei. Und er hat diesmal einen großen Filzstift dabei, in schwarz.

Für diese Aventiure, ausnahmsweise, hat Tischer sich vorbereitet. Er will einfach in den drei Tagen fertigwerden. Drei Tage, das hätte vor ihm keiner geschafft. Drei Tage, in denen Tischer den ganzen Texten den Garaus machen will. Streifen gegen Text. Dicke schwarze Streifen. Er hat geübt. Wir überließen ihm, was wir entbehren bzw. nicht schnell genug verstecken konnten. Es tat uns, Marcel und mir, trotzdem weh, das alles mit anschauen zu müssen.

Wir versuchen alles, um es einzudämmen, um Tischers Rabaukentum und Wildheit im einigermaßen Zivilen zu halten. Nur befürchten wir einen Rausch, wenn er erstmal die Hallen voller Texte sieht. Aber es ist nur ein Filzstift. Was ist damit schon auszurichten? Dem Aufsichtspersonal können wir nur die Empfehlung aussprechen, am Eingang die Texte vom Vorjahr auszulegen. Das würde ihn aufhalten, bis der Stift leer ist.

Und wir warnen die, die solche Texte verfassen, Abstand zu halten. Er erkennt sie und er bekritzelt sie. Da hättet ihr dann eure Streifen, nicht abwaschbar. Es ist für manchen ja vielleicht sogar eine Ehre, von Tischer Streifen verliehen zu bekommen. Der kann die Warnung ja ignorieren. Wir haben jedenfalls hiermit unsere Pflicht getan. Jeder weiß Bescheid.

Dann wäre da noch die Sache mit den Kassetten von lauter Musik, My Way von Frank Sinatra, Tischer Lieblingslied. Denn, Tischers Plan, was Text ist, wird gelegentlich auch vorgetragen und so will er mit Frank Sinatra in voller Lautstärke und in Endlosschleife diese Lesungen sabotieren.

Fragt also nicht, wenn laute Musik erklingt, kein Wort mehr zu verstehen ist, weil infernalisch Frankie durch die Hallen tönt, ist das das Ende und Wie komm ich jetzt schnell nach Hause unter mein Bett, sondern das bedeutet nur, Stift ist alle, Tischer macht akustisch weiter und ja, vielleicht, ist das das Ende und schön ist es zuhause unter dem Bett. Doch es gibt Schlimmeres. Tischer könnte zum Beispiel Helene Fischer abspielen. Man kann nicht sagen, Tischer wäre nicht human.

Das zu Tischers kleinem Feldzug gegen jede Menge Text. Wir stehen kurz vor den Toren der Stadt. Und wenn die Stadtoberen jetzt nicht alles verschließen mit Vorräten bis zum Winter und die Mauern hochziehen bis kurz unter die Decke, dann wird’s sicher lustig. Es ist ja nur einer, der ein wenig Anderes im Sinn hat als seine Mitreisegenossen.

XXIII: Tischer wälzt sich in den Schlaf

Es kommt vor, die letzte Zeit, da kann unser Tischer nicht so richtig schlafen. Ist schon wach am Freitag, ist schon wach am Donnerstag, ist schon wach, wenn eigentlich noch Werktag ist und nur Luschen ihre Kraft verbrauchen mit Wachsein. Jedoch ist es so, das weiß einer, dem die Aventiure durch die Adern fließt, dass fünf Tage die zwei Tage Vollgas gerade mal soeben ausgleichen.

Sei einmal müde, wenn’s drauf ankommt und du verlierst ganz schnell den Überblick. Und das ein oder andere Abenteuer nutzt es aus und macht sich aus dem Staub. Viele von denen können sich nämlich respektabel gut verstecken. Find die mal, wenn Dir nur zwei Tage. Also ausschlafen bis du wach bist wie ein Bergsee, dann entgeht dir keins, manchmal gleich drei auf einmal. Tischers Rekord liegt übrigens bei 28 so Plusminusdaumen. Ist ziemlich, aber da hat er auch fünf Tage durch und weil er gut dabei war, gleich fünf Tage drangehängt. So wach war er da bei seinem Rekord, dagegen ist ein Bergsee eine trübe Pfütze.

Ist allerdings schon eine Weile her. Zurzeit schläft er so schlecht, dass allerhöchstens, wenn er wach ist, so ein halbes, unerfahrenes Abenteuer herauskommt. Ich sag, wie es ist, das ist großer Mist und nagt verdammt sehr viel sogar an unserem Wilden. Und wenn da was ist, das nagt, eine Sorge, so ein Flohgedanke, dann hilft das auch nicht beim Ein- und Durchschlafen. Kannst dich schütteln und rütteln, es hat sich dennoch wohnlich eingerichtet zwischen den Streifen.

Hinzu kommt, das nur am Rande, dass ja so eine Sorge ein Akt des Denkens ist, irgendwie. Tischer ist zwar ein Instinktsicherer, aber nichts weniger als so ein Denkgeschulter, wie zum Beispiel Marcel, der aus so einer Sorge gleich ein ganzes Poem verfassen würde. Nein, so Etwas bringt Tischers Getriebe ganz schön durcheinander. Man stelle sich vor Tischers Instinkt wäre ein Fahrrad, das einen steilen Berg hinuntersaust, dann wäre das Denken in dem Fall eben so ein großer Stock bei voller Fahrt und zahlreiche Beulen und Schrammen die Folge, nur eben im Kopf und nicht außen drumrum, wogegen unser Tischer ja nichts hätte. Die zeichnen ihn ja aus und snd die gängige Währung für Abenteurer.

Verunsichert soll er nicht sein. Gar nicht auszudenken, ihm fallen deswegen einmal die Streifen ab. Er muss also zum Schlafen gebracht werden, dauerhaft über die notwendige Distanz.

Gründe für die Schlaflosigkeit? Das Wetter. Die Liebe. Ein voller Magen. Lauter so ein Quatsch. Keine Ahnung, was es sein könnte und wollen auch nicht so in Tischers Tiefe gehen. Da müsste mit Tischer gesprochen werden, wo er drückt der Schuh. Doch so ein Gespräch, das kommt ja nicht in Frage wegen der Textlastigkeit. So ein drastisches Mittel kann nur, wenn wirklich nichts mehr gehen sollte, zur Anwendung gebracht werden. Für den Fall bereitet sich Marcel vor und wälzt bereits Freud; den Wiener Akzent kann er schon ganz gut.

Und Tischer wird zum Versuchstier. Jeder durfte mal: Einer holte die Geige raus und spielte einschläfernde Schlager, keine Wirkung. Obwohl,das ja, doch wir wurden dabei langsam wahnsinnig. Wer kann auch Schlager ertragen, wenn er die ganze Woche durchgefiedelt wird? Dann gab es Milch mit Honig. Da musste Tischer nur von Bäuerchen machen, was einem ausgewachsenem Wilden gar nicht gut zu Gesicht steht und die Krise eher verstärkte. Die dümmste Idee war die mit dem Arzt, gar nicht mehr zu sagen, wer die hatte. Jedenfalls es dauerte einen Bruchteil von Zeit, da war die auch vom Tisch. Tischer beim Arzt? Wahnwitz. Aber ein Zeichen dafür, wie unwohl uns langsam wurde……..

Bis, denn an dieser Stelle der Geschichte wird es Zeit für eine Wendung, sonst hätten uns die zahlreichen nutzlosen Versuche langsam wirklich selbst um jeden Schlaf und damit direkt in die Unausgewogenheit gebracht, und wir hätten vielleicht nie wieder unsere legendäre Harmonie erreicht, zu der wir immer wieder, selbst nach dem turbulentesetn Abenteuer unseres Tischers, zurückfinden……also bis wir, zufällig, ein Mittel fanden:

Gute-Nacht-Geschichten, in Bildern, am besten mit Tieren, gar nicht unbedingt solchen, die Tischer gerne zum Mittag hätte, doch wild, eigensinnig, ganz entfernt so wie Tischer.

So ein Buch-Comic, so eine graphische Geschichte, Plumdog, die hatten Marcel und ich gerade in Arbeit -wir haben ja dieses Ding am Laufen-, da muss Tischer irgendwie so den Blick draufbekommen haben. Und wir waren gerade auf einer Seite, wo sich einer wälzt, ein Hund, und da ist ein ganz wenig Text darunter. Tischer fragt, was macht der da. Marcel antwortet, er wälzt sich in Fuchskacke. Ab da ist Tischer aufmerksam, mehr als sonst bei einem Buch, voll dabei, meckert zwar ab und zu auch, „Zu viel Text“, findet aber sonst großes Gefallen an der Geschichte, weil der in dem Buch so Dinge tut, die nicht so immer ganz OK sind. Trotzdem wird er aber geliebt von seiner Familie; er liebt sie genauso, wenn sie auch bisweilen sehr anstrengend ist. Und weil es mit Tischer ja ganz ähnlich ist, kann er sich prima hineinversetzen, ist er auch ein Tischer und der nur ein Hund.

So, nach Wälzen und Zerfetzen von Lieblingsspielzeugen, nach einfach Drauflosrennen und Hineinspringen, im Schnee, im Matsch, nach ein paar Seiten „lesen“, da gleitet Tischer, die Augen fallen zu, hinüber, grummelt nochmal kurz „Zu viel Text, aber das mit der Fuchskacke und so….hihihi“, und schläft, wie ein Baby…..bis er dann am Wochenende versucht, seinen Rekord zu knacken. Es könnte was werden.

Und wenn nicht, so wird er sich schon irgendwie beschäftigen, wie es sich gehört. Ein paar Tipps für die Freizeitgestaltung hat er ja bekommen. Wir hoffen nur, er riecht nicht zu streng, wenn er nach Hause kommt.

Kleiner Nachtrag: Plumdog, also sein Frauchen Emma Chichester Clark, hat übrigens einen eigenen Blog, der ganz possierlich ist: ein Besuch lohnt auf alle Fälle.

http://emmachichesterclark.blogspot.de