XXXI. Die größte Aventiure (die sich denken lässt) ist die Selbsterkenntnis

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Dem Einzigartigen ist ebenbürtig nur das Selbst. Boah, der hat Streifen, der sieht wild aus, der ist definitiv keine Lusche. Denkt sich unser Tischer, also denkt, so richtig mit Gedanken. Sagt aber erstmal nichts. Die schauen sich an. Das reicht. Wenn uns Tischer so anschaut, wissen wir auch Bescheid. Nur der jetzt, zuckt nicht, wo wir sonst, weil er’s gerne hat, wie Espenlaub…..

Ich und sein Selbst, das ist ein sehr langes Gespräch. Und wenn man wie Tischer nicht so auf Worte wert legt, wird es sehr lang. Zwischendurch geht auch keiner von beiden auf Toilette. Sonne geht unter, Mond, der kommt, Sterne funkeln, Jahreszeiten fahren zusammen in Urlaub, die rühren sich nicht, merken nichts, keiner von beiden, sondern starren nur einander an. Wenn man da ein dickes Buch dazwischenschieben würde, in Flammen würde es aufgehen. Eine kleine Stadt könnte sich eine Freibadsaison  lang von dieser Energie versorgen. Wir halten lieber die Finger weg.

Irgendwann aber bekommt jede Reflexion einen Hunger. Es knurren die Mägen beim Ich und beim Selbst in Gleichklang. Da hat Tischer eigentlich schon immer irgendwie reagiert. Fragt die Spatzen. Jetzt aber, da könnten Spatzenschwärme wie Engelchen durch’s Zimmer flattern, er bleibt dran. Der andere auch. Es knurrt ungestillt weiter.

Dann, Tischer springt. Irgendwann da bekommt selbst die ausgestrickteste Logik Löcher wie eine alte Socke. Warum riecht sonst jede Philosophie, die sich mit Ich und Selbst und Angrenzendem beschäftigt meist immer nach Mottenkugeln. Und über diese Löcher taugt nur ein beherzter Sprung. (Anm.: Hegel soll übrigens bei den Bundesjugendspielen 1781 für seine Leistungen beim Weitsprung lobend erwähnt worden sein.)

Tischer springt also. Aber nicht aus philosophischen Gründen. Es wird ihm einfach zu bunt. Er will das jetzt klären. Springt und prallt gegen das Härteste, Widerständigste, das sich denken lässt, sein Selbst. „AUA!“ Nur bei diesem Sprung tat’s ihm mal ein wenig weh.

Nur Tischers Selbst kann’s mit Tischer aufnehmen. Diese größte Aventiure hat Tischer hinter sich. Und nun? Was kann noch kommen, wenn die Beule verschwunden ist und Tischers Appetit nach immer größeren Aventiuren sich wieder regt?

Es steht möglicherweise demnächst ein Planetenwechsel an.

Über die Wahrnehmung

Wir sind alle Puzzle, die nicht aufgehen. Höchst unwahrscheinlich, dass am (Lebens-)Abend das letzte Teil passend gelegt werden kann. Feilen und mit der Nagelschere störende Teile bearbeiten und stutzen, dass es passt, ist gemogelt.

Wir sind alle nicht Schloss Neuschwanstein in 5000 Teilen, schwer zu legen, aber aufgehend. Wir werden nicht fertig an einem regnerischen Samstagnachmittag bei Tee und einem Teller mit Keksen.

Wir sind immer Viele. Und die übrig bleiben, sind wir auch. Wir sind der ständige Wechsel unserer Vorstellungen und die der anderen.

Wir sind permanente Fremde in uns selbst. Wir sind Kolumbus. Wir sind unentdecktes Land. Wir sind der weite Ozean dazwischen. Und der endlose Raum. Wir sind Grenze und Überschreitung. Wir fliehen vor dem, der wir sind. Oder igeln uns darin ein.

Wir sind Heraklits Enkel und ständig im Fluß, mehr Werden als Sein.

Das alles als kurze Einleitung um nun in zwei sehr schematischen PowerPoint-Blättern zu zeigen, wie es sich mit mir verhält, verhalten könnte:

ICH

Nur dass zumeist ich nicht mit mir alleine bin und Korrekturen wie der folgenden Rechnung zu tragen habe:

ICH_PerspektiveII

Ich habe den festen Glauben, dass ich mehr bin als gesichtsloses Fleisch, bin aber überzeugt -und die Einleitung sollte das deutlich machen- dass ich auch solch Fleisch sein kann, solche Muskeln und Sehnen, solch anschauungswürdiges Menschenmaterial, solch formvollendete Bein-, Schulter und Rückenpartien.

Doch dieses Ich puzzelt noch. Warten wir das letzte Teil erst ab, bevor wir uns festlegen wollen.

Bis dahin grüßt und wünscht noch einen schönen Tag die meisten von mir, wenn nicht sogar alle.

 

Zwiebel-Kant

„Denn die Menschen sind wie Fahrradschläuche in einem Zwiebelfeld“. Nachdem ich stunden- und tagelang über diesen Satz nachdachte, kam ich zu dem Ergebnis, ihn für unsinnig zu halten. Also erntete ich die Zwiebeln und bereitete mir eine leckere Zwiebelsuppe zu. Dass der Satz „Denn Menschen sind wie Fahrradschläuche auf einem brach liegenden Feld“ nun wesentlich mehr Sinn machen sollte, war mir für den Moment gleich. Ich war satt, die Zwiebelsuppe sehr schmackhaft. Was für ein Unsinn. Aus geschriebenen Zwiebelfeldern lässt sich keine Suppe kochen. Nein, ich war nicht satt. Das ist gelogen, Entschuldigung.

Nur, das ist meine Methode, ich setze einen Satz, er muss nur so in etwa grammatikalisch stimmen, an den Anfang und schaue, was sich daraus ergibt. Diesen von den Menschen, den wollte ich unbedingt einmal ausprobieren. Und eigentlich wäre es das schon. Aus all dem folgte zunächst nichts weiter. Gut möglich, dass nicht einer bis zu dieser Stelle gekommen ist. Er sagt, „Kapiere kein Wort“, und geht seiner Wege. Wir armen Leser von Sätzen, aus denen nichts folgt.

Wäre da nicht Kant. Der Gedanke kam mir gestern und ich setze ihn hier an, um diesen Beitrag irgendwie abzurunden.

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Diese moralische Wahrheit ist wie hingeschriebene Zwiebelsuppe. Sie wird gelesen, sie wird behauptet, sie stimmt, oh ja, ich glaube, das tut sie. Vieles von dem, was Kant sagt, was einige andere sagen, stimmt.

Doch warum eigentlich glaube ich das? Kant hat diesen Satz hingesetzt, er erschien ihm logisch und vernünftig. Und er ist es wahrscheinlich um ein Vielfaches mehr, als vom Zwiebelfeld-Satz je behauptet werden kann.

Das klingt jetzt vielleicht ein wenig pessimistisch, aber es gibt so bedeutsame Wahrheiten, wie diese von Kant, allein die Wirklichkeit, die schert sich wenig darum.

Aber der Satz mit der Wirklichkeit ist, glücklicherweise, ebenso wahr und unsinnig, wie der von Kant oder meiner vom Zwiebelfeld.

Die Geschichte wird es zeigen. Sie hat noch jeden widerlegt – nur im Beweisen ist sie sauschlecht.

 

Ein möglicher Ort

Das erscheint jetzt nur trübsinnig.

Man sagt, aus dem Gedächtnis, ich zitiere aus dem Gedächtnis. Da fehlt dann vielleicht ein Wort oder wird vertauscht. Vielleicht wurde das alles nicht so gesagt. Vielleicht ist da nur Gedächtnis und es war da nichts.

Aus der Erinnerung Vergangenes hervorholen. Telefonnummern, an die man sich erinnert, sind leicht zu überprüfen und am anderen Ende keine Stille vielleicht. Viel leichter als Geschichten. Stimmen die noch. waren die so? Oder sind es immer nur Geschichten, die nie waren und immer nur sind, jedes Mal.

In Geschichten aus dem Leben verschwinden. Bewahren.

Man steigt nie aus dem Fluss, wie man hineingestiegen ist. Man sieht selbst nie den Fluss. Man spürt die Strömung, fühlt die Nässe, friert. Aber man sieht nie den Fluss, den ganzen Fluss. Doch soll es ihn geben.

Ein kleiner Blick, ein kurzes Stück vom Fluss, Geschichten bannen ihn
– für Momente.
Geschichtenerzähler schöpfen den Fluss mit bloßen Händen
– niemals aus.

Er beruhigt sich in Geschichten. Dann klappe ich das Buch zu, diese Geschichte ist erzählt, er reißt mich fort. Und ich werde vielleicht dieser Geschichte nicht mehr wieder begegnen.

Auch sie wird, wenn, dann eine andere sein, weil ich es sein werde.

Stephan Kaluza hat einmal den Rhein fotografiert, alle paar Meter ein Bild, er hat die Bilder zusammengesetzt. Was in der Zeit nie zu sehen ist und deshalb nicht zu beweisen, in einem Bild. Er existiert als Montage.

Das Leben ist Ein möglicher Ort.

Sie wissen schon, das Leben ist ein Konstrukt, die Literatur ist es auch, nur Narren sprechen von Unterschieden.

Stephan Kaluza hat ein beunruhigendes Buch geschrieben. Ein Bildermensch, der darin nach der Idylle sucht, um -fast- darin umzukommen. Er lernt Julie kennen. Sie beobachtet sehr genau und kann so auch nicht leben.

Das Leben ist nur irgendwo zwischen Auslassung und Hingabe zu leben.

Vielleicht.

EinmöglicherOrt

 

 

 

 

Eine Theorie, ihr Scheppern und meine Leidenschaft für Körbchen

Die Frage: wie ich zum Bloggen kam?

Es folgt darauf naheliegend, wer bin ich eigentlich, dass ich blogge?

Sanguiniker, Phlegmatiker etc. Kapha, Vata, etc. Säfte und Ayurveda. Ich mache es mir da einfacher, angemessener. In mir sind sämtliche Peanuts angelegt, mehr oder weniger, irgendwo, doch alle vorhanden.

Irgendwo in mir die Weltverlorenheit und -ungläubigkeit eines Charlie Brown, seine Einsamkeit.
Irgendwo in mir die manipulierende Intelligenz einer Lucy, sowie der kleine Hang zum blauen Kleidchen.
Irgendwo die Bedürftigkeit und das Verschmuste von Linus. Ist Kissen. Ist Fellohrmütze. Ist Fräulein Schneefeld.
Irgendwo, mehr als Lücke, als Sehnsucht, das sture Talent eines Schröders. Am liebsten wäre ich nämlich Musiker, am nächsten käme dem….höre unten.

Dass ich anstrengend sein kann wie Peppermint Patty, das will keiner wissen noch erleben.

Das nur die Vordergründigsten.

Doch über allem, wen überrascht’s, ein Hund, anarchistisch, unbedingt und kompromisslos individuell, das Beste aus den Möglichkeiten machend. Den Rest erledigt die Phantasie und Vorstellungskraft – Snoopy.

Snoopy

Und dass aus all dem folgt, dass ich einen Vogel haben muss, ist offensichtlich. Die Theorie, sie scheppert, sie quietscht, weil sie nicht ganz passen will. Ich bin mehr. Ich bin weniger. Ich bin ganz anders.

Allein, es ist Annäherung an das, was ich Herr Hund nenne. Es ist nicht bloß Kostümierung, sicherlich nicht Täuschung. Es ist eine Akzentuierung. Wenn man so will, dann lass ich den Snoopy in mir von der Leine.

Es ist das Wahrste, das vorzuspielen, ich in der Lage bin.

Zum Anlass: saß am Fluß, zogen über mir die Wolken rechts nach links, vor mir ein Körbchen links nach rechts. Ich kann viel anfangen mit Körbchen, eine natürliche Schwäche für das, was in solch Körbchen zu finden ist. Ich greife zu, bekomme es zu fassen, hebe es an Land, finde darin nicht Moses, nicht Brötchen und Hundespielzeug, nicht das Herzhafte, das sich sonst in Körbchen finden lässt, sondern einen jungen Blog. In mir ist gleich geweckt der Mutterinstinkt. Den päppele ich auf, bis er sich selbst versorgen kann.t. Dann mache ich den Führerschein, bin weg im Fiat 500, das alles hier sich selbst überlassend. Ich sehe schon, die Follower wie Mäuse in meinem Blog herumtanzen, alles verwüstend. Das aber ginge mich nichts mehr an. Irgendwann.

Das die Legende. Es ginge aber auch eine profanere Erklärung. Die hineinzutippen in den Beitrag, lähmt mir die Finger, fällt mir außerordentlich schwer und stimmt auch nur zur Hälfte, höchstens und ich sage es mit einem Lieblingszitat aus einem Lieblingsfilm, „es geht nur ums Geschäft“.

Es wurde noch nach Tipps gefragt: Jedem und das gilt durchaus für andere „Geschäfte“ ebenso, folge dem Bellen in Dir, nimm diese Fährte auf und geh.

Das ist meine Philosphie, das ist das Scheppern und Rumpeln, weil es eben nicht so ganz funktioniert, so perfekt will und kann Leben gar nicht sein.