Glück / Wehmut

Wo ist Glück? Wo auf der anderen Seite Wehmut ist. Der Moment damals im Jardin du Luxembourg, Kinder und ihre kleinen Schiffe, der Mann, der mich zu einer Schachpartie einlud -leider musste (?) ich ablehnen, zu dürftig mein Französisch-, und dann der aufkommende Wind, es war bereits Anfang Oktober, lange konnte ich nicht sitzen und beobachten. Ein glücklicher Moment.

Glücklich. Stimmig. Doch ging vorüber.

Wie am Nachbartisch sitzend, verfolge ich nun die Szenerie. Eine alte Frau, eine junge, Alice und Julie, Alice vermisst Vicente, der sie sonst bediente, Julie wartet auf Gerard, es war ihr erster Tag im Le Refuge.

Nicht in dem Sinne, aber doch, habe ich mich in diese kurze Erzählung von Ulrike Ulrich auf’s Heftigste verliebt. Es wird vergehen. Aber noch sitze ich da, beobachte die beiden Frauen, doch nicht nur sie. Es ist dieser Moment, schwebend, das große Wort „Harmonie“ kommt einem in den Sinn, nie ist das Leben ja perfekt. Und muss es nicht sein.

Julie wartet. Alice hat gewartet, ob Frédéric sie noch wird lieben können. Bis Frédéric sich ihr offenbart hat.

Alice denkt an die Zeit, als sie endlich mit dem Warten aufgehört hat, sie hat trotzdem nicht aufhören können, Frédéric zu lieben. Sie hatte bloß mehr Zeit für andere Dinge. (…) Dass er sie jetzt doch noch verlassen wird. Vielleicht sollten sie noch einmal zusammen wegfahren. Wenn die Pflegerin mitkäme (…)

Und Julie wartet auf Gérard. Jeden Tag, dass er sie abholt. Dass es anders wird. Im nächsten Jahr, wenn er mit seiner Arbeit fertig sein wird. Bis dahin…

Alles in der Schwebe, alles kann noch so oder so sein. Im Café, für Momente, Kommen und Gehen, immer derselbe Tisch, die Kollegen, der Treppenaufgang der Metro-Station gegenüber, Kommen und Gehen. Warten. Doch irgendwie gemeinsam.

Wie es immer ist.

…und als gäbe es hier nicht genug Gründe, an alte Zeiten zu denken, hat ihr Café jetzt auch noch eine wartende Frau, die Alice so sehr an sich selbst erinnert, dass sie den Rosé beinahe wieder so schnell trinkt wie damals, als sie ihr Tempo an Frédéric anpasste, als sie hoffte, das gemeinsame Trinken würde sie zur Erfüllung führen. Jetzt trinkt er nicht mehr. Jetzt trinkt nur noch sie.

Es gibt wohl zwischen Warten und Erinnerung nur kurze Momente des Glücks. So klein klingt es. So verschwindend klein. Und wenn der frischverliebte Tony, ein Kollege von Julie zu tanzen anfängt, weil er frisch verliebt ist in den Obstverkäufer und diese Liebe erwidert wird, dann soll nicht mehr erwartet werden. Tanzen ist auch nur ein Schweben.

Das macht Vieles leichter. Jeder lechzt danach. Jeder hofft darauf und sucht darin Erfüllung. Und lebt dewegen vielleicht in falscher Erwartung darauf hin, ganz sicherlich. Aber ginge es anders?

Die Erzählung, sie war ein kurzes Verliebtsein, ein Schweben und Tanzen, und wenn ich mich versteigen darf, bei aller Traurigkeit ein perfekter Moment von Glück. So lange es dauerte.

Doch irgendwann nimmt man einen letzten Schluck, zahlt, steht auf und geht nach rechts oder links. Auf diese Erzählung der Autorin folgen noch Weitere. Ich versuche, meine Erwartungen zu dämpfen, beinahe ängstlich, weiterzulesen.

Nein, erst morgen wieder. Es war für den Moment zu schön im Le Refuge.

Draussen um die Zeiteiner Erzählung der Autorin Ulrike Ulrich aus: Draussen um die Zeit, luftschacht-verlag 2015

Siehe Rezension in der NZZ

Und für die später Hinzugekommenen, also auch für mich bei einer wertgeschätzten Bloggerin Weiteres Positives zum ganzen Band.

 

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Am Ende das Glück

Sackgasse

Es hat eine gewisse Redundanz. Das weiß man irgendwie vorher schon. Das kleine Glück. Der Mann aus der ersten Erzählung, fast wäre zu wünschen, er hätte tatsächlich Großbauer Meissners Scheune angezündet. Es klärt sich nicht. Nichts klärt sich. In allen Erzählungen bleibt es bei Andeutungen und Unausgesprochenem. Es bewegt sich nicht. Lediglich Autotüren werden geöffnet und wieder zugeschlagen. Kurze Fluchten, nie sehr weit, dann schnell die Umkehr.

Die Frau aus dem Nachbarhaus. Ist sie eine Angehörige der Verstorbenen? Ein Gespräch in lauer Sommernacht über den Zaun hinweg. Er sitzt später auf dem leeren Bett; Sie hätte eure Mutter sein können.

Der entfernte Freund im Krankenhaus, die verständnisvolle kleine Tochter. Kinder sind noch keine Erwachsenen.

Ich kenne das, nicht die Siedlungen, in denen die Geschichten (!?) sich abspielen. Ich kenne das Einlullende an so einem Glück. Es knirscht. Und es ist nicht der Garagenkies. Doch hört man es nicht. oder man hört es, tut es aber ab. Das kleine Glück kann die Hölle sein. Das kleine Glück ist der Frosch auf der Herdplatte.

Der Höhepunkt des gefährlich unscheinbaren Buchs von Bernhard Strobel, die letzte Erzählung; sie ist die längste. Ein Mann im Pflegeheim/Krankenhaus, er ist älter. Sein Leben hat er vertan. Er ist selbstgerecht. Er hat Bedürfnisse. Mit dem Feldstecher sitzt er im Rollstuhl und beobachtet, schreibt Briefe an einen vermeintlichen Freund. Der nie kommt. Dafür bekommt er am Ende unerwarteten Besuch. Tröstlich.

Sein Glück,

es ist ein großes Wort mit wenig Inhalt, auf das alle sich gleichzeitig stürzen, gierig, durstig, wie vor einer Schanktheke mit Freibier am Straßenrand, in einem elenden Gedränge, und da ist es nur natürlich, möchte ich meinen, dass nicht für jeden etwas abfällt, immer wird es welche geben, die danebengehen und zusehen und sich damit trösten, dass es auf lange Sicht kaum eine Rolle spielt, weil es die Maden gewiss wenig kümmert, ob man glücklich gelebt hat, sie können das glückliche Fleisch nicht aus dem glücklosen herausschmecken. Oder können sie?

Aus der Sicht mag es stimmen. Auf lange Sicht verhilft einem kein Eigenheim zum Glück – per se.

Ganz sicher scheint mir, dass aber auf lange Sicht unglücklich macht der Blick auf das, was man nicht hat – und dass man sein Nichtbemühen um die wichtigen Dingen dabei hinter Gartenzäunen versteckt bzw. verbarrikadiert.

Bernhard Strobel, Ein dünner Faden – Literaturverlag Droschl

 

Salzwasser

Gleich zu Beginn eine Anmaßung. Oder dieses vermeintliche Geständnis ist nur ein rhetorischer Trick, nicht ernst gemeint, nicht ehrlich, eben anmaßend. Der Gedanke setzt sich fest, die Verbindung ist hergestellt. Herr Hund führt Kafka an der Leine:

„Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder vorstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.”

Lassen wir die Anmaßung einmal dahingestellt. Sagen wir einfach, es ist mir bewusst und glauben es mir. Ich bin neben ihm ein Wicht. Einer wie er führt mich.

Ich spreche auch nicht darüber, zunächst oder nie, über eine Erwähnung vor ein paar Tagen in einem Beitrag, Bücher würden glücklich machen, denn Glück, wie Schönheit, ich bin mir nicht sicher, diese Begriffe zu verstehen. Immer hoffe ich, da kommt noch eine Erklärung, doch nein, sie fällt aus. Als wäre das doch klar. Mir nicht. Für den Moment stelle ich für mich fest, Glück ist das Gegenteil von Langeweile, Schönheit das Gegenteil von Tristesse und Monotonie. Bewiesen ist es nicht.

Mir geht es um den zweiten Teil des Zitats, um das Meer in uns, tief, schwarz und unbändig, unzähmbar. Und wie ich diesen Satz schreibe und vom Meer spreche, fällt mir Ibsens „Frau vom Meer“ ein, lasse das aber als Randbemerkung (und möglicherweise weitere Anmaßung/Ausschmückung) links liegen und wende mich dem Eigentlichen zu: was Meer noch ist.

Salz, es ist Salz. Es ist das Eine, es freizuschlagen, sich zu konfrontieren mit den Tiefen, sich den Stürmen auszusetzen, in kleinem Boot darüber hinwegzufahren, von Insel zu Insel. Es ist etwas Anderes, dass man es als Schiffbrüchiger tut, oder tun sollte (wenn das nicht doch zu viel verlangt wäre, denn warum sich dieser Not aussetzen, allein für eine in Aussicht gestellte Selbsterkenntnis, ohne die zu leben ja möglich ist, immer wieder bewiesen). Und als solcher, allein auf dem Meer, fernab, wird ein Durst zwingen, zu trinken vom Meer, auf dem man fährt, der Abgrund und Tiefe ist. Und Salz, von dem ich weiß, es löscht den Durst nicht, im Gegenteil.

Was wäre da nicht anzunehmen, dass Lesen (und Schreiben, dass die Beschäftigung mit Kunst), eine im Grunde genommen einsame Beschäftigung darstellt, mache man sich nichts vor, dass sie niemals den Durst stillen kann und wer es ernst meint, immer weitertrinken wird, verdurstet er auch zum Schluss an aufgeschlagener Tiefe.

Sind Bücher (ist Kunst) Meere aus Salz, das Salz der Erde, so kann nur geraten werden, sich entweder nicht allzu ernsthaft damit auseinanderzusetzen, warum sollte man es dann aber tun, oder sich aber wenigstens nicht zu weit wegzubewegen von den Inseln, dem festen Boden, und ich nenne es anmaßend, vom konkreten Leben.

…muss zur Arbeit. Der Gedanke ist fallengelassen. Vielleicht wird er nochmals aufgehoben.

XIV. Aventiure Tischer: die fehlgeschlagene Ausweitung der Kampfzone

Der Balkon? Erledigt.

Wohnzimmer und Küche konnten wir Tischer ausreden. Das Porzellan und die schönen Dinge wollen erst ausgelagert werden. Wir haben da nämlich die Vermutung, dass bei einem Abenteuer (besonders in der Ausführung Tischer) so sehr viel Rücksicht auf Scherben und Verwandtes nicht genommen werden kann. Das verstehen wir natürlich, sehen aber eine Vorbereitung als notwendig an, da wir Suppen so gerne aus Tellern essen.

Das Schlafzimmer, das fällt schonmal ganz raus. Da wird Tischer naturgemäß schwach und fällt sofort in einen Höhlenschlaf, als wäre Winter, obwohl es nur Montag bis Freitag ist und einige Stunden am Wochenende. Man träumt zwar so einiges, wenn man schläft, manches so ziemlich abenteuerlich, doch das soll nicht zu den Abenteuern des Tischers hinzugezählt werden. Wie auch? Keiner außer Tischer ist dabei, wenn Tischer träumen sollte. Und Tischer erzählt davon nichts, denn eine Erzählung ist Text und Text ist…..genau. Und wenn Tischer im Schlaf grummelt und schmatzt, so können wir nur vermuten, es hätte irgendeinen Bezug zu einem geträumten Abenteuer. Gut, wahrscheinlich wären unsere Vermutungen nicht so ganz falsch, doch wer weiß das schon.

Zurück zu Tischers Abenteuer, wenn Tischer wach ist. Die näheren Räumlichkeiten waren also entweder nicht präpariert oder bereits abgeteuert, also ganz leer von allen möglichen Herausforderungen. Da war Tischer sehr gründlich. Einen solchen Fleiß hätte keiner von uns ihm zugetraut. Das eine Abenteuer, das wollte oder nicht fliehen konnte vor Tischer wurde von ihm komplett überrumpelt und bestanden. Der Gegner in Ziemlich ist jetzt unser Gast und hat das bestätigt.

In so einer Situation kam es unserem Ritter ohne Rüstung (aber mit einem Tuch) gerade recht, dass wir summa sumarum eine Reise machten. Tischer denkt sich -das fällt sofort auf, wenn er das tut-, da kommt er mit. Da draußen außerhalb der Räumlichkeiten würde sich eine Gelegenheit finden. Zudem kennt die Welt Tischer noch nicht so gut und so können sich die Abenteuer der Welt nicht mal so schnell unter dem Teppich oder im Schrank verstecken. Da sind die dumm oder blauäugig oder naiv, die Abenteuer der Welt. Nun, Tischer brach mit uns auf, die Welt sollte ihn kennenlernen. Das eigentlich Phantastische daran war jedoch….

…es ging alles ohne Scherben aus. Und ohne Verwandtes. Doch warum? Wegen der Besänftigung.

Es war ein Ort das Ziel unserer Reise, der zu possierlich sein sollte für Abenteurer mit Streifen, zu friedvoll und mit zu viel Schokolade. Da waren Häuschen und Gässchen, Türmchen und Mäuerchen. Nirgendwo ein Grummeln und Protzen. Gar kein Komm-Du-mir-bloß, dem Tischer ein Aber-gerne hätte entgegensetzen können. Alles, was ein Abenteuer hätte sein können, irgendwo anders oder vielleicht an anderen Tagen, wurde dort und zu dieser Zeit entweder hinweggeschönt vom Gegenteil von Novemberwetter oder in Geruch oder Geschmack überdeckt von glücklichmachender Schokolade. Man stolpert hinein in ein Märchen, doch gleich ans Ende. Sämtliche Griesgrame und Widerspenster sind längst schon geflüchtet oder bekehrt.

Das irritiert einen Tischer sehr. Mit so viel Idylle wird Tischer schwer fertig. Die Langeweile legt sich schwer über den Gestreiften. Er ist ratlos, was sonst nie das Problem ist. Tischer ist einer, der sich sooo viel Gedanken nicht macht und einfach tut, wenn ihn keiner aufhält. Er ist aber auch kein Krawallbruder und uns mag er ja. Er würde uns die Freude, die wir an diesem Ort finden, nicht mutwillig kaputtmachen wollen. Wenn da nur nicht diese Neigungen wären. Da sitzt er dann also, ein wenig abseits und weiß nichts.

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Ein paar Meter weiter nur wird gefeiert, Schokolade geschlemmt. Hier sitzt ein gestreifter Ritter und hat nichts zu tun. Er ist traurig, so voller Tatendrang. Nicht einmal ein Spatz zeigt sich, dem er hinterherspringen könnte.

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Wenn ein solcher sich seiner Traurigkeit ergibt, so richtig darüber mißmutig wird und in eine Lähmung und Starre verfällt, dann macht einen dieser Anblick selbst traurig. Er hätte ja nur die paar Sprünge machen müssen und hätte wie wir im Glück mit hohem Kakaoanteil baden können. Das ist aber sein Wesen nicht, beziehungsweise beschränkt sich diese Glückseligkeit auf Bamberger Hörnchen, eine bewundernswerte Treue und Einschränkung. Er gibt dieser Verführung also nicht nach, hält sich aber auch zurück, etwa uns diese mies zu machen und für Scherben zu sorgen. Er bleibt sitzen, wo er ist. Vielleicht kommt ja noch ein Abenteuer vorbei. Und spätestens kurz danach würde es ja wieder nach hause gehen. Da ginge vielleicht etwas mehr als in diesem Ort mit seinen Gässchen und Häuschen. Und dabei wird er so langsam, ganz ohne seine Decke und sein Kissen ein wenig schläfrig und unaufmerksam, sonst hätte er gemerkt, er wird beobachtet, eine ganze Weile schon.

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Dieser, der ein vielfaches größer ist als der, der ganz sicher aber ein vielfaches mutiger ist (siehe Streifen), gehört da hin, wo alles ein Chen im Namen trägt. Und er könnte unseren Tischer für einen Eindringling halten und die Herausforderung annehmen: Abenteuer, Du oder Ich. Nur so irgendwie gelingt es dem braunen Riesen nicht, Tischer auf sich aufmerksam zu machen.

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Es ist die Vermutung desjenigen, der diese Geschichte mitteilt, diese, dass, wenn man sehr lange an einem solchen Örtchen zu leben hat, einem die ganze Wildheit so wirklich ganz und vollständig ausgetrieben wird. Der Bär ist zahnlos. Man möchte seine Größe nur noch drücken und knuddeln. Angst würde er keine mehr machen. Als Abenteuer taugt er nichts mehr. Er ist keine Gefahr, weshalb unser Tischer auch selbst nicht auf- und die Gelegenheit anspringt. Ist ja keine. Früher vielleicht schon. Aber Tischer kann ja nicht immer und überall sein. Hätte der beachten sollen, jetzt, wo er zahnlos ist.

Er zieht es vor zu warten. Auf die Heimreise. Oder darauf, dass eine tatsächliche Wildheit an ihm vorbeizukommen wünscht. Diesen Wunsch würde unser Tischer dann wahrscheinlich nicht gewähren. Das wäre dann ein Abenteuer.

Und der Bär, ein Ex-Wilder, würde nur daliegen und beobachten oder höchstens herunterkommen, um zu knuddeln. eines eigentlichen Bären unwürdig oder, um es mit Tischer zu sagen, dieser Bär wäre eine Lusche und also gerade deswegen eines Abenteuers unwürdig.

Wort-brüchig

Fein und geistreich wäre er gewesen, poetisch und gehaltvoll, dieser mein neuer Text. Nein, ich habe mir diesmal richtige Mühe gegeben. ich weiß, sonst, ja sonst gebe ich mich allzu schnell mit Albernheiten und kindischen Scherzen zufrieden. Es auszuformulieren war zu mühevoll. Es gefiel und das gefiel mir. Mit diesem Beitrag nun wollte ich mich davon befreien. Was mir wirklich wichtig ist, sollte in dem Text stehen. Mein Innerstes wollte ich darein legen. Die Spur sollte tiefer sein, dauerhafter. Und es hat Kraft gekostet. Den Ärmelkanal schwimmend zu durchqueren braucht lange nicht so viel Kraft und Energie.

Am Ende war es mir gelungen. Tatsächlich war ich das erste Mal richtig zufrieden. Ich kann es, ich habe etwas zu sagen. Und ich war guter Dinge, auch gehört zu werden. Nicht nur zu unterhalten, sondern auch verstanden zu werden, die Menschen zu berühren, etwas in Ihnen anzustoßen. Ich weiß, das sollte man nicht verlangen von einem Text. das weiß ich alles und beschreibe auch nur das Gefühl, das ich hatte, als der fertige Text vor mir lag. Damit, so dachte ich, hätte ich nun eine höhere Ebene erreicht.

Es ist wirklich schön, ohne Zweifel zu sein. Ich hatte keinen.

Und wurde dabei leichtsinnig und übersah die Warnschilder, direkt vor meinen Augen. Zu sehr im Glückstaumel mißachtete ich die Gefahr. ich hätte es wissen können, Glück, wie ich es gerade noch empfand, dauert nicht ewig. Hätte, tat ich aber nicht und wurde belehrt, von gewissen Realitäten.

TroubadixDenn ein Steinschlag hat alles vernichtet oder zumindest so unter sich begraben, dass eine Bergung schwierig ist und dauern kann. Natürlich werde ich mir Mühe geben, versuchen, das Ein oder Andere zu retten. Und doch, die Hoffnung ist gering. Die Worte waren zwar richtig gewählt und drückten genau das aus, was ich sagen wollte, aber das kümmert die Realität doch nicht. Wenn ich also wiederfinde, was ich sagen wollte, wer sagt mir, dass nicht wieder mir eine Realität die Wahrheiten zertrümmert, dass zufällige Begebenheiten, die ich nicht voraussehen konnte oder wollte, meinen Weg kreuzen, das ganze Poetische zerbröseln lässt wie einen alten Keks.

Trotzdem werde ich weiter Worte suchen, Wahrheit und sowas. Ist doch klar. Ich kann gar nicht anders. Sicher werde ich aber ein wenig mehr acht geben, manchmal nach oben schauen und auf den Weg vor mir, was um mich herum passiert. Die Gefahr minimieren. Mehr kann ich nicht tun als so gut es geht meine Worte der Realität, so unkalkulierbar sie ist, annähern, auch wenn ich weiß, dass sie das letzte Wort hat, gewichtig, wie sie ist.

Falls jemand es wissen möchte, ich selbst wurde bei dem Ganzen übrigens nicht begraben. Es waren nur meine Worte. Worte? Wie schwach bisweilen. Ein wenig Realität fällt ihnen auf den Kopf und schon liegen sie da, hilflos zertrümmert. Mein Glück, dass ich nicht nur aus Worten bestehe, sonst würde ich da jetzt liegen. Und wer wäre dann da und würde mich bergen?

Was bleibt? Dieser Text hier, lange nicht so gut, wie der, der mir erschlagen wurde. Und sein Autor, ich. Ohne Kopfschmerzen.