Der Ernst meines Lebens

Dann kann ich jetzt also nicht mehr zurück. Strickjacke an, Fellohrmütze auf, der Puschel in der Hand, geschäftig schauen und artig begrüßen, wer kommt.

Ich hoffe sehr, ich habe mich so quasi in eine verständliche Rolle meiner selbst hineingeschrieben all die Zeit. Natürlich kann ich auch anders. Das wären dann aber nicht meine Schokoladenseiten.

Was ich gerne bin ist so wahr wie was ich bin.

Und ich bin in Kürze für alle, unter handreichender Mithilfe meiner Madame, ohne die es wohl kaum einen Herrn Hund geben würde, ein hoffentlich freundlicher, zuvorkommender und aufmerksamer Gastgeber.

Allein ein Hund könnte mich ablenken, mein Bedürfnis, mich zu wälzen, für Irritationen sorgen. Und wäre in ein paar Minuten zurück……“Madame, bitte übernehme mal kurz!“

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Mit Neigung zum See

Einen Rausch haben. Im Ranzen eine Luscht verspüren. Und sich Befriedigung verschaffen. Es war eine gute Idee, nur ein paar wenige Münzen mitgenommen zu haben. Dass schönes Wetter gewesen ist, wurde bereits andernorts gesagt. Der Ort war eine ziemliche Zumutung, um nicht zu sagen, schön. Das ganze Drumherum. So wenig eine Messe. Unprofessionell. Das muss besser werden. Oder so bleiben. Vor mir der See, über mir das Rauschen der Blätter, hinter mir ebenfalls. Es würden später noch ein paar Äste fallen.

Runterschauen

Dreifaches Blätterrauschen. Dabei wahrscheinlich mehr Menschen als Bücher. Das wird wohl immer so sein. Zu viele Bücher sind im Grunde nicht mein Ding. Ich bin zu klein. Sehr viele Menschen, das schüchtert mich ein, ein klein wenig. Es ist von hier aus, tippend, mitten in der Nacht, einfacher. Wozu jedoch gibt es Stände mit Weißweinschorle (plus Pfand). Die Bücher links liegengelassen für den Moment. Ein kleines Gläschen. Ehrlich, eines. Wärme. Etwas mehr Leichtigkeit. Die entdeckten Blogger habe ich dennoch nicht angesprochen.

Obwohl,  zum Ende hin, einer auf die Schulter gekloppft, „Wo ist der Hund geblieben? Geht’s ihm gut?“ Letztlich ein paar Worte doch gewechselt. „Ja, ich lese wirklich langsam.“

Ich bin zu dieser Messe gekommen mit einem Buch; es fehlten noch letzte Seiten: „Der Kalte“ von Robert Schindel. Wer Wien mag. Ich tu’s. Ein gutes Buch. Dass man nicht vergisst. Aber ich hätte Bücher von hier wegtragen müssen und keine noch hinzu. Messen sind zum Leerräumen. So viel Feines, so hübsch gestappelt. Meine Tasche aber war voll. Vielleicht deswegen das Buch dabei. Dass nichts passieren kann.

Eines dann doch. So viel Platz muss sein. Es wird nicht verraten, welches. Es ist ein Anfang, die Einlösung eines Versprechens. Und ich habe es ganz legal erworben.

Doch bevor dieses gelesen wird, Zwischenstopp „Drei-Ibsen“, drei kleine gelbe Reclambändchen zu meinem Lieblingsdramatiker, gegen den Rausch. Gegen Überhitzung. Immer wieder gut.

„Er nannte das eine Art Gehirnerweichung – oder so ähnlich. Ich finde, dieses Wort hört sich so hübsch an. Ich muss dabei immer an kirschrote Vorhänge aus Seidensamt denken – an denen man so angenehm entlangstreichen kann.“ (Oswald, Gespenster, 3.Akt)

Literatur ist ähnlich. Sie macht glücklich.

Aber Vorsicht!

Liegengebliebenes

„In den 80er Jahren des 20.Jahrhunderts hatte Richard Barnes, ein Wissenschaftler aus Cambridge, sich zusammen mit seiner Frau Karen daran gemacht, in den Regenwäldern von Gabun die Populationsdichte von Elefanten durch Zählung der Kothaufen zu ermitteln. Niemand hatte eine Ahnung, wie viele Waldelefanten es tatsächlich gab. Aus der Luft war es unmöglich, sie zu zählen, und Zählungen vom Boden aus waren schwierig und unzuverlässig. Die Kothaufen von Elefanten waren indes leichter zu finden, als die Elefanten selbst. (…) Zwei Jahre lang streifte er durch den Ogoouè-Ivindo-Wald im Nordosten Gabuns, markierte rund 20 Kilometer lange Pfade, die den Wald durchschnitten, watete durch Flüsse und Sumpfgebiete, die auf seinem Weg lagen, und zeichnete alle Daten über die Elefantenkothaufen auf, die er fand. Jeder einzelne Kothaufen wurde registriert, sein Fundort festgehalten, sein Alter geschätzt. Das Alter wurde in vier Kategorien unterteilt, von A für einen Kothaufen, der intakt, sehr frisch, feucht war und roch, bis D für Klumpen, die völlig zerfallen oder verwittert waren. Die Ergebnisse waren beeindruckend genug, dass sich andere Teams von Kothaufen-Läufern auf den Weg machten, um in Brazzaville und Kinshasa im Kongo, in Kamerun und in der Zentralafrikanischen Republik zu forschen.“ (Martin Meredith – Der afrikanische Elefant, Eine Biographie, Diederichs-Verlag, Seite 162f. Zu empfehlen.)

Und nach der Lektüre ich in Gedanken wieder hier bei mir, doch nicht ganz, gebe es allerdings, sobald ich mir die Größe des Unterfangens vor Augen geführt habe, auf, etwa dieselbe Methode auf die Ermittlung der Populationsdichte hiesiger Vierbeiner anzuwenden. Zu großräumig. Zu dicht und verzweigt das Geflecht ihrer Wege beim Gassigehen und Herumstreunen. Und sowieso wäre es eher einem krankhaften Fetisch gefolgt als wissenschaftlich begründet. Sie sind ja alle, ich nehme es an, gemeldet.

Eines aber weiß ich bereits, und es mag dann doch als Ausgangspunkt und -these für mögliche Nachforschungen in der Zukunft, von Langeweile geplagt, dienen, dass scheinbar all diese Wege kleiner und größerer Hunde direkt vor meiner eigenen Haustür verlaufen müssen, und das beständig, deuten doch die Hinterlassenschaften, in jeder Kategorie vorhanden, darauf hin.

Sachbücher, vornehmlich im Bereich der Naturwissenschaften, wie wohltuend anders als Belletristik, immer bei den Fakten, immer bei dem was ist, nie sich verlierend in der Ideenwelt eines Einzelnen,

Bevor ich mich in meiner verliere, mache ich jetzt lieber einen Spaziergang, um auf andere Gedanken zu kommen, vorsichtig dabei einen Fuß vor den anderen setzend, Denn ich kenne so ungefähr die hiesige Populationsdichte. Sie ist groß.

Schokoladenfarbene Katze entsprungen

Kaum war ich mal ein paar Tage aus dem Haus, waren es nicht etwa die sprichwörtlichen Mäuse, die die Gelegenheit nutzten, Tischer auch nicht (der würde auf Ab- oder Anwesenheit keine sonderliche Rücksicht nehmen), doch ging es trotzdem um eine Katze, die schokoladenfarben schön, aber wild, ihren Weg aus dem Sack gefunden hat, in die ich sie, Tierfreund, der ich bin, ganz vorsichtig hineinstopfte, bis sie groß genug wäre, um, irgendwann wieder freigelassen, draußen auf freier Wildbahn schon bestehen würde. Sie wollte wohl nicht warten, JETZT IST SIE AUS DEM SACK!

„Nicht mehr zurück, wie mir’s beliebt? Ich müsste / die Tat vollbringen, weil ich sie gedacht“, ließ der Schiller seinen Wallenstein sagen. Nun, an Umsturz denke ich nicht, die Weltherrschaft bleibt eine reine Mittagspausenangelegenheit. Doch ja, die Traumgrenze ist erreicht und darüber hinaus bin ich, nur an Träume zu denken. Nein, ich plane sie, ich arbeite -nicht alleine- an deren Umsetzung und wenn es wird, was im Kopfe (und Herzen), als Bild bereits ist, so wäre das für mich, der ich Herr Hund bin und bleibe, und vielleicht auch für manch anderen ein schöner Grund zum Wälzen. Vor Freude wohlgemerkt.

Es ist aber noch nicht viel Ziel in diesem Vorhaben, die Katze ist zwar raus, sie will offensichtlich, doch will die Welt? Ich sprach davon in einem früheren Beitrag und kenne die Zickigkeiten, die Lust am Fallenstellen, die so eine Welt haben kann. Da kann so ein Kätzchen, mutig zwar (oder eher tollkühn?), seiner eigenen Unvorsichtigkeit geschuldet, schnell…………. ………ich vervollständige nicht das Bild und werde lieber noch einmal Schiller zitieren:

„In meiner Brust war meine Tat noch mein: / Einmal entlassen aus dem sichern Winkel / Des Herzens, ihrem mütterlichen Boden, / Hinausgegeben in des Lebens Fremde / Gehört sie jenen tück’schen Mächten an, / Die keines Menschen Kunst vertraulich macht.“ (Wallensteins Tod, 1.Aufzug, 4. Auftritt)

Oh Gott, ganz so dramatisch wird es nicht werden. Sicher nicht. Es ist aber ein wenig Bammel dabei, ich gestehe es. Ein wenig so wie beim ersten Sprung vom Zehn-Meter-Turm, diese da anzusprechen, ob sie tanzen möchte, oder einfach die erste Fahrstunde. Theoretisch, ja, da konnte man sich unter Umständen einreden, Bescheid zu wissen und sich sicher zu sein, es passiere nichts und trotzdem, wem will man etwas vormachen, man weiß nicht genau und steht plötzlich an der Kante und alle starren einen an. Das prickelt. Das erzeugt Spannung……

….und es ist letztlich nur deswegen eine geile Geschichte, dieses Leben. Wegen dieser Sprünge.

Jetzt ist sie entsprungen, die Katze, ich springe ihr nach. Es wird. Doch ich bleib in jedem Fall Herr Hund

P.S. Tischer flüstert mir gerade ins Ohr, „Nichtspringen ist was für Luschen“.

In dem Punkt keine Lusche mehr.

P.S.S. Tischer ist übrigens wasserscheu. Das nur so unter uns!

P.S.S. Das Wichtigste hätte ich jetzt ganz vergessen: Fans wären schön!

Das ist der Dose Keks.

Mit zu großen Erwartungen bin ich gestern zu einer besonderen Ausstellung gegangen. Alles hinter Glas, das meiste Blech. Und überhaupt keine greifbaren Inhalte. Kunst statt Kekse. Ist das die Erkenntnis, dass sich die Inhalte mit der Zeit verflüchtigen bzw. verkrümeln und nurmehr die Verpackung (wenn auch teilweise schön gestaltet und verziert) bleibt, die leere Form? Kulturverschmutzung nenne ich das, Pah. Und mein Appetit wurde nicht befriedigt. Stattdessen kann ich anhand der ausgestellten Objekte nachvollziehen, wie sich Kunst zur Marke (zu ihrer Nachgeburt) wandelt.

Wenn etwas keinen Inhalt hat, ist es möglicherweise Werbung,

DSCF5609 Das sagte ich jetzt als Jemand, dem Kekse immer über Kunst gehen werden. Für Kunst gibt es bessere Kenner, weshalb ich mich davor hüte, mich weiter darüber auszulassen. Ich setze mich am Besten gleich selber in den Verdacht, ungerecht zu sein und kann deshalb nur jedem den Rat geben: niemals mit leerem Magen eine Kunstausstellung zu besuchen; es sind ganz eigene Ansichten, die sich dabei einstellen.

Und jetzt doch noch von meiner Seite ein wenig Werbung, mit gar keinen Worten, sondern nur dem Link:
http://www.broehan-museum.de/infoseiten/a_bahlsen.html