Für gesunden nachhaltigen Humor

So spassig auch der Tag, ist da doch dieses Gefühl, alles irgendwie ein wenig fad und abgeschmackt, wenig originell, künstlich. Das Nachhaltige wird vermisst. Ein Humor, der an seiner kurzweiligen Oberflächlichkeit krankt. Es findet sich kein Mehrwert. Abhilfe täte not, und notwendig deshalb, zu klären, welches sind die Ursachen? Lachen war einmal gesund und ist es seit langer Zeit nicht mehr; es fehlt vieles, Qualität, nicht zuletzt aber die befreiende Wirkung des Lachens

Zu diesem Dilemma bot jetzt eine Studie des ernährungswissenschaftlichen Instituts von Lüdenscheid die vielleicht entscheidenden Erkenntnisse: es würde, besagt sie, die Qualität der zum Frühstück verspeisten Clowns längst nicht mehr den hohen Standards früherer Tage entsprechen, als zu Zeiten einer Nahversorgung, man sich die bekömmlichen Spassmacher noch vom im Ort gastierenden, die wohlfeile Ware in einer feierlichen Auktion anbietenden Zirkus mit der Sackkarre abholen konnte. Das Leuchten von Kinderaugen, deren erfrischendes Lachen am Vorabend ein Gütesiegel. morgens verspeist der vom Vater fein säuberlich zerlegte Clown, ist mittlerweile reine Nostalgie. Denn mittlerweile ist der durchschnittliche Endverbraucher gezwungen in den Supermärkten zu namenlosen Produkten zweifelhafter Herkunft greifen zu müssen. Es sind zwar jedem schon einmal auf Autobahnen die Lebendwarentransporter begegnet, deren Weg durch ganz Europa führt, bis das Produkt, fast nur noch dem Namen nach ein Clown, letztlich dem Schlachten und Ausnehmen zugeführt, in der Tiefkühltheke des heimischen Supermarkts landet. Doch ist es für den Konsumenten zu einer Sensibilisierung bei diesem Thema und letztlich einer Änderung seiner Gepflogenheiten, die nicht nur darin bestehen, immer noch reflexartig bei Witzen von Oliver Pocher und ähnlichen zu lachen, sondern auch bei der ersten, der wichtigsten Mahlzeit des Tages einzig auf die Herkunft der Müslisorte und des Schokobrotaufstrichs zu achten,  ein weiter Weg.

Was die Studie ebenfalls ans Licht brachte, war, dass, um Kosten zur Maximierung der Marge zu drücken, die Bedingungen für diese Clowns in den Aufzuchtsbetrieben bis auf das Notwendigste reduziert beileibe kein Spass für diese darstelle. Da fänden sich auf wenigen Quadrametern unter hygienisch miserablen Bedingungen Clowns zusammengepfercht und die daraus resultierenden Verhaltensauffälligkeiten würden in der Regel unter Einsatz von Lachgas unterbunden. Da aber das gequälte Lachen des Geschöpfs Clown der Konsument nie zu Gesicht bekäme, rühre diese Grausamkeit keinen, solange nur die tägliche Ration an Humor gewährleistet wäre.

Was in der Produktionskette verborgen bliebe sei zudem, ob es sich bei den Produkten nicht um Imitate, also etwa um Steuerberater, Lokalpolitiker oder Comedians handle, denen nur clowneske Zusätze beigemischt wurden; eine Angabe auf den Verpackungen ist ja bis jetzt nicht vom Staat verlangt.  An beiden Enden der Nahrungskette ist also einiges, das unbedingt der gesetzlichen Kontrolle bedarf.

Solange das nicht geregelt ist, kann dem, der es sich leisten kann, nur geraten werden, ausschließlich Clowns von regionalen Biobauerhöfen zu konsumieren. Eine entsprechende Auflistung findet sich sich auf der Webseite des Verbandes „Lach-dich-gesund, Bioclown-Anbau E.V.“. Auf dieser Seite finden sich zudem Tipps, woran man frische Clowns, sofern sie nicht bereits industriell verarbeitet und zerlegt sind, erkennen kann: geht die rote Nase bereits ins Bläuliche über, ist von einem Verzehr abzusehen. Ebenso lag der Clown, falls die weiße Schminke bereits Risse zeigt oder ablättert, schon über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus in der Theke.

Darüber hinaus kann nur der Rat sein, auf den Clown zum Frühstück erst einmal zu verzichten und so seinen Einfluss auf die Produktionsbedingungen geltend zu machen: denn wo hier nicht mehr gelacht wird, kann dort nichts verdient werden. Und so wird man sehen, wem am Ende das Lachen im Halse stecken bleibt.

Physik: Das Phänomen der Schräge

So so albern. Aber auch erhellend. Wie wichtig die Schräge in unserem Alltag ist, ist uns oftmals gar nicht so bewußt. Straßen, Wälder, Bilderrahmen: alles schrägt.

Der Gedanke will durchdacht sein. Begebe mich in eine bequeme Schräglage und sinniere. Bis dahin wünscht einen schönen Samstag.

Ihr und Euer
Herr Hund

Mein erster gescheiterter Versuch, einen tausendseitigen Roman zu schreiben.

Die Hauptfigur wurde bereits im ersten Satz beim Versuch, eine Straße zu überqueren, von einem LKW überfahren. Sofort tot.

 

 

 

(Viel zu ungeduldig, wollte schnell rüber. Hat nicht auf mich gewartet. Wenn er wenigstens nach rechts und links geschaut hätte. Mein ganzes Werk ruiniert wegen dem Arschloch. Ist doch wahr! Beschissene Situation ist das. Ein zweiter Pynchon hätte ich werden können. Beim Nächsten schaue ich genauer hin, das kann ich euch sagen. Vollidiot.)

Wie lerne ich zu schreiben wie Herr Hund? Lektion 4: Timing

Entschuldigen Sie, wenn Sie warten mussten, ich war mir meine eigene Fanmeile und steckte bis gerade im Autokorso fest. Mir sind die Ohren vom Dauerhupen noch ganz taub. Wenn, dann sollten Sie ein wenig lauter reden und preisen.

Wurden Sie langsam ungeduldig und wollten schon gehen? Das wäre falsch gewesen und übereilt. Denn Warten gehört dazu. Mit Warten fängt Kunst an. Mit dem Gefühl für den rechten Zeitpunkt.

Nein, heute und jetzt muss diese Lektion sein. Zu früh noch vor zwei Wochen. Doch morgen vielleicht zu spät für manchen. Die Meisten sind jetzt soweit, nicht alle. Für die Verständigen wollen wir heute die Frage beantworten, wann ist richtig, wann hat ein Wort die richtige Zeit? Und wie lange soll es klingen, bevor es verklingt? Denn auch das Verschwinden und Verstummen hat seine Zeit.

Gedanken, die richtigen, haben ihre Zeit. Das sage ich Ihnen jetzt, hätte es aber bereits vor Stunden sagen können, als ich es bereits dachte. Viel näher am Epizentrum meines Genius‘ wären Sie gewesen, diese Gedanken von mir viel klarer vor Augen und Geist. Ein wenig davon können die Talentiertesten unter Ihnen wahrscheinlich jetzt noch verstehen. Diese möchte ich bitten, den Mitschülern, die nicht so fix sind, ein wenig behilflich zu sein.

Trotzdem, die Worte, die ich an Sie richte, haben an Gedankenfülle leider verloren. Das Beste an mir ist das Unausgesprochene und Sprache nur ein kümmerliches Vehikel. So gesehen bin ich mit dem, was ich Ihnen zu sagen hätte, in der Tat zu spät. Sie werden damit auskommen müssen. „Nicht mehr frisch, aber lecker.“, möchte ich Ihnen in Anspielung auf einen Werbespruch einer Bäckerei entgegnen. Der übrig gebliebene Nährwert meiner Äußerungen hat Ihnen zu reichen.

Wir waren zuletzt bei Als Pete…. und hatten dann die sehr wichtigen Leerstellen zum Thema. Ich habe übrigens von einigen recht schöne und gelungene Leerstellen erhalten. Den Anderen sei gesagt, dass eine Leerstelle nicht bedeutet, mit dem Denken aufzuhören. Sie müssen bei Leerstellen an elektrische Spannungen denken, kurz vor der Entladung, nicht an Vakuum und Ratlosigkeit.

Jetzt würden Sie erwarten, dass Als Pete…. fortgeschrieben werden wird. Falsch, ganz falsch. Für das wichtige dritte Wort fehlt bislang der angemessene Gedanke. Wir wollen keine Worthülsen produzieren. Wir haben etwas zu sagen. Unsere Worte sollen Bestand haben, nachhaltig sein. Mit dem falschen dritten Wort, ohne dass ein Gedanke darin verborgen wäre, würden wir alles ruinieren.

Warten, Geduld haben. Den Geist öffnen und locken. Es kommt der Gedanke und mit ihm das passende Wort. Und erst dann gehen Sie mit und beginnen zu schreiben. Sie wollen Weltmeister-Texte schreiben und nicht bereits mit leeren Phrasen in der Vorrunde ausscheiden. Da heißt es üben, üben, üben…..in Geduld.

Bis nächste Woche, meine Herrschaften. Ich muss jetzt zurück zu meiner Fanmeile. Es gibt noch so viel an mir zu feiern. Wir sehen uns nächste Woche.

Ihnen kann ich nur noch mit auf den Weg geben: hängen Sie Ihren Gedanken nicht nach, gehen Sie mit und kommen Sie um Gottes Willen auch irgendwo an, am besten bei dem richtigen Wort!

Und lassen Sie bis dahin und auch sonst nie diese meine Worte verklingen. Richten Sie Ihre Gedanken daran aus. Sie werden nicht fehl gehen.

Ein seltsamerweise übersehenes Indiz

Es hat mir keine Ruhe gelassen. Zudem war ich durch den Vorfall vom Donnerstag sehr aufgewühlt. Weil also kein anderer eine plausible Erklärung für dieses Phänomen geben konnte oder wollte, begann ich selbst, ein wenig zu recherchieren und bin dabei auf ein Indiz gestoßen, das zumindest einen Ansatz liefern könnte, besagtes Phänomen zu erklären:

Rottweilerwelpenfilet auf Sahnesauerkraut

700 g junge Rottweiler, 2 EL Öl, 50 g Schalotten oder kleine Zwiebeln, 400 g Sauerkraut, 200 g kernlose Weintrauben, 200 ml Weißwein, 200 ml Sahne, 2 EL Paprikapulver edelsüß, 5 Stiele frischer Marjoran, 100 ml Sekt, Salz, jPfeffer

Das Rottweilerfilet ordentlich Salzen und Pfeffern und in einem Bräter im Öl anbraten. Nebenbei die Schalotten in kleine Würfel schneiden. Das Filet hinausnehmen und die Schalotten im Bräter dünsten.

Das Sauerkraut abtropfen lassen (evtl. mit Wasser abspülen und dann gut ausdrücken). Die Schalotten mit Wein und 100 ml Wasser ablöschen. Sahne zugeben und alles 5 Minuten einkochen lassen. Anschließend das Sauerkraut zugeben und mit Paprika würzen.

Das Filet aufs Kraut legen und die frischen Majoranstile darauf verteilen. Das Ganze im Ofen bei 200 Grad 20 Minuten garen.

Zum Abschluss die Trauben zugeben und weitere 10 Minuten garen. Vor dem Servieren den Sekt über das Filet träufeln. Dazu passt entweder Kartoffelpüree oder Spätzle

Dieses Rezept, handschriftlich verfasst von Katia Mann (*1), fand sich im Stadtarchiv von Lüdenscheid unter einem Berg von alten Yps-Heften (*2). Wie das Rezept der Katia Mann in das Archiv von Lüdenscheid gekommen ist, müsste zwar noch geklärt werden, aber es konnte durch mich die Handschrift eindeutig der Frau von Thomas Mann zugeordnet werden. Eine Fälschung ist mit Sicherheit auszuschließen. Die Yps-Hefte waren schließlich auch alle echt. Zudem gibt es Briefe und Tagebucheinträge, die die Echtheit des Rezepts belegen. Am 14.09.1921 etwa schreibt Thomas Mann in seinem Tagebuch, „Ein Spaziergang und eine gute Mahlzeit haben mich gestärkt und ich glaube wieder, den Zauberberg fortsetzen zu können. Ich liebe Hunde.“ Bislang konnte man zwischen den beiden Sätzen keinen Zusammenhang finden. Unter Kenntnisnahme des Rezepts, erscheint diese Tagebucheintragung allerdings in einem völlig neuen Licht. Dann wäre da noch ein Brief von Katia Mann an ihren Sohn Golo, in dem sie ihm berichtet, „dass Thommy wieder eine seiner Schreibblockaden hat und hier wie immer nur der Koreaner helfen kann.“ Da konnte sich die Literaturwissenschaft nun gar keinen Reim darauf machen und beließ es dabei, anzunehmen, dass es sich bei dem „Koreaner“ um eine Art von Kräuterlikör (*3) handeln müsste. Aber weit gefehlt, wie sich jetzt herausstellt. Thomas Mann genehmigte sich zwar ab und an einen Gewürztraminer, wenn er in Gesellschaft war, hatte aber ansonsten nicht viel übrig für Alkohol. Seine Leidenschaft galt dem Filet von jungen Rottweilern. Und „Koreaner“ war die Umschreibung dieser Leidenschaft. In München, wo Thomas Mann lange Jahre lebte, war die asiatische Küche noch nahezu unbekannt. Dennoch gab es reiche Münchner, die sich den exotischen Luxus gönnten, zu gesellschaftlichen Anlässen den Gästen besondere Köstlichkeiten zu servieren, wofür die ganz Reichen keine Mühen und Kosten scheuten und entsprechendes Personal kommen ließen, die diese Gerichte originalgetreu zubereiten sollten. Einer dieser Köche war ein Asiate koreanischer Herkunft. Und von diesem sind einige Rezepte zur Zubereitung von Hund bekannt. Zubereitet haben wird er Hund, als er in München weilte, wenn, dann nur im Geheimen. Es war zu Zeiten von Thomas Manns Münchner Jahren per Gesetz verboten, Hunde zu braten, zu kochen oder anders zuzubereiten. Die junge deutsche Republik fürchtete offenbar um ihr Wappentier, den Dackel. Dass es allerdings diesen Koreaner gab, ist sicher. Und die Manns hätten ihm wenigstens bei einer Gelegenheit begegnen können. Und so an besagtes Rezept gekommen sein. Desweiteren vermute ich, dass Thomas Mann durch diese Leidenschaft für Vierbeiner, die lebendigen wie die gebratenen, seine latente Homosexualität kompensieren wollte. Aber das bleibt eine Hypothese. Auch die Yps-Hefte können darüber keine Auskunft geben.

Eine Erklärung für das gespannte Verhältnis von Rottweilerwelpen zu Thomas Mann ist es allemal.

Zu erwähnen sei noch, dass in der Umgebung von Manns Wohnort in den Jahren, in denen der deutsche Schriftsteller dort lebte, unerklärlich viele Hunde und dabei in der Hauptsache Rottweiler (*4) von einem Tag auf den anderen verschwanden, in der Zeit also, in der Thomas Mann besonders produktiv gewesen ist. Als Hunderipper kann ich mir den Schriftsteller jetzt zwar nicht vorstellen, möchte es aber dennoch erwähnen.

Anmerkungen:

*1 Ehe- und Hausfrau von Thomas Mann und später nach Thomas Manns Tod Ehrenvorsitzende des Tierheims von Zürich

*2 Gimmick-Hefte für Hobbyforscher, besonders das Heft mit den Urzeitkrebschen ist ganz toll

*3 zu Studienzwecken bei Niederschrift dieses Beitrags verwendet. Einen ganz günstigen gibt es bei Aldi (wir danken Aldi für die Unterstützung  meiner unserer Studie)

*4 ebenso Katzen, aber die sind nicht mein Forschungsgebiet

P.S. eine persönliche Anmerkung von mir: ich finde es echt Scheiße von Mann, dass er Hund gegessen hat. Echt Scheiße.