Liebe am Nachmittag …

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…war aber nicht. Viele Nachmittage nicht, alle nicht. Wieviel Staub erträgt so ein wartendes Herz, und ganz tief eingegraben die Liebe. Nicht einmal storniert, noch rechtzeitig zur Hauptsaison. Gebühren wären da fällig. Es hätte das Herz für einen anderen zur Verfügung stehen können. Jetzt ist die Saison vorbei. Herz geht leer aus. Das All-Inclusive, ein Versprechen, Herz bleibt darauf sitzen.

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Bitte, kein Bedarf mehr, Herz, ein Versprechen, reserviert für einen Thomas, kann nun haben, wer will.

Der Platz wird für anderes gebraucht. Es wird Abend. Warum nicht eine Serie schauen? Allein?

 

 

Kurzes Absurdes zu Liebe und Leben

Dass Menschen sich ändern bzw. schon ganz anders sind, als man es sich vorstellt, das ist eine solche Wahrheit, die zu erklären sich erübrigt. Nicht, dass wir davon lassen könnten, nach den Gründen zu fragen. Doch oft genug stellt man die Frage so, als wäre da eine Möglichkeit, es könnte ja auch ganz anders sein, nämlich gemäß der Vorstellung, die man bereits hat.

Ja, Du änderst dich, doch bleibe, wer Du bist – für mich. So oft wird Liebe zu einer liebgewonnen Gewohnheit. Und was nicht (mehr) passt, wird passend gemacht. Die „pictures of you“ haben einen Rahmen von bestimmter Größe. Ich will die Liebe nicht kleinreden. Sie ist, was sie ist.

Das Leben aber auch. Es ist Veränderung. Viel stärker bricht sie hervor, wenn sie zurückgehalten und unterdrückt wurde, aus Rücksichtnahme, Tradition, wegen dem, was sein darf oder von einem erwartet wird. Nichts gegen die Liebe. Man darf nichts gegen die Liebe haben. Sie ist eine natürliche Angelegenheit. Nichts allerdings gegen die eigene Natur, nichts gegen die des Anderen. Sie ist es noch mehr.

Und wenn der geliebte Mensch nun ein anderer wird, so wird man sich -oft bis über eine Grenze hinweg- eine ganze Zeitlang nach eigener Vorstellung zu arrangieren versuchen mit diesem neuen Umstand, als wäre es, wie es zuvor gewesen ist. Man sieht, man weiß und gesteht sich doch nicht ein, auf diese Weise wird es nicht gehen. Die alten Kleider passen nicht mehr.

Und selbst wenn man -bis zum Irrsinn- wird festhalten können, auch weil die Liebe beim Anderen noch fortbesteht, so wird’s die „feindselige Welt“ vielleicht nicht wollen.

Ich liebe meine Fähe, darum kann ich glücklich sein, wenn ich sie sehe, sie aber tut gut daran, nach den Regeln ihrer eigenen Art glücklich zu sein.

Mr. Tebrick liebt seine Frau. Die sich in eine Füchsin verwandelt. Die Liebe dauert fort. Verzweiflung und scheinbares Glück wechseln sich ab. Bis ans Ende erzählt ergibt sich daraus eine Absurdität, die eine erschreckend einfache Wahrheit bereithält, dass auch wenn man es weiß, man sehr oft nicht anders kann.

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Es ist schön, wenn einer wohl rät, was einem gefallen könnte. Wenn angenommen wird, man wüsste ein paar nützliche Worte dazu zu verlieren. Zu dieser Erzählung stimmt Ersteres bestimmt, Letzteres kann ich mir nur wünschen. Doch selbst wenn meine Erklärungen zu dem Buch falsch sein sollten, das Buch hätte es unbedingt verdient, trotzdem gelesen zu werden. Dass ich aber hoffe, ein paar Dinge angesprochen zu haben, die in dem Buch zu finden sind und nicht nur lediglich es zum Anlass nahm, eigenen Vorstellungen nachzuhängen – selbst wenn meine Natur danach ist.

David Garnett – Dame zu Fuchs, Dörlemann

Und wer ganz sicherlich nützliche Worte zu dem Buch vorfinden will, siehe Literaturen 

 

Glück / Wehmut

Wo ist Glück? Wo auf der anderen Seite Wehmut ist. Der Moment damals im Jardin du Luxembourg, Kinder und ihre kleinen Schiffe, der Mann, der mich zu einer Schachpartie einlud -leider musste (?) ich ablehnen, zu dürftig mein Französisch-, und dann der aufkommende Wind, es war bereits Anfang Oktober, lange konnte ich nicht sitzen und beobachten. Ein glücklicher Moment.

Glücklich. Stimmig. Doch ging vorüber.

Wie am Nachbartisch sitzend, verfolge ich nun die Szenerie. Eine alte Frau, eine junge, Alice und Julie, Alice vermisst Vicente, der sie sonst bediente, Julie wartet auf Gerard, es war ihr erster Tag im Le Refuge.

Nicht in dem Sinne, aber doch, habe ich mich in diese kurze Erzählung von Ulrike Ulrich auf’s Heftigste verliebt. Es wird vergehen. Aber noch sitze ich da, beobachte die beiden Frauen, doch nicht nur sie. Es ist dieser Moment, schwebend, das große Wort „Harmonie“ kommt einem in den Sinn, nie ist das Leben ja perfekt. Und muss es nicht sein.

Julie wartet. Alice hat gewartet, ob Frédéric sie noch wird lieben können. Bis Frédéric sich ihr offenbart hat.

Alice denkt an die Zeit, als sie endlich mit dem Warten aufgehört hat, sie hat trotzdem nicht aufhören können, Frédéric zu lieben. Sie hatte bloß mehr Zeit für andere Dinge. (…) Dass er sie jetzt doch noch verlassen wird. Vielleicht sollten sie noch einmal zusammen wegfahren. Wenn die Pflegerin mitkäme (…)

Und Julie wartet auf Gérard. Jeden Tag, dass er sie abholt. Dass es anders wird. Im nächsten Jahr, wenn er mit seiner Arbeit fertig sein wird. Bis dahin…

Alles in der Schwebe, alles kann noch so oder so sein. Im Café, für Momente, Kommen und Gehen, immer derselbe Tisch, die Kollegen, der Treppenaufgang der Metro-Station gegenüber, Kommen und Gehen. Warten. Doch irgendwie gemeinsam.

Wie es immer ist.

…und als gäbe es hier nicht genug Gründe, an alte Zeiten zu denken, hat ihr Café jetzt auch noch eine wartende Frau, die Alice so sehr an sich selbst erinnert, dass sie den Rosé beinahe wieder so schnell trinkt wie damals, als sie ihr Tempo an Frédéric anpasste, als sie hoffte, das gemeinsame Trinken würde sie zur Erfüllung führen. Jetzt trinkt er nicht mehr. Jetzt trinkt nur noch sie.

Es gibt wohl zwischen Warten und Erinnerung nur kurze Momente des Glücks. So klein klingt es. So verschwindend klein. Und wenn der frischverliebte Tony, ein Kollege von Julie zu tanzen anfängt, weil er frisch verliebt ist in den Obstverkäufer und diese Liebe erwidert wird, dann soll nicht mehr erwartet werden. Tanzen ist auch nur ein Schweben.

Das macht Vieles leichter. Jeder lechzt danach. Jeder hofft darauf und sucht darin Erfüllung. Und lebt dewegen vielleicht in falscher Erwartung darauf hin, ganz sicherlich. Aber ginge es anders?

Die Erzählung, sie war ein kurzes Verliebtsein, ein Schweben und Tanzen, und wenn ich mich versteigen darf, bei aller Traurigkeit ein perfekter Moment von Glück. So lange es dauerte.

Doch irgendwann nimmt man einen letzten Schluck, zahlt, steht auf und geht nach rechts oder links. Auf diese Erzählung der Autorin folgen noch Weitere. Ich versuche, meine Erwartungen zu dämpfen, beinahe ängstlich, weiterzulesen.

Nein, erst morgen wieder. Es war für den Moment zu schön im Le Refuge.

Draussen um die Zeiteiner Erzählung der Autorin Ulrike Ulrich aus: Draussen um die Zeit, luftschacht-verlag 2015

Siehe Rezension in der NZZ

Und für die später Hinzugekommenen, also auch für mich bei einer wertgeschätzten Bloggerin Weiteres Positives zum ganzen Band.

 

Bildbesprechung

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Das Wesentliche passt unter einen Schirm. Sie, er, ein Buch, ein paar gute Pralinen. Nicht der Schutz gegen den großen Sturm, gegen ein paar Tropfen sehr wohl, das Prasseln angenehm, beide stehen da, lauschen, sie ist bei ihm eingehakt, er hat eine Hand in der Seitentasche seines Jacketts, ein wenig hält er sich am Buch, das darin steckt, fest. Wenn das Leben ihm zu nahe tritt, tut er das. Und wann tut das Leben das mehr, als wenn es mit der Liebe kommt.

Unter einem Schirm hat auch die Liebe Platz.

Das könnte ein möglicher Beginn der Geschichte sein. Ich weiß nicht mehr, ob es geregnet hat, Und ein Jackett hatte ich nie. Lieber sind mir eh Strickjacken. Aber irgendwo wird sie sich eingehakt haben, das ist belegt. Wahrscheinlich sind selbst die Pralinen nur Dichtung. Der Anfang, im Rückblick, ist das ja meist, Dichtung.

Aber eines stimmt, Wesentliches hat unter einem Schirm Platz.

Das Bild soll nichts anderes sagen. Höchstens noch, dass sie und er Schirme lieben. Jedenfalls nicht, dass es irgendwo reinregnet. Versprochen.

 

Mein Lieblings-T-Shirt ODER Wenn man nichts zu schreiben hat, kann Mann jedoch noch Liebenswertes über sein T-Shirt sagen, interessiert es auch keinen

Es wird mit jedem Waschgang weniger. Und was es bedecken soll, wird mehr. Den Eifelturm hält Farbe zusammen, mein Lieblings-T-Shirt Schweiß. Ich kann darin ganz toll scheiße tanzen; es fühlt sich niemals peinlich an.

Da ist nicht Bayern drauf, kein Spruch, nicht Metallica, nicht Iron Maiden, obwohl doch, so fast. Es ist mit mir, wenn auch in entgegengesetzter Richtung alt geworden. Es würde immer zu mir nach Hause finden, sollte ich es……nein, das geschieht niemals.

Keine Alt_Kleider-Sammlung, lediglich ein wertvollstes Stück. Es reicht, zu wissen – gemeinsame Tourdaten im Leben, Gott, was haben wir durchgemacht. Das schweißt zusammen.

Keiner Sie hätte ich es je überlassen. Damals nicht. Und die Sie nun, sie wird mich mit ihm teilen müssen und es beim Waschen schonen; alles andere wird von mir als Tatbestand Eifersucht ausgelegt. Versuch es lieber gar nicht, dann kommen wir miteinander gut aus.

T-Shirt, jetzt sag ich es Dir einmal, alle sollen es lesen: ich glaub, ich liebe Dich.

Ein Bild?

Zu intim, uns beide zu sehen. Wir bleiben für uns, gerade heute. Zu persönlich. Aber einen Fingerzeig, nun gut, ein wenig, das dann doch, um zu verraten, was vorne zu sehen ist, wenngleich dadurch nicht zu wissen ist, wie gut es sich anfühlt, umhüllt es einen, allein nur mich.