Fleisch

Wünschte beinahe, es hätte geholfen.

Weil ich Tiere liebe. Aber eben auch Schnitzel, Koteletts und Bratwürste. Für’s Fleischessen brauche ich Abstraktion. Wenn es nur keine Kulleraugen mehr hat. Da kann ich nicht. Ich kann nicht, wenn mir einer vom Teller zuschaut. So ein Filet-Stück, das schont mich.

Fleisch_1

Also entferne das Gesicht und ich liebe den Geschmack, heiß und innig. Es steckt in mir drin; der Zwang zum Fleische kann nicht falsch sein. Ich hätte sicherlich auch abstrahierten Mammut verschlungen. Mein Gen-Code, nicht meine Erziehung, nicht mein Weltbild. Einfacher Heißhunger, natürliche Lust.

Das ist ein gewagtes Outing, nicht ganz ohne Risiko: Herr Hund ist Fleischfresser. Alles, was nicht Fleisch ist, allerlei Gemüse darunter, wird ebenso gemocht. Ich sag nur: Blumenkohl. Doch nur Gemüse, das ist keine Option.

Es ist nicht primitive wollüstige Begierde, ich bin niemandem böse, gibt es wochenlang nur vegetarische Kost. Nur ist Fleisch ja oder nein nichts, was zu diskutieren wäre.

Fleisch3

Ich liebe Fleisch und ich liebe Tiere. Wie ist diese Diskrepanz zu überwinden? Wahrscheinlich könnte ich sogar ganz Vegetarier sein; ich müsste nicht Fleisch essen. Nur diese Lust, die wäre nicht auszutreiben. Die steckt ganz tief drin.

Fleisch4

Mit einer Attrappe, nicht gerade Tofu oder Sojabratlinge, doch recht gelungen in Farbe und Konsistenz. Allerdings sehr bald, da stellt sich heraus, im Geschmack, da kann es Fleisch nicht ersetzen: Himbeermarshmallows. Da ist es zu süß für ein Kotelett. Und in der Pfanne leicht anbraten, das haute nicht hin. Dabei gab sich das Fräulein Schneefeld alle erdenkliche Mühe, um mir zu helfen. Es ist zu essen und in seiner Form, ohne diese Notwendigkeit, psychologische Hilfe für Fleischfresser sein zu müssen, durchaus ein gelegentliches Schmankerl.

Kein_Fleisch1

Nicht für stets und nicht zu viel. Es hat auch durchaus seinen Aufwand. Doch wenn Pfadfinder im Haus sind, das Fest mit dem Kürbis bevorsteht, die wären versorgt, mit Süßem und Saurem.

Kein_Fleisch_2

Ist nicht Schaschlik, aber ganz OK.

Wir testen zukünftig Koch- und Backbücher, wobei ich der bin, der mit Essen hilft. Meine Meinung zählt durchaus. Meine Kenntnisse, da ist es besser, man holt sich eine zweite Meinung ein.

imagemagic.phpDas war ein erstes, schmales, sehr spezielles, Marshmallows vom Thorbecke VerlagEs war ein kleines sehr süßes Zwischenspiel mit Zucker. Fräulein Schneefeld mit ihrer Schwäche für Konsistenzen hatte ihren Spaß. Und dafür, dass es gelingt, muss man mit Temperaturen umzugehen verstehen. Es ist aber nicht das ganz große Raffinement.

Mein persönlicher Favorit waren die Plätzchen mit Marshmallows (ohne Bild, so schnell war nicht draufzuhalten). Wobei, es hätte die Marshmallows nicht unbedingt gebraucht.

Im Nächsten bleibt es vegetarisch. Vielleicht bekomme ich ja meine Chance und das mit dem Fleisch erledigt sich. Sicher ist, Essen ist Geschmackssache. Gut muss es sein. Das schließt schon vieles aus.

Advertisements

Herr Hund macht schöne Worte

Ich will nur eine kurze Erklärung abgeben. Nein, ich komme nicht herunter. (Beides habe ich von Rebecca gelernt)

Es wurde gesagt, so lange ist das nicht her, ich würde schöne Worte sagen. Da wurde ich rotverlegen. Nicht so richtig habe ich es verstanden, kam dann aber drauf, was gemeint sein könnte. Nun, ich muss zugeben, vielleicht. Jedoch, all die Worte, deren Schönheit meinem Talent zugeschrieben wurden, sind ja sämtlich entliehen. Mein Dank gilt diesbezüglich Herrn Duden, Herrn Brockhaus, den Märchenbrüdern Grimm, sowie einigen Lyrikerinnen des 18., 19. und 20. Jahrhunderts und letztlich sehr frischen BloggerInnen der Jetztzeit. Und meiner Katze („Lusche“).

Ich bin und war (nicht immer, aber meistens) ein bloßer Verwalter deutscher Sprache, dank glücklicher Fügung, mit Händchen und Nase, doch eben nie ein Originaler. Das ist mir klar geworden und soll hier einmal gesagt sein. Gegen den Verdacht, zu kokettieren, kann ich mich nicht wehren; ich setze mich dem aus und nehme es hin. Jedoch allein ich kenne in diesem Punkt die Wahrheit.

Nun aber, auch weil es schon seit längerem mich nicht mehr befriedigt, nur zu verwalten, will ich  „schöne Worte“ nicht mehr nur „sagen“, sondern machen, greife aber dabei, weil mir bislang nicht gelungen ist, anderes Material dafür zu finden, auf Buchstaben zurück, die bereits von den oben Genannten verwendet worden sind. Hierbei also kann ich, zum jetzigen Zeitpunkt, noch immer nicht behaupten, absoluter Sprachschöpfung fähig zu sein. Es kann einmal, muss aber nicht.

Auch, das weiß ich selbst, werde ich nicht selbst seinen künstlerischen Wert beurteilen können und überlasse dies der Gunst derjenigen, die einen Geschmack und eine Stilsicherheit haben, ob diese Worte „schön“ genannt werden dürfen oder nicht. Für den Augenblick beschränke ich mich, von wegen Übung und Meister und Himmel und Fallen, auf das Machen. Und ich kann sagen, die letzten zwei Tage nach dem Rotwerden, da bin ich fleißig gewesen, habe gehämmert und gefeilt, habe mir die Laubsäge meines Nachbarn geliehen, kaum etwas gegessen (sic!) und einen, mir will es so scheinen, zufriedenstellenden Eingang in mein Vorhaben gefunden.

Bin ich soweit? Kann ich es dem Urteil der Öffentlichkeit entblößen? Ist es am Ende ein Fehler, übereilt diese unfertige Werkschau zu veranstalten. Nun ja, ich bin Herr Hund und Geduld war noch nie meine Stärke. Doch, das wenigstens, werde ich mich beschränken und nur ein erstes Wort präsentieren, eines, das sehr viel über mich verrät, sehr persönlich ist, ich auch zum jetzigen Zeitpunkt für sehr gelungen halte, ohne vorgreifen zu wollen. Es beinhaltet konzentriert das, was mir mithin das Wichtigste im Leben ist und übersetzt so viel bedeutet wie „Alles meins“ und „Mehr davon“:

MMMMMMMMMMPPFFFFFFFF…..

Dem Sprachkenner mag sofort das zusätzliche M auffallen sowie die sich anschließenden Punkte. Der hinzugefügte Buchstabe dient, die Dauer des Genusses und das Steigern des Wohlempfindens auszudrücken, die Punkte sind ein Fingerzeig, dass es bei diesem unschuldigen Genuss nicht bleibt: das war nur einer, andere, natürlich auch alle meine, werden folgen…

Nun, das also die Mitteilung, das also ein kleiner Vorgeschmack auf das, was kommen könnte. Ich selbst kehre jetzt wieder in meine Wortwerkstatt zurück, bleibe hoffentlich ungestört und versuche mich weiter an Wortschöpfungen, obwohl mir scheint, mit diesem einen das mir Möglichste bereits geschafft zu haben. Wichtig ist für den Künstler ja auch, authentisch zu bleiben. Und was wäre näher am Kern meiner Art als…

MMMMMMMMMMPPFFFFFFFF…..

Mal sehen.

Wirklichkeiten, Möglichkeiten, Kekse und Milch

War zuerst der Schwärmer, zuerst das Zitat von Musil? In der Schule vor vielen Jahren, ich im Zeitalter des Pubertäts und da zur  Adventszeit, die Tradition des Wichtelns. Damals ich so mehr der „stille Typ“ und sie mein Wichtel. Neben Süßigkeiten, Schokolade, schenkte sie mir Literarisches, Brecht, Montaigne und eben Musil, in schöner Schrift abgeschrieben. Ich fühlte mich angesprochen. Ich meine, sie sprachen mich an, genau mich, nur mich. Und als ich dann wußte, wer mein Wichtel war, fühlte ich mich von ihr angesprochen. Na, es ging wohl ein wenig darüber hinaus. Schwärmerische Täuschung.

Leben und Literatur, zwei Dinge.

Sie die Angeschwärmte verschwand, die Literatur blieb. Proust kam erst noch.

Und Musil wurde mit den Jahren meine Nummer Zwei.

Das ist so ein Österreicher, der denkt, wie vielleicht nur ein Österreicher denken kann. Und mir gefällts. Ein wenig auf Teufel komm raus, wenn beim Denken überhaupt etwas rauskommt. Mir waren/sind eh Wahrheiten schon immer ein wenig unwichtiger und uninteressanter gewesen als Gedanken. Sofern man sie macht und hat. Musil hat(te) jede Menge davon und eine Lust zumeist, sie -portionsweise- mitzudenken.

Wenn es einen Möglichkeitssinn gibt, dann könnte dieses Jahr endlich wieder, manches hat aber auch ein Volumen und jeder Satz von Musil selbst eine dermaßen Gedankenfülle, barock, kein Wunder also, dass es nicht öfters passierte, und ich nähere mich an in fester Absicht, indem ich erstens mir sein Leben vornehme und begleitend auf die Ohren gebe den MoE im Remix; die lagen sowohl als auch schon viel zu lange im Regal.

Die Wirklichkeit, das ist die Schüssel mit Keksen, das ist das Glas Milch und die Hundebuchstützen, das ist Remix und biographische Bücher dazwischen. Und meine Schillerbüste.

DSCF5782„Und alles, was passiert, geschieht von hier aus.“ (Zitat, Autor aus Österreich stammend)

Nur eigentlich sollte ich zu Krimis greifen. Oder doch zu Novitäten. Das eine als Entspannung, das andere als Vorbereitung. Musil, da sollten bessere Stunden auf ihn verwendet werden. Wenn mir aber doch so danach ist?

Wie immer, mal sehen und abwarten. Es ist -leider, oder auch nicht- ebenso möglich, dass, Schüssel und Glas geleert, ich schon wieder woandershin abgelenkt werde. Der Unterschied Literatur und Leben: wie stark sie auch ist, das Leben hat so seine Mittel. Ein Portiönchen sollte aber drin sein.

Abgesehen davon, die, die mir Musil nahegebracht hat, ist längst Geschichte. Die aber, die mir die Kekse gebacken hat, die ist da. Wem gegenüber stehe ich da wohl mehr in der Pflicht?

Ich sage mal, der Wirklichkeit. Sie schmeckt am Ende besser.

Und sie hat so Eigenschaften, die machen Literatur fast überflüssig.

(P.S. In dem Bild ist verschämte Lektüre versteckt. Wer findet sie?)

Fünfzig Schalen Earl Grey

Es hätte sein Tag sein können, hundertster Beitrag, Jubiläum, doch vor dem Spiegel, er war gerade dabei, sich zu diesem feierlichen Anlass eine Fliege zu binden, was ihm nicht leichtfiel,  die Weste hatte er sich geliehen, da sah er die schimmernde Schemenhaftigkeit des Spiegelbild und was er bei diesem Anblick befürchtete, wurde kurz darauf bestätigt, durch mich, denn niemand kannte ihn besser: dieser Text litt unter Naürluchitis, galoppierende Inhaltsleere.  So wollte er sich nicht zeigen. Ich verstehe das gut und nehme darauf Rücksicht. Deswegen habe ich sowohl den Titel, als auch die Schlagworte soweit geändert, dass der Text unerkannt bleiben kann. Selbst das angehängte Bild kann nur sehr verfremdet wiedergegeben werden. Es würde über seinen Zustand zu viel preisgeben. Hierbei kann ich ihm helfen, dass er in der Öffentlichkeit nicht bloßgestellt wird.

Gehört_nicht_zum_Text

Der Text fühlt sich ziemlich beschissen, verständlicherweise. Das ist ganz etwas anderes als Textläuse und nicht mit einem handelsüblichen Schampoo zu beseitigen.

Naürluchitis ist, muss man wissen, eine sehr hartnäckige Krankheit und im Grunde nicht zu behandeln. Die Forschung konnte zwar ein Präparat entwickeln, Sarazin, doch befindet sich dieses Medikament noch in dem Stadium, dass es bislang nur an Versuchstexten ausprobiert wurde. Texte, wie meiner, müssen mit Inhalstleere leben. Und ich befürchte, gerade dieser, der mich auf eine neue Stufe hätte tragen sollen, wird unter diesem Leid zusammenbrechen. Das Hoffnungsfrohe, in freudiger Erwartung stehende anlässlich des Jubiläums, das ich und seine lieben Leser mit ihm begehen wollten, mit Luftschlangen, ein paar Tellern mit Häppchen und ausgegrabenen James Last-Langspielplatten, wurde jetzt mit dieser Krankheit konfrontiert und führte zwangsläufig bei Beitrag Nummer 100 zu Depressionen. Ich weiß nicht, ob es mir gelingen wird, ihn aufzurichten. Im Moment ist er ruhig.

Wenn ein Text inhaltsleer ist, im schlimmsten Fall sogar chronisch. dann ist er isoliert von der Welt, der er nichts zu sagen hat und die mit einem gewissen Recht auch nicht verstehen kann. So ein Text, aus der Welt geworfen, sieht seine Existenz als sinnlos an. Das kann ich gut verstehen. Und wenn, wie in diesem Fall die Erwartungshaltung besonders hoch gewesen ist, wird es besonders schlimm. Er wird sich fragen, was aus ihm jetzt noch werden kann? Ich versuche mein Bestes, lese ihn mehrmals am Tag, sage bei jedem zweiten Satz „WOW“ oder „AHA, bedenkswert“, und lerne ihn sogar auswendig, um ihn mir beim Duschen oder Brötchenholen selbst vorzutragen. Doch das wird auf Dauer nicht helfen. Er durchschaut mich und wirft mir vor, ich würde ihm etwas vormachen. Außerdem macht er mirVorwürfe, ich hätte ihn ja so verzapft, was nicht so ganz falsch ist, worunter aber mittlerweile unsere Beziehung leidet. Und es kommt noch hinzu die Feindseligkeit, mit der er wahrnimmt, dass ich mich um neue Texte bemühe.

Es hätte ein Festtag werden sollen. Jetzt ist es die Hölle.

Mein Text und ich, wir entfremden uns von einander, befürchte ich. Ich sehe das kommen, ich werde es sein, der geht, um irgendwo als Autor neu anzufangen, weit weg von ihm. Gelegentlich hatte ich sogar daran gedacht, ihn einfach zu löschen, so sehr war ich von der Situation überfordert. Aber ich liebe ihn ja, meinen Text. Was würde er auch ohne mich machen? Ich bin ja der Einzige, der ihm noch ein wenig Aufmerksamkeit entgegenbringt.

Jetzt wollen wir gemeinsam versuchen, aus dieser Situation das Beste zu machen, mit Naürluchitis irgendwie zu leben. Dafür fahren mein Text und ich sogar im Oktober nach Frankfurt, wo der deutschlandweit größte Kongress zu Naürluchitis stattfinden wird. Dort werden wir von Leidensgenossen und Gleichgesinnten notwendigen Zuspruch erhalten, so hoffen wir zumindest. Und lernen von Anderen, mit Inhaltsleere zu leben. Es gibt zahlreiche Beispiele von Texten, die mit dieser Krankheit nicht nur leben, sondern auch in bescheidenem Rahmen Erfolg erfahren, wenngleich die Liste derer sehr kurz ist. Doch es gibt sie.

Nein, ich verlasse ihn nicht. Er ist mein Text. Zusammen stehen wir das durch.

Dennoch, dieser Vorfall und auch schon bereits Gespräche zuvor, die ich mit einem Freund führte, bringen mich zu der Entscheidung, in den Beiträgen 102 bis ….. mich ernsteren Themen in ernsterem Ton zuzuwenden. Ich hoffe, dabei nichts an Glaubwürdigkeit und Leserschaft zu verlieren.

Wäre ja gelacht, wenn mir das nicht gelingen sollte.

Eine kurze Kindergeschichte: Krümelhundmonster gegen Superkeks

Krümelmonsterhund

Aus seiner Höhle kam er über die Welt und er hatte großen Hunger. Wer wird ihn diesmal aufhalten können. Schon zahlreiche Keksfabriken, aber auch Brücken, Bäume und Parkbänke fielen seinem großen Appetit zum Opfer. Gestern die erste Stadt: Lüdenscheid. Nichts schien vor ihm sicher. Die Sicherheitskräfte, Polizei und Militär, sowie verschiedene Schützenvereine, waren machtlos. Und jetzt war Krümelhundmonster kurz vor Berlin. Die Bevölkerung floh und brachte ihre Keksdosen in Sicherheit. Sollte jetzt die Hauptstadt dem Gefräßigen als nächstes zum Opfer fallen?
Nein, denn in letzter Minute erschien Superkeks. Er stellte sich Krümelhundmonster entgegen. Es entbrannte ein Kampf, der heftiger war als seinerzeit die Kämpfe zwischen KingKong und der weißen Frau, Boris Becker und Andre Agassi oder mir und der deutschen Sprache.
Am Ende aber gewann diesen Kampf Superkeks, denn jedem verschlingenden heißhungrigen Monsterbiss von Krümelhundmonster setzte er mächtigste Schokostücke und süßesten Teig entgegen. Und irgendwann war Krümelhundmonster dann geschlagen und satt. Er legte sich auf den Rücken und ließ sich sogar von einer vorbeikommenden Kindergartenhorde den Bauch kraulen. Vorerst war also die Gefahr gebannt. Vorerst.