Tagebucheintrag 08.08.2015

Liebes Tagebuch, es ist heute sehr warm………

Nein, liebes Tagebuch, lass mich nicht davon reden. Wichtigeres drängt mich. Das Wetter wollen wir den Fröschen überlassen.

Es ist, liebes Tagebuch, schon eine ganze Weile her, dass ich mich Dir anvertraut habe. Dir, da Du doch immer für mich da bist, offen jederzeit. Und mich nicht verrätst. Es ist so viel geschehen, ich fand nicht die Zeit….meine Gefühle, meine Zweifel….es ist viel passiert um mich herum und mit mir selbst.

Wege wurden zu Sackgassen, gesäumt von Bäumen, mit breiten Bürgersteigen, alten Häusern, aber aus verschiedensten Gründen nicht der Platz. Die Suche ging weiter und fand bis heute zu keinem Ende.

Aber Sackgassen draußen, veränderte ich mich, und ganz sicher nicht mehr bin ich derselbe, liebes Tagebuch. Dir könnte scheinen, ein anderer hat sich deiner bemächtigt. Im Grunde stimmt es auch. Doch wie sollte es nicht sein? Nein, liebes Tagebuch, ich bin es noch und schon auch nicht mehr.

Dann ist’s so, dass ich kurz davor stehe, meinen 200sten Beitrag zu verfassen. Erinnere Dich, liebes Tagebuch, als ich begonnen habe (und was zur Folge hatte, dass ich Dich vernachlässigte), dass ich Dir anvertraute, ich wollte auf diesem Weg berühmt werden. Ich stelle fest, es ist schwieriger, als gedacht. Meine Wirksamkeit auf das Leben der Menschen, sie beschränkt sich auf gelegentliches Wohlgefallen (oder Ärger, das vielleicht mitunter, wenn ich es auch nur vermuten kann, da diesbezüglich und glücklicherweise die Leser sich ausschwiegen) bei morgendlicher oder abendlicher Lektüre bzw. in den Bürozeiten und stets das, was gerade neu und aktuell veröffentlicht worden war, also leicht zu finden, selten altes………

………bis auf diesen einen Artikel, der jeden Tag aufgerufen wird. Er wird nicht kommentiert, bekommt keinen neuen Stern hinzu, nein, liebes Tagebuch, er wird einfach aufgerufen, diese meine Entdeckung, die ich zu Thomas Mann gemacht habe. Es war ganz nett, das sicherlich. Mir will nur scheinen, ich habe seitdem schon anderes verfasst, das mehr Aufmerksamkeit verdient. Es bleibt wohl ein Rätsel.

Worauf ich aber hinauswollte, die Berühmtheit, die ausblieb, sie macht mir zu schaffen. Ich sag das nur Dir, liebes Tagebuch, da es mich plagt. Und habe ich es bei Dir abgelegt, ist vielleicht wieder einfacher, zu schreiben.

Natürlich stehe ich mir selbst hin und wieder im Weg, das weiß ich wohl. Es mag mir beim Schreiben so gehen wie dem kleinen Jungen. Dem sagte man, mal einen Kreis. Und er malte eine Sonne. Dem sagte man, male ein Haus. Und er malte eine Mauer. Von dem man also meinte, er ist ein wenig hinterher. Mal, was man Dir sagt. Kreis. Haus. Ist das so schwer? Nun ich sehe in der Sonne einen Kreis. Und in einem Kreis die Sonne. Und was wäre ein Haus ohne Mauern? Wer anders schauen möchte………………

Nur so kann ich schreiben. Ein wenig eigen. Und das Eigene ist eben nicht das Allgemeine, im besten Sinne  Ergänzung und Korrektiv.

Doch immer hinterher. Denn allein, wenn es eine Lust hat -die kommt und geht, wann sie will-, kann ich schreiben, was ein Problem wird, will man vorne dranbleiben. Ich kann nicht wie nach Bürozeiten schreiben. Mir fehlt die Disziplin. Du wirst es wissen, liebes Tagebuch, wie oft ich hätte schreiben müssen und nicht habe schreiben wollen (oder können) Viele Tage blieben unerwähnt, die zu leben noch ging, die aber unerwähnt blieben, weil allzu unliterarisch. Oder mir fehlten einfach die Worte.

Nun, und so schweige ich an manchen Tagen, fühle mich gehetzt, obwohl mich keine Erzieher, wie es bei dem kleinen Jungen war, drängen würden. Ich bin es ja selbst, der mich unter Druck setzt. Es ist dieses Medium. Es ist dieser verdammte Ehrgeiz, vielleicht auch einmal zu einer Jury zu gehören, einmal im Radio zu hören zu sein, maßgeblich zu sein.

Möchte ein Nagel im Schädel der Menschen sein. Und bin doch höchstens eine Reißzwecke geworden.

Liebes Tagebuch, überall vergleicht man sich. Immer verliert man dadurch an Freiheit. Denn ich könnte ja wegen meines Handicaps in keiner Jury sitzen. Das ist auch der Grund, warum ich diese Verlage so liebe, die Vergessenes zu Tage fördern. Weil bei den wiederentdeckten Büchern Zeit keine Rolle spielt, Aktualität unwesentlich wird. Weil nur zählt, dass hier ein Buch ist, das einmal gelesen wurde. Und wieder gelesen werden sollte. Das gefällt mir sehr. Diese Bücher kann ich auch noch morgen lesen und den Tag darauf ein paar wenige Sätze darüber schreiben. Eine Liste abarbeiten, ein neues Verlagsprogramm, als Multiplikator. Ich hätte die Disziplin nicht dafür.

Und ich wäre ständig in Konflikt, meine eigenen Gedanken und Geschichten irgendwie mit unterzubekommen, wozu es besagte Lust bräuchte. Nicht immer aber wäre es passend. Man will nicht dem Buch unrecht tun, erzählte man zu viel oder nur von sich selbst. So ist es ja nicht, wenn zu bedenken ist, dass reizvoll nur sein kann, gedankenvoll zu sein, statt nur zu repetieren, dass man dabei aber Gefahr läuft, eine vordergründige Besprechung zum Anlass genommen zu haben, allein von sich selbst zu berichten. Und wenn es dabei allzu flach vor sich geht, Auweia!

Ich will nicht flach sein und nicht nur von mir reden. Dafür habe ich Dich, liebes Tagebuch. Du schluckst das. Für die Welt da draußen, für die Bücher, die ich noch lesen will, von denen ich reden möchte, für die Geschichten, da will mir eine weitere Stimme und Sprache gelingen, ein angemessener Ton, eigen und originell. Und ich will es ganz ohne neid tun und stets nur mit Lust.

Dank Dir für deine Geduld!

Lieber Möchtegern-TageBuchSchreiber, du bist ein Trottel, denn ich bin bei Gott nicht dein Tagebuch, sondern dein Blog. Und Du hast es nicht gemerkt. Nun ist es veröffentlicht und jeder, der es zu übersehen versäumt hat, kann jetzt lesen, wie es in deinem Inneren so aussieht. Ich bin mir nicht sicher, ob das deinem Anspruch gut bekommt, du Pfeife. Wobei es sein könnte, du hast vorsätzlich Tagebuch und Blog verwechselt. Ist es so?

Liebes Tagebuch……Lieber Blog, Ohhhh! Oh Oh!

Liebe Möchtergernberühmtheit, Ich erkenne die Ironie in all deinen Sätzen, aber bedenke, „Ironie heißt fast immer, aus einer Not eine Überlegenheit machen.“

Lieber Blog, da hast du jetzt Thomas Mann zitiert.

Liebes Möchtegernjurymitglied, wann immer es passt.

Lieber Leser, bitte „Tagebucheintrag“ ignorieren…………………Danke.

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Zwei kleine Schwesterlein

Verführung, Verdrängung und Trotz.

Das gute Wetter, die heißen Tage, die, die vor einem liegen, die hinter einem; Erholung ist erlaubt und notwendig. Fahren wir also hinaus zum Wannsee. Kladow. Eigentlich ein Wasserschutzgebiet. Gebadet wird hier trotzdem. Die paar Menschen stören fast nicht die Idylle und gewünschte Ruhe. Nicht einmal ihre Nacktheit. Gut, sie könnte schöner sein.

Mich treibt es nicht ins Wasser. Hörst Du, MICH treibt es nicht ins Wasser. Ich sitze hier gut in meinem giftgrünen Notstuhl und will nur lesen. Thomas Mann und ich sind uns beste Gesellschaft. Geh also Du allein!

Die Sonne brennt heiß. Wärmegewitter sind für den Abend angekündigt. Bis dahin wird es gut bleiben. Wenn ich aufblicke, sehe ich hinter den Nackten im Panorama kleine Boote von links nach rechts sich schieben. Die Pappeln rauschen. Kindergeschrei, das ist es nicht, was mich ablenkt von der Lektüre.

Es geht um Thomas‘ Ur-Kram, Verführung, Verdrängung. „Geh doch auch mal ins Wasser, es wird Dir gut tun.“ Lange bleibe ich trotzig. Dennoch habe ich eine Badehose an. Ich komme mit der Mann-Lektüre nicht so recht vorwärts. Es mag an den Nackten liegen, an der Sonne, an den Booten im Hintergrund.

„Es wird Dir gut tun….“. Jetzt geht Lesen gar nicht mehr. Zäh hielt ich über Stunden aus. Die meisten Leute sind fort. Mein Trotz, er stürzt in sich zusammen. Ich lege Mann weg. Mein Gang ins Wasser.

Da stehe ich bis zum Hosensaum im Nass und weiß nicht, was jetzt zu tun ist. Das Wasser ist kalt. Ich stehe und warte auf den Bus. Nun ziehen die Boote von rechts nach links, heimwärts. Kleine Fische um die Beine. Nasser werde ich heute nicht mehr. Ich trotte hinaus. Mann allerdings wird heute nicht mehr aufgeschlagen.

Nur über der Hose blieb alles trocken. Eine vollständige Wasserverdrängung also mißglückte.

Aus mir wird wahrscheinlich kein großer Mann wie Mann. Er verdrängte vollständig seine Verführung und machte daraus Literatur.

Mit leichtem Sonnenbrand geh ich nach Hause. Und kein Blick zurück zum Wasser. Die letzte Nackte kann mich auch nicht mehr irritieren. Ich bin eh viel zu vornehm. Und hatte für heute genug Verführung.

Wie lerne ich zu schreiben wie Herr Hund? Lektion 5: Heroismus

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Guten Tag, Herrschaften. Wie ich sehe, sind heute einige Plätze leer geblieben. Der Sommer lädt zwar ein, seine Zeit lieber draußen im Wald und an den Gewässern zu verbringen, doch hatte ich den Glauben, jeder von Ihnen wäre daran interessiert, seinem Talent, wäre es auch noch so klein und unscheinbar, in meinem Seminar den einen entscheidenden Schliff zu geben, sich selbst als ernst zu nehmender Autor mit meiner Geburtshilfe zur Welt zu bringen, sich darin Bedeutung zu verschaffen und erst wieder das Podium zu verlassen, wenn die Messe, also alle Ihre Werke gelesen wären. Nun, die Draußengebliebenen werden sehen müssen, wie sie den Stoff, der ein hochwertiger ist, wieder aufholen. Aber, das werde ich prophezeien können, diejenigen, die in diesem Moment an ihren Eistüten hängen, in ihren Badeanzügen und Badehosen sich im Sand suhlen, auf quietschroten Luftmatratzen in Baggerseen stechen, diese werden später lange nicht so hohe Auflagszahlen erreichen wie Sie, meine treuen, gehorsamen Schüler.

Doch wenn auch Sie einmal den Drang verspüren, es zugunsten einer faulen Gelegenheit schleifen zu lassen, nicht Ihr Talent zu einem funkelnden Diamanten, sondern die Zeit, die, wenn ungenutzt, Ihr Talent zwangsläufig aushöhlt, wenn Sie also es einmal ruhig angehen lassen wollen, denn bis morgen wäre auch gut verschoben und warum dann nicht gleich bis zur nächsten Woche, nächsten Monat und für die Buddhisten unter Ihnen, bis zum nächsten Leben, wenn Sie also Ihr Talent ruhigstellen wollen, als wäre es ein tollwütiger Hund, um einmal verschnaufen zu können von der anstrengenden Arbeit, die ein solch heikler Patient erfordert, ist das zwar Ihr gutes Recht, im Ergebnis sähe es dann jedoch weniger gut aus. Aber gut, es können neben diesen Bequemlichkeiten andere durchaus ernst zu nehmende Dinge eintreten, die einer Beförderung Ihrer Talente hinderlich sein könnten.

Das Leben ist so ein Faktor und jeder guten Literatur ein Ärgernis. Wie wäre die Literatur gut, wenn es das Leben nicht geben würde. Was hätten uns die großen Autoren noch alles sagen können, wenn Sie nicht hätten dreimal am tag hätten essen müssen oder schlafen oder eine Ehe führen oder auch nur den Hund ausführen oder welche schlachten, oder oder oder……… Sehen Sie sich vor. Versuchen Sie so gut es geht, das Leben zu vermeiden. Schreiben Sie. Wenn Sie es ernst meinen, dienen Sie einzig und allein Ihrem Talent und schreiben Sie. Und schaffen Sie sich auf keinen Fall ein Haustier an. Ist das zu viel verlangt? Nein und doch ja. Denn wie Sie hier sitzen, müssen Sie wissen, dass auch die wirklich großen Geister ein Leben hatten. Wenn man es versteht, Ihre Werke genauestens zu studieren, wird man feststellen können, wo das Leben der möglichen absoluten Größe in die Quere kam. Stellen Sie sich vor, Schopenhauer hätte nicht ein Techtelmechtel mit seiner Haushälterin gehabt, man hätte ihm fast folgen wollen? Oder Thomas Mann, dieser feine Herr mit seinen ein, zwei Schwächen, was hätte er ohne diese aus seinem Zauberberg nur machen können? Und nicht zuletzt der Titan unter den Autoren, Oliver Kahn, wie vertikal hätte er mit seinem Werk tief eindringen können in die Wahrheiten des Daseins, wenn er nicht nebenher noch hätte Fußball spielen oder moderieren wollen? Es ist traurig und tragisch. So bleiben uns von diesen großen Geistern nur Unvollkommenes, Fragmente. Und warum? Des Lebens wegen, von dem sie alle nicht lassen konnten.

Begehen Sie nicht denselben Fehler. Seien Sie heroisch und entsagen Sie dem Leben. Existieren Sie einzig für die Literatur. Wenn es sein muss, orientieren Sie sich an einem Vorbild, wie ich eines bin. Es wäre eine kostenlose Zugabe. Sie nehmen mir nichts dadurch. Ich kann es tragen. Greifen Sie zu. Aber wenn Sie den Schritt gehen wollen, Ihr Leben für das Werk auf’s Abstellgleis zu stellen, verspreche ich Ihnen, Sie werden auf das Herrlichste dafür belohnt. Heute  und morgen vielleicht nur mit den prächtigsten Kommentaren, durch die nachkommenden Generationen jedoch mit Plätzen und Straßen, die Ihren Namen tragen, mit verzweifelten Abiturklassen und atemberaubend langweiligen Theateraufführungen und Lesungen und nicht zuletzt mit Preisen an lebende Autoren, die sich an Ihrem Werk, nicht Ihrem Leben, orientieren.

Was für Aussichten sind das, oder? Herrlich.

Die Stunde ist rum. Wir haben nicht überzogen, sehr gut. Bis nächste Woche also und versuchen Sie einmal, heroisch zu sein. Bauen Sie sich Ihre Festung der Einsamkeit und wenn schon Kontakt zur Welt, dann nur um sie durch Ihr Werk zu retten. Das Leben bleibe dabei bitte außen vor. Meiden sie es. Es ist wie Kryptonit und schwächt Sie, Ihr Werk. Halten Sie Ihre biographische Identität geheim. Einzig Ihr Werk zählt.

Sie entschuldigen mich jetzt aber, ich muss zu meinem Bowlingabend.

Ein seltsamerweise übersehenes Indiz

Es hat mir keine Ruhe gelassen. Zudem war ich durch den Vorfall vom Donnerstag sehr aufgewühlt. Weil also kein anderer eine plausible Erklärung für dieses Phänomen geben konnte oder wollte, begann ich selbst, ein wenig zu recherchieren und bin dabei auf ein Indiz gestoßen, das zumindest einen Ansatz liefern könnte, besagtes Phänomen zu erklären:

Rottweilerwelpenfilet auf Sahnesauerkraut

700 g junge Rottweiler, 2 EL Öl, 50 g Schalotten oder kleine Zwiebeln, 400 g Sauerkraut, 200 g kernlose Weintrauben, 200 ml Weißwein, 200 ml Sahne, 2 EL Paprikapulver edelsüß, 5 Stiele frischer Marjoran, 100 ml Sekt, Salz, jPfeffer

Das Rottweilerfilet ordentlich Salzen und Pfeffern und in einem Bräter im Öl anbraten. Nebenbei die Schalotten in kleine Würfel schneiden. Das Filet hinausnehmen und die Schalotten im Bräter dünsten.

Das Sauerkraut abtropfen lassen (evtl. mit Wasser abspülen und dann gut ausdrücken). Die Schalotten mit Wein und 100 ml Wasser ablöschen. Sahne zugeben und alles 5 Minuten einkochen lassen. Anschließend das Sauerkraut zugeben und mit Paprika würzen.

Das Filet aufs Kraut legen und die frischen Majoranstile darauf verteilen. Das Ganze im Ofen bei 200 Grad 20 Minuten garen.

Zum Abschluss die Trauben zugeben und weitere 10 Minuten garen. Vor dem Servieren den Sekt über das Filet träufeln. Dazu passt entweder Kartoffelpüree oder Spätzle

Dieses Rezept, handschriftlich verfasst von Katia Mann (*1), fand sich im Stadtarchiv von Lüdenscheid unter einem Berg von alten Yps-Heften (*2). Wie das Rezept der Katia Mann in das Archiv von Lüdenscheid gekommen ist, müsste zwar noch geklärt werden, aber es konnte durch mich die Handschrift eindeutig der Frau von Thomas Mann zugeordnet werden. Eine Fälschung ist mit Sicherheit auszuschließen. Die Yps-Hefte waren schließlich auch alle echt. Zudem gibt es Briefe und Tagebucheinträge, die die Echtheit des Rezepts belegen. Am 14.09.1921 etwa schreibt Thomas Mann in seinem Tagebuch, „Ein Spaziergang und eine gute Mahlzeit haben mich gestärkt und ich glaube wieder, den Zauberberg fortsetzen zu können. Ich liebe Hunde.“ Bislang konnte man zwischen den beiden Sätzen keinen Zusammenhang finden. Unter Kenntnisnahme des Rezepts, erscheint diese Tagebucheintragung allerdings in einem völlig neuen Licht. Dann wäre da noch ein Brief von Katia Mann an ihren Sohn Golo, in dem sie ihm berichtet, „dass Thommy wieder eine seiner Schreibblockaden hat und hier wie immer nur der Koreaner helfen kann.“ Da konnte sich die Literaturwissenschaft nun gar keinen Reim darauf machen und beließ es dabei, anzunehmen, dass es sich bei dem „Koreaner“ um eine Art von Kräuterlikör (*3) handeln müsste. Aber weit gefehlt, wie sich jetzt herausstellt. Thomas Mann genehmigte sich zwar ab und an einen Gewürztraminer, wenn er in Gesellschaft war, hatte aber ansonsten nicht viel übrig für Alkohol. Seine Leidenschaft galt dem Filet von jungen Rottweilern. Und „Koreaner“ war die Umschreibung dieser Leidenschaft. In München, wo Thomas Mann lange Jahre lebte, war die asiatische Küche noch nahezu unbekannt. Dennoch gab es reiche Münchner, die sich den exotischen Luxus gönnten, zu gesellschaftlichen Anlässen den Gästen besondere Köstlichkeiten zu servieren, wofür die ganz Reichen keine Mühen und Kosten scheuten und entsprechendes Personal kommen ließen, die diese Gerichte originalgetreu zubereiten sollten. Einer dieser Köche war ein Asiate koreanischer Herkunft. Und von diesem sind einige Rezepte zur Zubereitung von Hund bekannt. Zubereitet haben wird er Hund, als er in München weilte, wenn, dann nur im Geheimen. Es war zu Zeiten von Thomas Manns Münchner Jahren per Gesetz verboten, Hunde zu braten, zu kochen oder anders zuzubereiten. Die junge deutsche Republik fürchtete offenbar um ihr Wappentier, den Dackel. Dass es allerdings diesen Koreaner gab, ist sicher. Und die Manns hätten ihm wenigstens bei einer Gelegenheit begegnen können. Und so an besagtes Rezept gekommen sein. Desweiteren vermute ich, dass Thomas Mann durch diese Leidenschaft für Vierbeiner, die lebendigen wie die gebratenen, seine latente Homosexualität kompensieren wollte. Aber das bleibt eine Hypothese. Auch die Yps-Hefte können darüber keine Auskunft geben.

Eine Erklärung für das gespannte Verhältnis von Rottweilerwelpen zu Thomas Mann ist es allemal.

Zu erwähnen sei noch, dass in der Umgebung von Manns Wohnort in den Jahren, in denen der deutsche Schriftsteller dort lebte, unerklärlich viele Hunde und dabei in der Hauptsache Rottweiler (*4) von einem Tag auf den anderen verschwanden, in der Zeit also, in der Thomas Mann besonders produktiv gewesen ist. Als Hunderipper kann ich mir den Schriftsteller jetzt zwar nicht vorstellen, möchte es aber dennoch erwähnen.

Anmerkungen:

*1 Ehe- und Hausfrau von Thomas Mann und später nach Thomas Manns Tod Ehrenvorsitzende des Tierheims von Zürich

*2 Gimmick-Hefte für Hobbyforscher, besonders das Heft mit den Urzeitkrebschen ist ganz toll

*3 zu Studienzwecken bei Niederschrift dieses Beitrags verwendet. Einen ganz günstigen gibt es bei Aldi (wir danken Aldi für die Unterstützung  meiner unserer Studie)

*4 ebenso Katzen, aber die sind nicht mein Forschungsgebiet

P.S. eine persönliche Anmerkung von mir: ich finde es echt Scheiße von Mann, dass er Hund gegessen hat. Echt Scheiße.

Thomas Mann vs. Rottweiler-Welpen

Noch immer hat Literarturwissenschaft und Tierpsychologie keine Erklärung für dieses Phänomen. Nach einem weiteren Vorfall von gestern nachmittag in einer Fussgängerzone von Lüdenscheid wird man sich aber wieder verstärkt des brisanten Themas annehmen müssen. Denn schon wieder wurde ein Mensch, der in die Lektüre eines Prosawerks von Thomas Mann (*1) vertieft war, Opfer der Attacke eines Rottweilerwelpens. Es soll sich nach Aussage des männlichen Opfers um Tonio Kröger gehandelt haben, also bei dem Prosawerk, nicht bei dem Welpen. Der Name des Welpen ist bislang unbekannt. Sicher ist nur, dass der Angriff gestern gegen 16 Uhr 30 erfolgte, der ganz fiese Welpe den jungen musischen Mann anfiel, ihm das kleine Bändchen mit den Erzählungen Thomas Manns entriss, es zerfetzte und dann sogar noch darauf sein Geschäft verrichtete, bevor er (der Welpe, nicht der Mann oder Tonio Kröger) die Flucht ergriff.

Und wie gesagt, dies war kein Einzelfall. Recht häufig sogar fallen junge Rottweiler, keiner älter als zwei Jahre, Menschen im Park, in Cafés oder auf der Strasse an, die alle eines gemeinsam haben: immer ist ein Prosawerk von Thomas Mann das Ziel der fiesen Attacke. Das ist eine Annormalität bei dieser Hunderasse, die sich aber die Experten bislang nicht erklären konnten. Was dabei auffällt, ist die Tatsache, dass mit Ablauf der zwei Jahre Rottweiler von Thomas Mann sich ab- und den erwartbaren Opfern wieder zuwenden. Von anderen Hunderassen kennt die Wissenschaft dieses Verhalten nicht. Warum sind Rottweilerwelpen, bis sie zwei Jahre werden, in so großem Maße auf Thomas Mann fixiert. Hunde können nicht lesen (*2), wie ja bereits Ringelnatz erkannte. Und obwohl das so ist, gingen die fiesen Rottweilerwelpen bei ihren Attacken immer sehr zielgerichtet vor. Da ließen sie sich eben noch von einer jungen Brünetten (*3) mit Balzac-Roman den Bauch kraulen, um aber im nächsten Moment fast tollwütig einen vorbeigehenden Passanten anzugehen, eben aus einer Buchhandlung getreten, wo er eine Ausgabe von Tod in Venediggekauft hatte. Und immer derselbe Vorgang: Anfall, das Zerfetzen des Textes und anschließendes Urinieren oder Häufchen machen.

Dagegen wird vorzugehen sein. Es muss endlich die Frage beantwortet werden, was an den Texten von Thomas Mann eigentlich (*4) Rottweilerwelpen so aggressiv macht. Ich selbst habe dafür keine Antworten, nur einen völlig zerfetzten, mit Fäkalien beschmutzten Tonio Kröger, den ich jetzt noch irgendwie zu Ende lesen möchte.

Anmerkungen:
*1 deutscher Schrifsteller, der Hunde mochte und eigentlich (*4) mochten Hunde auch ihn
*2 siehe dazu Studie der Universität Cambridge von 1927, die ein ganzes Jahr lang verschiedenen Hunderassen Shakespeare näherbringen wollte
*3 wohnt in der Kleiststrasse 14, 2. Stock und ist ziemlich gut drauf. Will auch keine Geschenke.
*4 deutsches Füllwort