Umfassende und letztgültige Biographie einiger berühmter und aller anderen Menschen, die ganz toll geworden ist.

KAPITEL I: Einleitung

Menschen sind toll und spannend. Ihre Leben sind auch toll und spannend. Ich kann ganz toll schreiben. Und spannend. So lag es nahe, eine Biographie über all die tollen Menschen zu schreiben, die auch spannend sind. Hab ich gemacht. Hab alle tollen Texterzeugnisse ganz genau studiert, alle Briefe von allen Menschen und die anderen Schreibsachen von denen. Hab die Archive und Bibliotheken besucht, alle. Waren auch alle ganz toll. Hatten Toiletten und lauter Texte. Toiletten waren sauber, Texte toll. War fleissig, seit Samstag alles gelesen. Mann O Mann, so tolles Zeug hab‘ ich da gelesen. Und auch die, die keine Erzeugnisse von den ganz tollen Menschen waren, waren toll auf ihre Art. Und alles gelesen. Nur ab und zu einen Apfel gegessen. Und auf die tollen Toiletten gegangen. Und mit so einem roten Bleistift lauter Notizen gemacht. Immer wieder gesagt BOAH und toll. War’s ja auch.

Dann aber irgendwann, gestern oder vor fünf Minuten, aufgehört mit Lesen und Notizen machen. Einmal noch auf Toilette, dann losgeschrieben. Hatte zwar ganz großen Hunger, weil keine Äpfel mehr da waren, aber wollte fertig werden mit großer Biographie über all die tollen Menschen. Sollten endlich ihr Denkmal bekommen. Haben es sich verdient. Hab kurz nachgedacht, wie kann man tolle Menschen und mit welchen Worten beschreiben, die ja irgendwie genauso toll sein sollten, weil Menschen ja ehren und schätzen sollen in ihrem Sotollsein und jedem gerecht werden, den ganz tollen und den nicht ganz so, aber eben doch auch tollen Menschen. Ich bin ja keiner von den ganz tollen, aber ein wenig schon. Und so schlägt mein Herz für die weniger tollen Menschen, aber natürlich bewundern tu ich die ganz tollen, die ganz tolle Sachen gemacht haben, von denen wir, die zwar toll, aber ein wenig weniger als die ganz tollen. profitieren. In der Euphorie über die Tollen und die etwas mehr Tollen war es ganz einfach, eine, ja, kann ich schon sagen, tolle Biographie zu schreiben.

Da weiß jeder, was so ist mit dem Leben, dem eigenen tollen und dem der mehr tollen, also mit allem Leben, was so das Leben von Menschen so einzigartig toll ausmacht. Sag ich ja, ist schön so ein Leben unter lauter Tollen und mehr Tollen. Wenn ich nur daran denke, wird mir erst klar, wo so die Wärme für das Herz, für die Menschenliebe so herkommt. Muss man sich nur klarmachen, sind alle ganz tolle Leute, die Menschen, der eine mehr als der andere. Und jeder, wo ein Mensch ist, gehört dazu und kann sagen, auch ich bin einer von den tollen Leuten. Ist so eine Sache, die kann man Gefühl für Gemeinschaft nennen. Ist schönes Gefühl. Und ist mir gerade beim Schreiben so richtig klar geworden oder bereits vorher schon, als ich auf Toilette war oder Apfel gegessen habe.

Will nur sagen, ich will mit der Biographie eben genau das Gefühl, wo ich hatte, rüberbringen. Obwohl eigentlich hat ja jeder doch schon das Gefühl, einer von den tollen Menschen zu sein. egal, ich hab’s geschrieben, jetzt ist es fertig. Da ist es. Macht damit, was ihr wollt.

KAPITEL II: Hauptteil

Geburt oder ähnliches von allen bereits oder noch

Mahlzeiten für einige, gelegentlich bei manchen auch eine warme dabei und dann Toilette.

Tod oder ähnliches von allen bereits oder noch

KAPITEL III: Schluss

Das war’s dann auch schon. Ist doch ziemlich viel, denk ich. Kann sich jeder das Passende rausziehen für sein eigenes Leben, obwohl, ist ja von jedem schon toll das Leben, aber dann hat man wenigstens eine Lektüre, die einem das immer sagt, wie toll man ist und das liest jeder, denk ich mal, gerne. Auch so etwas, warum ich das hab‘ machen wollen: für’s Gefühl von jedem Menschen. So ein gutes Gefühl bringt einem so viel. Fühlt man sich gleich besser mit sowas. Kann ich mir zumindest vorstellen. geht mir auch oft so.

Na ja, ich zähl‘ mich abschließend jetzt einfach mal dazu und sage, machen wir einfach so weiter, dann bleibt alles so toll, wie es eh schon gewesen ist.

KAPITEL IV: Danksagung

Natürlich allen tollen Menschen, also echt allen, den tollen und den mehr tollen. Und speziell will ich auch danken der Bibliothek von Lüdenscheid. Die hatte echt tolle Toiletten. hat mir das Geschäft erleichtert. (Und, nicht zu vergessen, den Bäumen und Pflückern. Ohne beide keine so hilfreich wohlschmeckende Äpfel. Keine sattsam befriedigte Arbeit an diesem Werk. Und keine so toll angeregte Verdauung.) Vielen Dank.

Eine kurze Kindergeschichte: Krümelhundmonster gegen Superkeks

Krümelmonsterhund

Aus seiner Höhle kam er über die Welt und er hatte großen Hunger. Wer wird ihn diesmal aufhalten können. Schon zahlreiche Keksfabriken, aber auch Brücken, Bäume und Parkbänke fielen seinem großen Appetit zum Opfer. Gestern die erste Stadt: Lüdenscheid. Nichts schien vor ihm sicher. Die Sicherheitskräfte, Polizei und Militär, sowie verschiedene Schützenvereine, waren machtlos. Und jetzt war Krümelhundmonster kurz vor Berlin. Die Bevölkerung floh und brachte ihre Keksdosen in Sicherheit. Sollte jetzt die Hauptstadt dem Gefräßigen als nächstes zum Opfer fallen?
Nein, denn in letzter Minute erschien Superkeks. Er stellte sich Krümelhundmonster entgegen. Es entbrannte ein Kampf, der heftiger war als seinerzeit die Kämpfe zwischen KingKong und der weißen Frau, Boris Becker und Andre Agassi oder mir und der deutschen Sprache.
Am Ende aber gewann diesen Kampf Superkeks, denn jedem verschlingenden heißhungrigen Monsterbiss von Krümelhundmonster setzte er mächtigste Schokostücke und süßesten Teig entgegen. Und irgendwann war Krümelhundmonster dann geschlagen und satt. Er legte sich auf den Rücken und ließ sich sogar von einer vorbeikommenden Kindergartenhorde den Bauch kraulen. Vorerst war also die Gefahr gebannt. Vorerst.

Thomas Mann vs. Rottweiler-Welpen

Noch immer hat Literarturwissenschaft und Tierpsychologie keine Erklärung für dieses Phänomen. Nach einem weiteren Vorfall von gestern nachmittag in einer Fussgängerzone von Lüdenscheid wird man sich aber wieder verstärkt des brisanten Themas annehmen müssen. Denn schon wieder wurde ein Mensch, der in die Lektüre eines Prosawerks von Thomas Mann (*1) vertieft war, Opfer der Attacke eines Rottweilerwelpens. Es soll sich nach Aussage des männlichen Opfers um Tonio Kröger gehandelt haben, also bei dem Prosawerk, nicht bei dem Welpen. Der Name des Welpen ist bislang unbekannt. Sicher ist nur, dass der Angriff gestern gegen 16 Uhr 30 erfolgte, der ganz fiese Welpe den jungen musischen Mann anfiel, ihm das kleine Bändchen mit den Erzählungen Thomas Manns entriss, es zerfetzte und dann sogar noch darauf sein Geschäft verrichtete, bevor er (der Welpe, nicht der Mann oder Tonio Kröger) die Flucht ergriff.

Und wie gesagt, dies war kein Einzelfall. Recht häufig sogar fallen junge Rottweiler, keiner älter als zwei Jahre, Menschen im Park, in Cafés oder auf der Strasse an, die alle eines gemeinsam haben: immer ist ein Prosawerk von Thomas Mann das Ziel der fiesen Attacke. Das ist eine Annormalität bei dieser Hunderasse, die sich aber die Experten bislang nicht erklären konnten. Was dabei auffällt, ist die Tatsache, dass mit Ablauf der zwei Jahre Rottweiler von Thomas Mann sich ab- und den erwartbaren Opfern wieder zuwenden. Von anderen Hunderassen kennt die Wissenschaft dieses Verhalten nicht. Warum sind Rottweilerwelpen, bis sie zwei Jahre werden, in so großem Maße auf Thomas Mann fixiert. Hunde können nicht lesen (*2), wie ja bereits Ringelnatz erkannte. Und obwohl das so ist, gingen die fiesen Rottweilerwelpen bei ihren Attacken immer sehr zielgerichtet vor. Da ließen sie sich eben noch von einer jungen Brünetten (*3) mit Balzac-Roman den Bauch kraulen, um aber im nächsten Moment fast tollwütig einen vorbeigehenden Passanten anzugehen, eben aus einer Buchhandlung getreten, wo er eine Ausgabe von Tod in Venediggekauft hatte. Und immer derselbe Vorgang: Anfall, das Zerfetzen des Textes und anschließendes Urinieren oder Häufchen machen.

Dagegen wird vorzugehen sein. Es muss endlich die Frage beantwortet werden, was an den Texten von Thomas Mann eigentlich (*4) Rottweilerwelpen so aggressiv macht. Ich selbst habe dafür keine Antworten, nur einen völlig zerfetzten, mit Fäkalien beschmutzten Tonio Kröger, den ich jetzt noch irgendwie zu Ende lesen möchte.

Anmerkungen:
*1 deutscher Schrifsteller, der Hunde mochte und eigentlich (*4) mochten Hunde auch ihn
*2 siehe dazu Studie der Universität Cambridge von 1927, die ein ganzes Jahr lang verschiedenen Hunderassen Shakespeare näherbringen wollte
*3 wohnt in der Kleiststrasse 14, 2. Stock und ist ziemlich gut drauf. Will auch keine Geschenke.
*4 deutsches Füllwort

Morgen das letzte Mal: Hundehaufen mit Kirsche

Bis morgen Abend können in Lüdenscheid in der Stadtbibliothek noch die ausgestellten Werke des Provokationskünstlers Dei Wau Wau bewundert werden. Im Mittelpunkt der Ausstellung des südfriesischen Künstlers (den chinesisch klingenden Namen hatte sich der Südfriese nach einer durchzechten Nacht im Sommer 2011 in Anspielung auf einen von ihm sehr bewunderten chinesischen Künstler zugelegt, und seinen bürgerlichen Namen kurze Zeit später bei Ebay versteigert) stand dabei die Installation „Hundehaufen mit Kirsche“. Für diese Installation, die in Kultur- und Kritikerkreisen heftigste Diskussionen auslöste, verwendete Wau Wau 5999 lebende Hunde und eine Kirsche. Ursprünglich sollten es 6000 Hunde sein (eine weitere Reminiszenz an den Verehrten), aber einer konnte sich losreißen und soll sich mittlerweile auf dem Weg nach Südkorea befinden. In einer fünf Wochen dauernden Aufbauarbeit im letzten Herbst stapelte und schichtete der Künstler mit Hilfe seiner Assistenten die 528 Pudel, 344 Dackel, 122 Rottweiler, 440 Pitbulls, 827 Yorkshires, 12 Cocker-Spaniels, 767 Möpse,  488 Dalmatiner, 950 deutsche Schäferhunde, 501 deutsche und 602 dänische Doggen, sowie 418 Labradore und die eine Kirsche auf äußerst kunstvolle Weise zu einem 75 Meter hohen Gebilde. Ursprünglich hatte der Künstler vor, die Materialien miteinander zu verschweißen, nahm dann allerdings nach heftigsten Protesten des deutschen Veterinärverbandes und einer Gruppe älterer Damen, die sich donnerstags in einem Cafe in der Nähe der Stadtbibliothek immer zum Canasta verabreden und um ihre und die Seelenruhe ihrer in Handtaschen mitgebrachten vierbeinigen Lieblinge fürchten mussten, sollte das infernalische Jaulen der verschweißten Hunde zu laut werden, davon Abstand. Ohne diese Maßnahme wurde aus dem ganzen Vorgang des Schichtens und Stapelns eine äußerst diffizile und heikle Angelegenheit. Erschwerend hinzu kam, dass man von dem Künstler verlangte, mindestens alle vier Stunden mit seinen „Materialien“ Gassi zu gehen, was der gesetzlichen Vorgabe für Hunde und Hundeähnliche entspricht. Dem kam Wau Wau unter Zähneknirschen auch nach, war aber genötigt, dafür weitere Mitarbeiter anzustellen, was ihn an den Rande des Ruins brachte. Im Übrigen führte diese Vorgabe dazu, dass sämtliche Grünanlagen und Gehwege der Stadt Lüdenscheid wohl auf Jahre nicht mehr verwendet werden können. Aber das nahmen Stadtrat und Bürgermeister gerne in Kauf, denn durch die Ausstellung, die genau einen Tag, nachdem der Künstler das letzte Detail seiner Arbeit, die Kirsche, zuoberst auf die Nase einer der dänischen Doggen setzte, eröffnet wurde, konnte  die Stadt Lüdenscheid einen enormen Prestigegewinn und in dessen Folge einen wirtschaftlichen Gewinn erwarten, der kurze Zeit später auch tatsächlich eintraf. Dabei kam es beinahe noch, eine Stunde bevor die Türen für die Besucher geöffnet werden sollten, zu einer Katastrophe, nachdem sich eine Katze unbemerkt  in die Ausstellungsräume schleichen konnte. Zum Glück für die Kunst passierte außer einem vernehmlichen Knurren der Materialien nichts weiter. Nur die Kirsche musste durch die Vibrationen der Hundeleiber von der Nase der Dogge gekullert sein, konnte aber rechtzeitig wieder gefunden und platziert werden. Und seit der Eröffnung letzten Herbst kam es auch zu keinen weiteren Turbulenzen. Einzig, dass an jedem Tag der Ausstellung nach nur vier Stunden wieder geschlossen werden musste wegen der vorgebenen gesetzlichen Entleerung und des anschließenden Wiederaufbaus, machte es den Besuchern nicht gerade leicht, sich auf das Kunstwerk einzulassen. Trotzdem wurde die Ausstellung zu einem vollen Erfolg.

Tatsächlich auch für den Künstler? Mittlerweile sollen zwar erste sehr lukrative Kaufangebote bei Wau Wau eingegangen sein. Doch ab morgen geht Wau Wau mit seiner Installation, verteilt auf zwölf Kipplaster, erst einmal auf Tournee. Dabei stehen mit Hamburg, Berlin und Zürich die ersten Stationen fest, bevor es 2016 nach Übersee gehen soll.

Und vielleicht kann bis zum Ende der Reise geklärt werden, was es mit dieser verdammten Kirsche nun auf sich hat. Der Künstler jedenfalls schwieg sich bislang darüber aus, dieser Spinner.