Frankfurt, uns bleibt Paris.

Im Gegensatz zum letzten Jahr, Erfahrung plus eins, ging es eigentlich. Gut, sie haben nicht Platz gemacht auf der blauen Couch und noch immer fragen sie lieber bei Dennis, was geht, aber ich komm so rein in das Treiben, bin viel weiter weg von Panikattacken und Nahtoderfahrungen, als ich befürchtete. Tatsächlich bin ich mehr oder weniger mit einem einzigen T-Shirt durch die ganze Angelegenheit gekommen.

Applaus? Danke.

Heute lief ich meine Abschiedsrunden. Heute nahm ich ernst, was Madame aufgetragen hatte. Heute nahm ich Kochbücher in den Blick. Und zunächst machte ich meine Aufwartung bei Herrn Bernhardini, seines Zeichens Schokoladentester und neuerdings -produzent. Madame konnte nicht, lag krank zuhause und so musste die Reserve, also ich, ran. Er sprach, tut mir leid, ich kann es nicht wiedergeben, ich machte dazu fachmännisch mmh mmh ja ja, weiß aber im Grunde nur, wann Schokolade mir schmeckt. Es ist vielleicht nicht von Vorteil, das hier jetzt herauszuposaunen, doch möge man mir die Ehrlichkeit und Authentizität hoch anrechnen. Ich werde, kommen wir auf Bücher zu sprechen, hierbei noch Fachkompetenz beweisen. In allem anderen bin ich lediglich stiller Genießer oder lauter Mampfer.

Und damit war das getan, die Geschmacksproben reservierten Kapazitäten im Tragebeutel, die von mir für Belletristisches vorgesehen waren. Hier half Pons.

Zu den Ansammlungen, neben Nüssen und Beeren, werde ich mich bei anderer Gelegenheit äußern, en detail, wie man zu sagen pflegt. Noch bin ich ja, das sollte der ein oder andere noch wissen, beSETZT. Ich muss mich folglich ganz darauf verlassen, dass die Instinktsicherheit in mir weiß, was sie da eingesammelt hat.

…MEANWHILE an anderer StelleDSCF6360

„Du hast keine Streifen.“
MIAU!!!
„Du sollst welche bekommen.“
MIAU!!!!
„Ich werde Dich lehren.“
MIAU!!!
„Streifen, Luke, Du haben sollst.“
AU-MI!!!
„Erste Lektion: Scherben und Trümmer.“

Und so nahm diese Geschichte vermutlich den Gang, der zu erwarten war.

MEANWHILE in der Zivilisation…….

Ich wollte mich verabschieden, schön ist’s gewesen, bis zum nächsten Jahr, das eben und ein paar Bilder machen, für Nachwelt und Blog.

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Ooh, ist denn Frau Jürgs gar nicht da? Konferenz.

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So was, wo ist denn Herr Guggolz? Geschäfte.

Das war deprimierend. Ich meine, die Vertretungen machten ihre Sache nicht schlecht, doch hatte ich mich so gut vorbereitet, die passenden Schlussworte gefunden. Herrn Guggolz wollte ich sogar für das Abschlussbild meine Strickjacke überstreifen. Ich hielt das für einen phänomenalen Gag. Nun gut, es wird so gehen müssen.

Und einmal noch wollte ich für ein Foto Herrn S. auflauern. Der ist auch erstaunlicherweise recht leicht zu finden. So macht Stalken echt keinen Spass. Nur ein Mann vom Sicherheitspersonal, das nehme ich an, der war extra abgestellt, der nahm mir im entscheidenden Augenblick die Sicht. Es ist nur grün zu sehen.

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Ich war entnervt. Nichts lief nach Plan. Und selbst die Lesung von Bloggerkollegin Frau Reichelt , die konnte ich nur ein paar wenige Minuten verfolgen. Ich verschwand, Christopher blieb, wo er war.DSCF6365

Unbefriedigendes Ende einer Messe, die ansonsten recht schön verlief. Mit vollen Taschen, gesättigt von zahlreichen Würsten die Woche hindurch, geht’s morgen wieder nach Hause.

Gen Berlin, obwohl so fast ich geneigt bin, die umgekehrte Richtung einzuschlagen. Ein sehr schönes Gespräch mit einem Landesgenossen mag nicht ganz grundlos hierfür sein.

Doch eine Nacht schlafen und ich werde vernünftig werden. Madame wartet auf mich.

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(2/3) FortSETZen – Pilzähnliche Gedanken

Natalie verstand nicht, was an so einer Geschichte spannend sein sollte, es sei denn, man war eine einfältige Tigerkatze, die nach Sonnenreflexionen an der Wand sprang.

(Falscher Beitrag. Nichts gelernt. Ich soll ausrichten, das „einfältig“ zurückzunehmen.)

Was an so einer Geschichte spannend sein soll? Für diesen Punkt nehme ich das Durchgestrichene zurück und die Frage auf. Erweitere was man unter spannend verstehen könnte mache aus einer Geschichte mehrere, nenne es Literatur und frage mich also: warum Literatur, Literatur wie diese?

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Aleph, ich fühle mich wie ein Aleph. Um mich herum Unmengen von Literatur. Ich sollte mir einen Überblick verschaffen, das was das Ganze ware für dieses Mal und bin befangen von einem Detail. Ich bin so ungefähr bei Seite 500 und im Grunde für die Zeit der Lektüre ist jedes andere Buch gestrichen. Oder es wäre, das wenigstens, versetzt mit diesem Beigeschmack. Ich bin ungefähr auf Seite 500 und, das ist kein ästhetisches Urteil, ich sehne langsam das Ende herbei.

Es beginnt mich zu verändern. Es ist dieses Detail. Ich hänge dem nach. Ich laufe durch die Gänge auf der Suche nach Veranstaltungen und Lesungen, wo er liest, Clemens Setz, Chris Setz, Kris. Bei der Suche schmerzen mir irgendwann die Füße; Ich bräuchte besser einen Rollstuhl.

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Betreutes Lesen, so ein Unsinn. Wäre es nicht ein schöner Gedanke, über der Lektüre eines Buchs wahnsinnig zu werden und so die virtuelle Welt nie verlassen zu müssen. Eskapismus. An den Rändern der Literatur hat sie Risse, wie in einer riesigen, aber dabei programmierten virtuellen Spielwelt die Glitches,

als wäre die Raumzeit ärgerlich über die unerwartete Grenzbegehung, bestimmte Blickwinkel ergaben keinen Sinn mehr, der Zusammenhalt der Textur war nicht mehr gegeben, ein Schritt konnte schon den Durchbruch bedeuten.

Und mein Lesen ist nicht dein Lesen, diese meine Welt nicht deine. Und ob mir unsere Welt im Lesen gefallen würde, ist nur eine Behauptung. Technisch mag das funktionieren. Ob es ästhetisch eine Möglichkeit darstellt…?

Wurde schon einmal ein Autor beim Schreiben wahnsinnig? Ist betreutes Schreiben eine Option? Eher nicht. Hingegen, der Autor, der einem diese scheinbar riesenhafte Welt überlässt, für die er irgendwann die Lust an ihrer Erschaffung/Programmierung verloren hat, der einen mit dieser Welt sich selbst überlässt und es billigend/mutwillig in Kauf nimmt oder es sogar provoziert, dass der „vernünftige“ Leser dabei den Ausgang nicht mehr findet, der wäre nicht zu betreuen, sondern einzusperren.

Schützt uns Leser vor den Autoren!

Das ist aber außerhalb. Ich kümmere mich spatter darum. Noch bewege ich mich innerhalb des Buchs. Es legt sich mit jeder Seite Gedanke auf Gedanke und an dunkler Stelle in meinem Gehirn lagern sie sich ab und bilden die Form eines Pilzes. Es sind ungesunde Gedanken. Ich werde besser den ganzen Pilz herunterschlucken und ausscheiden, ist das Buch einmal gelesen.

Sonst verdirbt er mir die Lust auf Weiteres, auf Anderes. Und ich hinge diesen Gedanken auf ewig nach, wie ein Stalker.

(Anmerkung aus Selbstschutz: natürlich sind gewisse Passagen nicht so gemeint. Sie sind Teil einer von mir programmierten Welt, ich sagte nicht vollendet, ich sagte programmiert. Ich weiß sehr wohl um die vielen Bugs in meinem Text. Und es sei auch nur erwähnt, weil vielleicht einer meinen könnte, es würde den Tatsachen entsprechen. Ich nehme für mich in Anspruch, literarisch gewesen zu sein: alles wahr, aber nichts davon entspricht irgendwelchen Tatsachen.)

XXVII. Das wahrscheinlich größte Abenteuer diese Woche – wenn sie keiner warnt

Mein Gott, die vielen Streifen machen dich auch nicht klüger, hm?

Also das ist jetzt nicht dein Beitrag, Clemens. Halt Dich da raus! Abgesehen davon, Du hast keine Ahnung von Katzen und von solchen mit Streifen schon gleich gar nicht. Ich halte dich für ziemlich intelligent, aber da liegst du ganz daneben. Streifen stehen für mehr als Intelligenz. Streifen machen Intelligenz überflüssig. Wer Streifen hat, muss nicht Geschichten sich ausdenken, er macht sie. Und wenn ich seh, Du erzählst auf tausendund Seiten eine Geschichte, ist zu vermuten, nirgendwo an deinem Körper auch nur der Hauch von einem Streifen, nichts davon eigenes Abenteuer. Nur Denken, nur Intelligenz und Genialität.

Ganz anders einer, dessen Streifen man schon von weitem sieht, wenig von dem, was dir wichtig ist, doch randvoller Aventiure und bereits so viele von denen gemeistert, manche durch bloßes grimmig Draufschauen, dass anzubauen wäre für die vielen Streifen. Denn er wächst nicht mehr an Körperfläche und nicht mehr optisch unterzubringen ist sein ganzer Mut.

Und all diese verdienten Streifen ohne sich viel dabei denken zu müssen. Für das Wenige, das bedacht werden musste bislang, standen wir In der Pflicht. Er aber, einfach hin, rein in das Abenteuer, das gerade wollte oder musste, weil er schneller war, und bestanden. Selten, ganz selten, Worte gemacht. Sondern sich den Streifen abgeholt, zurück unter die Decke, mehr nicht.

Sei’s drum. Das war zu klären. Ist geklärt. Stör nicht weiter mit unsinnigen Zitaten und lerne lieber von einem, der ein Träger von Streifen ist. Deine Zeit für einen eigenen Beitrag wird schon bald wieder kommen. Jetzt aber zum vorläufig größten Abenteuer in dieser Woche: wir, die wahrscheinlich unglaubwürdigste Reisegruppe, die sich denken lässt sind auf halber Strecke. Und sie, die am Ende der zweiten Hälfte sind, sollten langsam mit dem Zittern beginnen, denn Tischer ist dabei. Und er hat diesmal einen großen Filzstift dabei, in schwarz.

Für diese Aventiure, ausnahmsweise, hat Tischer sich vorbereitet. Er will einfach in den drei Tagen fertigwerden. Drei Tage, das hätte vor ihm keiner geschafft. Drei Tage, in denen Tischer den ganzen Texten den Garaus machen will. Streifen gegen Text. Dicke schwarze Streifen. Er hat geübt. Wir überließen ihm, was wir entbehren bzw. nicht schnell genug verstecken konnten. Es tat uns, Marcel und mir, trotzdem weh, das alles mit anschauen zu müssen.

Wir versuchen alles, um es einzudämmen, um Tischers Rabaukentum und Wildheit im einigermaßen Zivilen zu halten. Nur befürchten wir einen Rausch, wenn er erstmal die Hallen voller Texte sieht. Aber es ist nur ein Filzstift. Was ist damit schon auszurichten? Dem Aufsichtspersonal können wir nur die Empfehlung aussprechen, am Eingang die Texte vom Vorjahr auszulegen. Das würde ihn aufhalten, bis der Stift leer ist.

Und wir warnen die, die solche Texte verfassen, Abstand zu halten. Er erkennt sie und er bekritzelt sie. Da hättet ihr dann eure Streifen, nicht abwaschbar. Es ist für manchen ja vielleicht sogar eine Ehre, von Tischer Streifen verliehen zu bekommen. Der kann die Warnung ja ignorieren. Wir haben jedenfalls hiermit unsere Pflicht getan. Jeder weiß Bescheid.

Dann wäre da noch die Sache mit den Kassetten von lauter Musik, My Way von Frank Sinatra, Tischer Lieblingslied. Denn, Tischers Plan, was Text ist, wird gelegentlich auch vorgetragen und so will er mit Frank Sinatra in voller Lautstärke und in Endlosschleife diese Lesungen sabotieren.

Fragt also nicht, wenn laute Musik erklingt, kein Wort mehr zu verstehen ist, weil infernalisch Frankie durch die Hallen tönt, ist das das Ende und Wie komm ich jetzt schnell nach Hause unter mein Bett, sondern das bedeutet nur, Stift ist alle, Tischer macht akustisch weiter und ja, vielleicht, ist das das Ende und schön ist es zuhause unter dem Bett. Doch es gibt Schlimmeres. Tischer könnte zum Beispiel Helene Fischer abspielen. Man kann nicht sagen, Tischer wäre nicht human.

Das zu Tischers kleinem Feldzug gegen jede Menge Text. Wir stehen kurz vor den Toren der Stadt. Und wenn die Stadtoberen jetzt nicht alles verschließen mit Vorräten bis zum Winter und die Mauern hochziehen bis kurz unter die Decke, dann wird’s sicher lustig. Es ist ja nur einer, der ein wenig Anderes im Sinn hat als seine Mitreisegenossen.

Die Pfaueninsel

Höchstens fünf Minuten dauert das Übersetzen mit der Fähre. Eine Menge Menschen, die sich jedoch schnell verläuft. Es gibt zahlreiche Wege auf der kleinen Pfaueninsel, vieles zu entdecken, Verborgenes, für das man den Blick hat oder nicht. Die Tapete im Jagdschirm jedoch, in Schweinfurter Grün, ist längst abgeblättert und beim Betrachten von außen durch die Fenster nur noch zu ahnen. Tor_Himmel Ob ich mit den Augen des Autors die Insel betrachte, mit den Augen seiner Heldin Marie oder doch mit den eigenen? Was wir sehen heute, ist eine andere Welt, doch bleibt sie letztendlich dieselbe. Sind alles Bilder, die man hat, das Offensichtliche, die Empathie, sie schlägt die Brücken. Impressionismus. Brücke_grün_grünNicht mehr finden sich die ehemals zahlreichen exotischen Tiere; Pfauen sind da noch, natürlich, kreuzen den Weg, werden -verbotenerweise, nicht von uns- gefüttert mit süßem Gebäck. Ein paar Pferde und Ponies, ihre Mähnen, sind zu entdecken hinter hohem Schilf, dahinter das Wasser der Havel, die Segelboote. Und Schafe (oder Ziegen) liegen müde im Gras.

Die Fontäne, in Blickachse zum Schloss, ergießt sich weiterhin, für die Besucher, für uns. In Meierei und Schloss sind Führungen zu machen. Nicht die greise Schlossherrin, die alles zeigt. Und froh wieder ist und für sich, sind die Besucher verschwunden.

Auf einer Bank, in der Nähe des Luisentempels, die kurze Rast. Der mitgebrachte Zitronenkuchen wird nicht geteilt. Zu schmackhaft. Gestärkt der weitere Gang. Und nur ein kurzer Besuch der Liegewiese. Die Schlange am BBQ-Stand wäre eh zu lang gewesen. Und der Zitronengeschmack auf der Zunge hätte sowieso sich mit einer Thüringer Bratwurst nicht gut vertragen, obwohl ich…doch Herr Hund beherrscht mich nicht immer. Struktur_des_Schönen Im Zentrum die Voliere. Etwas Unbedingtes, Forderndes liegt in der Schönheit dieser Vögel, dabei wie unsicher der Erfolg. „Schönheit ist Willkür. Es gab sie nicht, wenn er ihr nicht gefiel. Ganz egal, ob ich ihn schön finde, dachte Marie, nur ihr muß er gefallen.“ (S.68) Er ihr und kein Anderer. Muss gefallen. Nicht sehr angenehm kann das sein. Und wenn sie sich ihm ab- und einem anderen zuwendet? Ist er dann nicht mehr schön zu nennen?

Zum Glück sind wir weiter. Sind weniger befangen als die allein auf Fortpflanzung Bedachten. Oder doch viel mehr befangen, gedankenvoller, dabei im Einzelfall und -Urteil gedankenloser. Was den Pfau angeht, ohne Absicht, die Vorderseite im Blick, können wir die Schönheit des Federschmucks bewundern, ohne zu müssen. Machen ein paar Bilder und setzen den Weg fort.FederschmuckAm Ende wird das Schloss angegangen. Heute ist es nicht zu betreten. Von außen ist es Kulisse. Ein wenig Angst könnte man haben, sie unabsichtlich umzustoßen durch Berührung. Wie sich auf dieser Insel vermischt, Attrappe und Natürlichkeit, ist faszinierend. Dabei ist jedoch nichts Falsches, wenn auch Unechtes.Mir scheint, wo der Mensch ist, existiert ganz selbstverständlich Beides, neben- und ineinander.

Vorbei der Rundgang, ein baldiges Wiederkommen jedoch wahrscheinlich. Die Wirkung des Zitronenkuchens ist verbraucht, zuhause wartet der Spargel. Die Wirkung der Insel, sie wird nachhängen.

Wie es das Buch von Thomas Hettche, „Die Pfaueninsel“ längst schon tat, bevor es Monate später überhaupt gelesen wurde. Jetzt, da es gelesen, kann ich auch sagen, es hat mich nicht enttäuscht. Es hat das getan, was in Hettches Lebensbeschreibung der Marie Strakon einmal in Bezug auf Gärten treffend gesagt wird, und es mag gelten für das Leben selbst, doch sicherlich für gute Geschichten: „Nur um das Herz zu berühren. Und das ist doch unsere Aufgabe auf der Welt, nicht wahr? Das Herz des anderen, aber auch unser eigenes. Ganz gleich wo wir sind.“ (Seite 143)

Von der Messe (3/3,5): Faulkner, Proust und Happy Hour

Literatur ist Rausch. Ist es das nicht, ist es keine Literatur. So viel zur Tautologie.

Der Presseausweis hing dem, der Herr Hund ist, ein wenig ärmlich und traurig weiter um den Hals. In der Ernüchterung, die eingesetzt hatte, ein unwesentliches Detail. Bevor es ihm zu Kopf stieg, die Literatur, kam dem zuvor der Kater. Es hätten Dosen von Ravioli sein können, Tiefkühllasagne, Universalreiniger, der Supermarkt um die Ecke also und ich/er mit dem Einkaufswagen durch die Gänge, die Erhebung des Geistes wäre hier wie dort nicht unbedingt zwangsläufig.

Literatur fängt mit einem Rausch an, sollte sie. Und dann wird sie gedruckt und kommt in die Regale.

Würde man die Liebe bei einer Erotikmesse suchen? Ich weiß es sicher, Herr Hund und auch ich, lieben die Literatur. Keiner soll sagen, Liebe setzt Verständnis voraus. In den wenigsten Fällen tut sie das. Oft sogar endet sie damit, wenn es dann auch wie Un-Verständnis daherkommt. In diesem Wie-sag-ich-es-ihr und Wie-kann-ich-mich-ihr-nähern so tollpatschig und ängstlich, jedesmal. Am besten gar nichts sagen, gar nichts tun und aus der Ferne, in seinem Zimmer. Heimlich. Jetzt dieser öffentliche Ort. So viele Verlockungen. Und Nebenbuhler. Konkurrenten.

Literatur ist Liebe. Eine Möglichkeit, die sich zufällig aus der Alliteration ergibt. Beides ist aber Rausch. Darin stimmen beide überein.

Wie übermütig ist man im Rausch. Wie töricht so oft. Unzurechnungsfähig? Verminderte Schuld? Vielleicht. Wenn es nicht Bücher, sondern Alkoholika gewesen wären, es wäre eine Warnung ausgesprochen worden. Ich blieb nüchtern, seltsam eingeschüchtert. Und wie nah beieinander war da auch der Impuls, nur weg. Ich hätte mich unter den Augen der Anderen nicht berauschen wollen. Ich hätte mich geschämt.

Wenn Literatur diese Liebe ist, ist sie intim. Ein kleiner Kreis von Zwei, die nicht gestört werden wollen.

Und wenn ich die Literatur der Berauschten lese, ist da immer auch das Gefühl von Intimität dabei, eine, bei der ich der Eindringling bin und die ich auch nie werde ganz verstehen können. Man kann Liebende niemals verstehen, sofern es den Rausch betrifft. Es gibt Literatur und wahrscheinlich könnte ich wirklich ganz vernünftig über sie sprechen, doch bleibt mir ein Kern auf ewig verschlossen. Mir geht es so mit Faulkner. Mir geht es so mit Proust. Mir geht es so mit ein paar Anderen. Und bei diesen ist es diese mich reizende Verschlossenheit, hinter der nicht die großen Wahrheiten stehen müssen, die mich aber immer wieder so sehr in einen Rausch versetzen kann, von dem ich glauben möchte, sie hätten dasselbe erfahren, als sie diese Literatur verfassten. Als hätten sie für mich….Nein, sicher nicht. Es ist ein Rausch, wie gesagt. Da denkt man manchmal solche Dinge.

Wenn Literatur wie Liebe ein Rausch ist, so wird die Nüchternheit folgen. Und sollte es wahrscheinlich auch. Niemand kann ewig im Rausch sein, ewig verliebt, ewig nur zu zweit.

Ein Aspekt von mir fand sich in dieser anderen Nüchternheit einfach nicht zurecht. Und wenn es mir etwas hätte geben können, so hätte ich die Happy Hours, die jeden Tag zur selben Zeit stattfanden, des Rausches zuliebe, in Anspruch genommen, als Aufputschmittel, um hinter den Büchern möglicherweise doch noch Literatur zu finden. Wahrscheinlich aber rede ich mir da nur etwas ein. Ich habe dieser Versuchung nicht nachgegeben.