XXXIII. Tischer & ich alles auf Sieg

Tischer und ich total pleite. Keiner gibt uns mehr einen Kronenkorken. Tischers Tauschmittel, seine Fussel, sind nicht wirklich anerkannte Währung. Ich selbst hab ja nichts mehr. Da kann er mich schütteln, wie er möchte. Alles ging drauf für Wiener Würstchen auf der letzten Messe, dass ich am Ende in der Bloggerlounge habe anschreiben lassen müssen. Und gerade jetzt im Discounter um die Ecke ein Spitzenangebot. Gilt allerdings nur eine Woche. Tischer nervös und wilder als eh schon. Tischer will unbedingt diesen Rasenmäher. Wir haben ein wenig Angst um unsere Topfpflanzen. Doch Tischer und seine Wünsche, da passt kein Grashalm dazwischen, geschweige denn, Argumente. Ja, der Preis ist sensationell, wird aber hier nicht verraten. Sind ja nicht blöd. Der Mäher ist für uns reserviert, merkt euch das.

Was aber tun? Woher nehmen, was verlangt wird? Ich denke nach, Tischer schaut mir dabei zu, drängelt. Letztlich und wie immer ist es Marcel, der mit einer Idee rausrückt: Pferderennbahn.

Ungeschickterweise stellen wir uns Regen vor, da werden Pferderennbahnen sehr schnell sehr schlammig. Ich kann auch nicht unbedingt hier weg. Die Steuer. Da hat Marcel eine weitere Idee: Pizzaservice. Natürlich. Alles kann man sich liefern lassen, Pizzen, Wochenendeinkäufe, Kinokarten. Warum also nicht auch ein Pferderennen? Wir (Marcel) werden auch schnell fündig. Und so können wir am Sonntag im Bett bleiben und von dort aus, was wir noch haben finden können in irgendwelchen Taschen, Kronenenkorken, Pfennig- und Centstücke, sowie Pannini- Sammelbildchen der Weltmeisterschaften 2010 und 2014, auf Sieg setzen, denn „auf Platz“, das wäre uns zu kompliziert, Tischer, der es letzte Woche zum ersten Mal geschafft hat, bis eins zu zählen, sowieso, mir aber auch, da die Steuer alle Ressourcen in Beschlag nimmt.

Da wir keinen Schalter finden können, um unseren Einsatz zu machen, -2 Kronenkorken, ein Zwei-Cent-Stück aus Zypern und drei Özils-, vertrauen wir darauf, dass das hier gelesen wird und damit der Einsatz bestätigt wird. Wir hätten zahlreiche Zeugen, also die, die bis zu diesem Absatz gelesen haben.

Wir gehen also die Namen der Pferde durch, die am Start sind, u.A.  Seinerschwesterihrcousin, Great Again und Lusche. Und ganz gegen Geschmack und Instinkt setzt Tischer alles, was wir haben, auf Lusche, wobei dem Namen nach, dieser Gaul nicht mal beim Pferdekarusell gewinnen würde. Allerdings ist die Quote so günstig, dass es bei günstigem Ausgang zum Rasenmäher reichen müsste. Sogar zwei Packungen Wiener Würstchen sollten noch drin sein.

Bis zum Start ist etwas Zeit. Das Fräulein serviert uns Kekse und zwei Gläser Zitronenlimonade, ein kleines, ein großes. Dann nehmen wir unsere Plätze ein, die Pferde ihre und wir beginnen zu blättern.

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Sie rennen. Und wir essen unsere Kekse. Verkrümeln das meiste dabei, so spannend ist das. Wir sind das erste Mal bei so einem Rennen. Wie sich benehmen und vornehm tun, das können wir nicht wissen. Als die Kekse alle sind, die Limonade ist längst schon verschüttet, kramen wir unsere Fingernägel hervor. Viel ist es nicht. Für ein ganzes Rennen wird’s kaum reichen. Dazu kommt, Lusche läuft das Rennen seines Lebens, hat beste Chancen. Turbulent geht es zu. Tischer verschwindet immer wieder kurz unter der Decke. Keiner soll sehen, wie er schwitzt und zittert. Hoch geht es her. Favoriten fallen zurück, Lusche vorne dabei. Es gibt Stürze. Kurz verliert Tischer die Fassung, will auf die Bahn, antreiben den einen, zum Stolpern bringen die anderen. Zusammen können wir ihn geradeso zurückhalten.

Und das Unglaubliche passiert. Auf den letzten Metern, mit der letzten Seite, da schafft es  Lusche tatsächlich, hängt alle ab -Tischer hat nicht mal nachhelfen müssen- und gewinnt, bei uns im Schlafzimmer, das große Matratzen-Derby, sein erster Sieg. Total aus dem Häuschen – sind nur wir. Tischer, jetzt, wo das Rennen vorbei ist, ist wieder der Coole. Nur nun, da er auf den Geschmack gekommen ist, hat er den Rasenmäher vergessen und will stattdessen einen eigenen Rennstall und am besten selber reiten.

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Dass der Discounter diese oder eine andere Woche einen Rennstall günstig abzugeben hätte, damit ist nicht zu rechnen. Es wird auf jeden Fall einige Özils mehr kosten als so ein Rasenmäher. Und eine bessere Quote als bei Lusche finden? Niemals.

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Für Zuhause: Das große Pferderennen (Dorléons/Kronenberger, Gerstenberg-Verlag)

 

Eine Phantasie – bitte zu entschuldigen.

 

imageLasst mich einen Moment allein. Sie und ich Idylle. Leere Gänge, freier Platz. Würde eine Decke ausbreiten wie an einem Fluss zwischen zwei Bäumen, Poesie im Orangenhain, moussierende Perligkeit, sanftes Blätterrauschen, zwischen morgens noch rasch aufgebauten Ständen, mitten auf den Boden und mein Frühstück einnehmen, während sie um mich sind, nur für mich.
Vor zehn Uhr aber darf keiner rein, der kein Aussteller ist, keiner vom Service. Und pünktlich um 10 Uhr strömt’s, dass da alle Idylle verlustig geht. Fluss, Bäume, morgendliches Picknick, wach auf, Träumer!
Wenn ich meinen kleinen Gestreiften dabei hätte, ja, da wär Platz. Jede Menge Platz. Es wäre ordentlich evakuiert bis 12 und ich hätte den Raum, den ein Mittagessen braucht, soll es der Phantasie vom Morgen entsprechen. Das Einsatzkommando würde frühestens eine Stunde später die Tafel aufheben, zu beschäftigt, zu groß das Talent des Gestreiften.
Allein, er ist nicht da. Sein Schlaf ist ihm wichtig. Freitag.

So muss ich auf die ganz große Phantasie verzichten, kümmere mich unter Einsatz guter Füße -die Zeit drängt- um’s Geschäftliche und gönne mir ansonsten zur Erhebung der Seele wie zum Heulen gemäß dem eigenen Naturell lediglich gelegentlich einen Blick zum Mond, den ich dieser Tage bei mir trage. Er ist schmal, nicht schwer, tut aber seine Wirkung.

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XXII: I. Hundsbuchfrühjahrsmesse

DIY. Ich ganz gespannt, um dann zuletzt wohl den Fehler bei der Sache mir selbst gegenüber eingestehen zu müssen. Falsch gelegt.

Die Nächte durchgearbeitet und den Stand mit den aktuellsten Büchern hergerichtet, alles ganz gemütlich gemacht. Viel Text angeschleppt, vorher gebohnert, abgestaubt und einmal richtig durchgelüftet. Nach_getaner_Arbeit

Der Mitarbeiter im Bild hat geschleppt. Wenn das kein Engagement ist, dann weiß ich auch nicht. Und, dem Trend folgend, wurde sogar ein Band Lyrik untergebracht, das schmale Buch ganz rechts, gleich neben dem Mitarbeiter. Es ist das mit am wenigsten Text. Und so gar keiner Handlung, aber intensiv.

Das also sind die aktuellen Bücher in diesem Frühjahr. Aktuell sind die Bücher, weil man gerade darin liest. Das passt also.

Es gibt neben den Büchern aber auch die Möglichkeit zum Gespräch. Ist Teil des Rahmenprogramms. Zur Couch für die prominenten Gäste hat es dieses Jahr noch nicht gereicht. Farblich wurde jedoch gelungen kopiert. Man kann nicht immer und ständig kreativ sein und immer das Originelle. Ein wenig sollte man sich schon an der Zielgruppe orientieren und kann ruhig Bewährtes fortführen. Gut_vorbereiteter_Moderator

Unser Moderator genügt jedenfalls den hohen Ansprüchen. Er kann es kaum erwarten, den ersten Gast, das erste Gespräch über Tolstoi. Da muss, wer kommt, durch. Und wenn dann noch Zeit bleibt für das eigene, na, man wird sehen.

Ebenso berücksichtigt wurden die immer größer werdende Relevanz von social media und dem ganzen anderen Zeugs für das mir English&IT-Vokabeln fehlen. Die Bloggerwelt soll folglich noch aktiver mit einbezogen werden. Für eine Lonsche war das Budget längst ausgeschöpft: Also wenn’s geht, zum Austausch bitte immer nur einer. Blogger_Stuhl Aber nur mit Akkreditierung.

Für alle anderen, es gibt bei uns um die Ecke eine Raucherkneipe.

Fehlt noch irgendwas? Nein. Trotzdem bis jetzt nicht ein Besucher. Gibt es denn so gar keinen, der sich da draußen für aktuelle Literatur interessiert? Seit letzten Donnerstag können Besucher aus aller Welt sich darüber informieren. Gekommen ist bislang nur einer von den Stadtwerken. Der war angemeldet.

Es sollte für die erste Messe ein intimer Rahmen sein, sicherlich. Das aber ist jetzt total öde. Wenn sich bis zum letzten Messetag morgen nichts tut, wird es zudem ein finanzielles Fiasko. Da wird es im nächsten Jahr, wenn die Hundsbuchfrühjahrsmesse überhaupt stattfinden kann, nochmal eine Nummer kleiner zugehen. Wir werden dann entweder auf den Stuhl oder auf das Kissen verzichten müssen.

Sogar einen Preisträger gibt’s. Tolstoi, wie jedes Jahr. Es wird schwierig, bis zum nächsten Jahr herauszufinden, ob er auch Gedichte geschrieben hat. Wenn nicht, dann leider, Leo, bist du draußen. Immer nur Romane, kann jeder.

Nur auf ein Gastland haben wir für dieses Jahr noch verzichtet. Die Wohnung ist einfach zu klein.