Um den Schlaf gebracht

Eins Zwei Drei Vier Fünf Sechs Sieben Acht Neun Zehn Elf Zwölf Dreizehn Vierzehn Fünfzehn Sechzehn Siebzehn Achtzehn Neunzehn Zwanzig …..

…Vierhundertsiebundzwanzig Vierhundertachtundzwanzig Vierhundertneunundzwanzig Vierhundertdreissig Vierhunderteinunddreissig Vierhundertzweiunddreissig Vierhundertdreiunddreissig…

…Siebzehntausendfünfhundertdreiundsechzig Siebzehntausendfünfhundertvierundsechzig Siebzehntausendfünfhundertfünfundsechzig….

…Siebenhunderteinundzwanzigtausendachthundertundfünf Siebenhunderteinzwanzigtausendachthundertundsechs Siebenhunderteinundzwanzigtausendachthundertundacht…ähhh, nein, Siebenhunderteinundzwanzigtausendachthundertundsieben…

…und spätestens beim Neunhundertfünfzigtausendsten Schaf war ich mit Sicherheit eingeschlafen, spätestens fünf Minuten, bevor der Wecker klingelte. Jedes Mal, garantiert. Sicheres Hausmittel.

Und nun, in dieser Hinsicht ärgerlich, hat mich die Lektüre der „Schafe“ um meinen Schlaf gebracht. Auf zweierlei Art: nun schaue ich mir jedes Schaf genau an, ist es eine Heidschnucke, ist es ein Merinoschaf, ist es ein eingekreuzter Württemberger. Ich habe da in der Vergangenheit auf die Unterschiede nicht sehr genau geachtet. Sprangen über’s Gatter, demütig, folgsam, eins nach dem anderen. Ich schlief irgendwann.

Ich finde es gut, dass Lesen den Blick erweitert, aufmerksam macht für Details, aber beim Schäfchenzählen ist es eher hinderlich. Da soll es monoton und eben einschläfernd zugehen.

Vorbei, ich muss mir ein anderes Tier suchen. Und hoffen, es taucht niemals in den Naturkunden auf. Da verweigere ich mich.

Hinzu kam noch, ich wurde mit dem Buch zum Herrn Schäfer-Hund, was heißt, ich durfte erst schlafen, wenn wirklich das allerletzte Schaf hinübergesprungen war. Nur wo ist ein Ende bei nachtspringenden Schäfchen? Das hört nie auf. Diese Pflicht und Arbeit, die ganze Nacht hindurch, das schlaucht. Gelegentlich stand ich nur kurz davor, das nächste Schaf, das hinüber wollte. anzufallen. Müdigkeit macht aggressiv. Man vergisst fast, dass man kein Wolf mehr ist. Dass man domestiziert ist und eine Kinderstube hat. Ich tat es nicht, besann mich, und zählte weiter.

Und schaute mir auch weiterhin jedes Schaf genau an:

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Wem gehörte diese riesige Herde wohl? Es waren keine Wildschafe, keine Mufflons. Also, wo war ihr Besitzer? Und da ich so gehorsam über die mir jede Nacht anvertraute Herde wachte, musste ich nicht da auch ihm gehören?

Agnus dei, bzw. Canem dei. Plötzlich wird man gläubig beim Schäfchenzählen und -behüten. Ist das Folge fehlenden Schlafs oder weil Karfreitag ist? Man verzeihe mir, wenn ich diese metaphysische Frage nicht weiter verfolge. Ich kann ob des fehlenden Schlafs nicht klar denken und könnte mich nicht wehren gegen allzu scharfsinnige Kommentare.

Ich schloß von der riesigen Herde auf einen grenzenlos reichen Herrn, mindestens Australier, maximal Gott und bin bei diesem Schluss vielleicht selbst nur ein verirrtes kleines Lämmchen, das keine Antworten braucht und sie nicht findet, sondern nur zu seiner Herde zurückfinden möchte, wo es hingehört.

Fragen. Jedes weitere Buch wirft weitere Fragen auf. Bildet neue Gedanken, in denen man sich verheddert. Ja, da wünscht es sich bisweilen, einfach so auf dem Feld zu stehen, genügsam zu sein, wiederzukäuen, sonst nichts zu wissen. Und nichts weiter zu wollen als dieses besonders appetitlich aussehende Büschel Gras etwa.

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Eine Frage, die ich Herrn Fuhr, den Autor von „Schafe“ nicht gestellt habe -besser so, vielleicht-: warum Schafe Tolstoi allen anderen Schriftstellern vorziehen. Meines wenigstens. Er hätte sie unter Umständen nicht befriedigend beantworten können.

Ansonsten habe ich viel über Schafe gelernt.

Und habe für den Schlaf ein neues Tier gefunden. Welches, wird nicht verraten. Mein Schlaf ist mir sehr wichtig.

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Eckhard Fuhr – Schafe (Matthes & Seitz, 2017)

Bruderzwist im Hause Hund

Marcel – Nachtleser, Vegetarier, irischer Patriot
Madeleine – Muse von Marcel, im Frühsommerschlaf
Herr Hund – in der Folge nur Herr Hund genannt
Fräulein Sch. – Herr Hunds Pünktchen auf dem i
Tischer – Chef und voraussichtlich auch bald Maharadscha von allem

Erster Akt

(In der Mitte der Bühne ein weißes Bett mit Platz für Fünf. Viele Kissen und Decken. Vergraben und nicht zu sehen eine Fusseldose. Leselampen rechts und links. Links hohe Stapel von Büchern. Rechts von Schokoladentafeln.)

(Keiner tritt auf, alle liegen bereits. Marcel und Herr Hund wedeln jeweils mit einem Buch, immer heftiger.)

Marcel: Tolstoi.

Herr Hund: Proust.

Marcel: Tolstoi.

Herr Hund: Proust.

Marcel: Nein, Tolstoi.

Herr Hund: PROUST!!!

Marcel: (zu sanft, um schreien zu können, aber sichtbar erregt): Tolstoi.

Herr Hund: Müde.

Marcel: Auch.

Herr Hund: Gute Nacht.

Marcel: Gute Nacht.

(Bis auf eine kleine Taschenlampe erlöschen alle Lampen. Schlafgeräusche. Marcel blättert. Ende erster Akt.)

Zweiter Akt:

(Gleiche Szenerie. Morgendämmerung.)

(Herr Hund erwacht. Marcel beendet die Nachtlektüre gerade zum dritten Mal. Sie bemerken sich.)

Marcel: Tolstoi.

Herr Hund (sich den Schlaf aus den Augen reibend): Proust

Marcel: Tolstoi.

Herr Hund: PROUST!!!

(Von der Lautstärke Herr Hunds  aufgeschreckt aus süßen Träumen erwacht Fräulein S.. Die anderen Beiden bekommen nichts mit. Es ist Frühsommer und außerdem ein Freitag.)

Marcel: Tolstoi.

Fräulein S. (sich wachschmatzend): mnmnm…was, wer, wie?

Herr Hund: Proust

Marcel: Nein, nein, nein, Tolstoi.

Herr Hund: Und ich sage, Proust.

Fräulein S. (jetzt vollständig wach und die Sache verkomplizierend): Ihr irrt beide, Astrid Lindgren, ganz klar.

Marcel und Herr Hund gemeinsam: ………….

(Mit dem Frühstück endet der zweite Akt.)

Dritter Akt:

(Aus Kostengründen weiterhin die gleiche Szenerie. Frühstück, Mittag- und auch Abendessen sind gegessen. Es sind die meisten außer denen die sowieso schlafen, bettfertig.)

Marcel: Tolstoi

Herr Hund: Proust

Marcel: Tolstoi

Herr Hund (gähnend): Proust

Marcel (in gelangweiltem Ton, doch mit Nachdruck): Tolstoi

Herr Hund (halb im Schlaf, halb schnarchend schon): Prrrrrrrrouuuassssssssss………….(schläft ein)

Marcel (alle Lichter löschend, außer seine kleine Taschenlampe): Und wohl ist es Tolstoi.

(Marcel schlägt ein Buch auf, wahrscheinlich Tolstoi, und beginnt zu blättern. Ende dritter Akt.)

Vierter Akt:

(Wochenende. Alle schlafen aus außer Herr Hund. Marcel hat gar nicht geschlafen.)

Herr Hund (schlägt die Augen auf): Marcel?

Marcel: Ja?

Herr Hund: Gar nicht Tolstoi. Proust.

Marcel und Herr Hund (sich gegenseitig ins Wort fallend, fast hysterisch): Nein. Doch. Nein, Nein, nein und nochmal nein. Doch doch doch. Tolstoi. Proust. Tolstoi. Proust ……. usw.

(Einer erwacht vom Lärm oder weil Wochenende ist)

Tischer: Alles Luschen.

Marcel, Herr Hund: …

(Tischer nimmt seinen Hut. Irgendwo ist eine Aventiure. Wochenende. Schönes Wetter. Ende Vierter Akt)

Fünfter Akt:

(fällt aus, keine Auflösung, kein blutiges Ende in Sicht. Hier wird nie eine Einigung erzielt, bei der Frage scheiden sich die brüderlichen Geister. Gehört halt dazu. Proust oder Tolstoi? Tolstoi oder Proust? Genug Dichter für alle, um sich fürstlich streiten zu können)

 

 

 

 

 

 

 

XXII: I. Hundsbuchfrühjahrsmesse

DIY. Ich ganz gespannt, um dann zuletzt wohl den Fehler bei der Sache mir selbst gegenüber eingestehen zu müssen. Falsch gelegt.

Die Nächte durchgearbeitet und den Stand mit den aktuellsten Büchern hergerichtet, alles ganz gemütlich gemacht. Viel Text angeschleppt, vorher gebohnert, abgestaubt und einmal richtig durchgelüftet. Nach_getaner_Arbeit

Der Mitarbeiter im Bild hat geschleppt. Wenn das kein Engagement ist, dann weiß ich auch nicht. Und, dem Trend folgend, wurde sogar ein Band Lyrik untergebracht, das schmale Buch ganz rechts, gleich neben dem Mitarbeiter. Es ist das mit am wenigsten Text. Und so gar keiner Handlung, aber intensiv.

Das also sind die aktuellen Bücher in diesem Frühjahr. Aktuell sind die Bücher, weil man gerade darin liest. Das passt also.

Es gibt neben den Büchern aber auch die Möglichkeit zum Gespräch. Ist Teil des Rahmenprogramms. Zur Couch für die prominenten Gäste hat es dieses Jahr noch nicht gereicht. Farblich wurde jedoch gelungen kopiert. Man kann nicht immer und ständig kreativ sein und immer das Originelle. Ein wenig sollte man sich schon an der Zielgruppe orientieren und kann ruhig Bewährtes fortführen. Gut_vorbereiteter_Moderator

Unser Moderator genügt jedenfalls den hohen Ansprüchen. Er kann es kaum erwarten, den ersten Gast, das erste Gespräch über Tolstoi. Da muss, wer kommt, durch. Und wenn dann noch Zeit bleibt für das eigene, na, man wird sehen.

Ebenso berücksichtigt wurden die immer größer werdende Relevanz von social media und dem ganzen anderen Zeugs für das mir English&IT-Vokabeln fehlen. Die Bloggerwelt soll folglich noch aktiver mit einbezogen werden. Für eine Lonsche war das Budget längst ausgeschöpft: Also wenn’s geht, zum Austausch bitte immer nur einer. Blogger_Stuhl Aber nur mit Akkreditierung.

Für alle anderen, es gibt bei uns um die Ecke eine Raucherkneipe.

Fehlt noch irgendwas? Nein. Trotzdem bis jetzt nicht ein Besucher. Gibt es denn so gar keinen, der sich da draußen für aktuelle Literatur interessiert? Seit letzten Donnerstag können Besucher aus aller Welt sich darüber informieren. Gekommen ist bislang nur einer von den Stadtwerken. Der war angemeldet.

Es sollte für die erste Messe ein intimer Rahmen sein, sicherlich. Das aber ist jetzt total öde. Wenn sich bis zum letzten Messetag morgen nichts tut, wird es zudem ein finanzielles Fiasko. Da wird es im nächsten Jahr, wenn die Hundsbuchfrühjahrsmesse überhaupt stattfinden kann, nochmal eine Nummer kleiner zugehen. Wir werden dann entweder auf den Stuhl oder auf das Kissen verzichten müssen.

Sogar einen Preisträger gibt’s. Tolstoi, wie jedes Jahr. Es wird schwierig, bis zum nächsten Jahr herauszufinden, ob er auch Gedichte geschrieben hat. Wenn nicht, dann leider, Leo, bist du draußen. Immer nur Romane, kann jeder.

Nur auf ein Gastland haben wir für dieses Jahr noch verzichtet. Die Wohnung ist einfach zu klein.

XXI. Lamm-Chi

Die Welt ist schön.
Die Welt ist kompliziert. Und schmerzt.

Der eine poetische Seele hat, weiß das. Wenigstens eine poetische Seele kennt, der einen Marcel hat. Wesentlich ist Marcel ein Poet, ganz klar. Da sind wir, die wir ihn kennen, uns einig. Selbst unser Gestreifter hat da eine Ahnung, dass es so sein könnte. Marcel würde schreiben (und wie), die Welt ist schön, obwohl sie so kompliziert ist. Darüber, daß das nicht immer gewußt wird mit der Schönheit, dass gerade darin Komplikation und Schmerz liegen.

Sagt man eigentlich „hat eine poetische Seele“? Oder ist Marcel nicht vielmehr gänzlich eine poetische Seele, mit einem flauschigen, meist weißem Fell drumherum? So oder so, Schreiben kann Marcel nicht. Technisch gesehen ist er also kein Poet. Es ist wegen der Arme, wegen der Hände. Eine Kleinigkeit, ein nicht weiter erwähnenswertes Detail.Es macht keinen Unterschied.

Nun ist unser Marcel seit ein paar Tagen krank. Es war zu erwarten. Schafe mit so einer Disposition bekommen das manchmal. Es ist ein wenig wie Migräne, wie florentinischer Schüttelfrost. So, als wäre sein empfindsames Herz nach außen gekrempelt. Und auch nicht mehr hinter einem Brustkorb geschützt. Unmittelbare Empfindung. Allergrößte Sensibilität. Die ganze Welt auf einmal. Er, das kleine Schaf, wehrlos.

Das Herz eines Poeten kennt die Antworten und Wahrheiten. Der Kopf verwaltet sie bloß, der alte Hausmeister Rechen- und Wortschieber. Wenn man jetzt aber diese Krankheit hat, das Lamm-Chi, ist alles offen, eine Wunde, die sich nicht schließen will. Die ganze verwirrende Welt unvermittelt unbegreiflich, ohne in Gedanken und Worte zusammenregistriert zu sein, drängt auf ihn ein.

Tischer natürlich wollte sich vor Marcel stellen und die Welt davon abhalten, seinen Bruder zu überfluten. Lieb. Welt ist nur überall. So gut es geht, aber von allen Seiten, Tischers Mut reicht da nicht aus.

Doch geht es vorbei, eine Weile noch. Und wirklich hat Marcel heute nach ein wenig Tolstoi verlangt. Er lächelt auch schon wieder. Wir verspüren Erleichterung. Wir wollen aber nichts riskieren und haben deshalb, bis Marcels Herz sich wieder eingekrempelt hat, ihn so gut es geht, in die Fellohrmütze gewickelt.

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Die isoliert ganz gut. Zusammen mit der Strickjacke stürmt nicht mehr allzu viel auf unser Lämmchen ein. Das Wenige, das doch, Tischer zeigt ihm seine Streifen.

Und Marcels Muse und große Liebe? Sie hält, obwohl es ihr nicht leicht fällt, Abstand. Er darf, solange das Lamm-Chi anhält, nicht in zu große Erregung verfallen. Gerade die Liebe hat so einiges davon. Ein einfaches Händchenhalten und Marcels Herz könnte …………………………..

Bald aber kann Hand und Herz wieder freigegeben werden. Für seine Liebe. Für Madeleine.

Für die Welt, die so schön und kompliziert ist.

XVII. Diplomatie

Aventiuren gehen nicht ohne Schmutz. Das ist Naturgesetz. Und da Tischer so ziemlich Natur ist, fällt er darunter. Uns fielen Streifen auf, die vorher nicht da waren. „Hab mich befördert“, meint Tischer. Verdient hätte er es. Aber mehr von Mut, als Tischer hat, das ist Utopie. Es soll nichts Unwahres erzählt werden.

Nein, Tischer ist Obergrenze an Mut. Die Streifen kommen woanders her. Wie beim letzten Mal und beim Mal davor und davor und immer Tischers Erklärungen, also die eine. Dazu das leichte Zittern, denn er weiß, was ihn erwartet. Jenseits der Obergrenze von Mut wird es feucht. Und eigentlich ist das geklärt zwischen Tischer und feucht: jeder bleibt auf seiner Seite. Sie teilen sich das Ganze, als wär’s Chicago, Al Tischer und Al Feucht.

Jetzt krieg die mal zusammen, wenn da zu viel Streifen sind und Tischer vielleicht Gefahr läuft, übermütig zu werden. Da muss was getan werden, auch in seinem Interesse. So ein Zusammenkommen von Al Tischer und Al Feucht findet 2 bis 3 Mal im Jahr statt. Es soll friedlich bleiben, also dass „es kein böses Blut“ gibt. Das kostet Nerven, uns Unbeteiligte. Man wird da so hineingezogen und muss da durch.

Es gibt einen. der sowieso der Klügste von uns ist, der schnell gelernt hat, nämlich Marcel. Er hat ein ausgleichendes Wesen und ist auch sonst nicht auf den Kopf gefallen. Ein Diplomat, wie ihn sich die Uno wünschen würde. Angefragt hat sie noch nicht. Und außerdem, mit Tischer, da hat er schon genug zu tun. Nimm alle Weltkrisen zusammen, das Spitz auf Knopf, nicht das Dumme daran, und du kommst so ungefähr an das heran, was ein Tischer sein Tagwerk nennen würde. Und Marcels Tagwerk, sofern er nicht die Nase tief versenkt hat in Tolstoi oder einen anderen Dickseitigen, besteht darin, Tischer wenigstens so ein wenig in der Spur zu halten. Marcels Genius werde ich nie durchschauen. Er schafft es einfach. Also hin und wieder, denn Genius vs. Tischers Rabaukerei, das ist ein offenes Spiel mit ungewissem Ausgang.

Es sollte erwähnt werden, die beiden sind fast so etwas wie Brüder. Das kann zur Erklärung helfen, muss aber nicht.

Jedenfalls so ein richtiger Brocken in Marcels Aufgabenbereich ist die Sache mit Al Feucht und den überzähligen Streifen von Tischer. Marcel ist klug genug (möglich, dass das irgendwo bei Tolstoi zu lesen ist), dass er weiß, Diplomatie erfordert bisweilen Opfer, von der unangenehmsten Sorte: mit gutem Beispiel voran. Denn ja, auch unser Marcel hat es mit Al Feucht nicht so, erstmal.

Al Feucht löst bei ihm, und er kann es mit seinem Genius einfach nicht in den Griff kriegen, das ziemlich gleiche Zittern wie bei Tischer aus. Wenn nicht so schon, im Zittern sind sie verbunden, Eigentlich ein sehr interessantes Phänomen, das uns Unbeteiligte da jedesmal aufgeführt wird.

Nichtsdestotzrotz, das Zittern kann nicht verhindern, dass Marcel weiß, wie wichtig es ist, zu einer friedlichen Übereinkunft zu kommen, von wegen Balance der Kräfte undsoweiter. Er schreitet also voran, in einer Angelegenheit, bei der Tischer das einzige Mal (sehr wichtig: nicht weitererzählen!) in Ziemlich höchstens Zweiter ist. Und das wäre dann fast schon Lusche.

Marcel, man bedenke, es sind keine Nacktwochen, womit bewiesen wäre, wie brenzlig die Situation ist, legt sein Jacket ab und geht in die Konfrontation mit Al Feucht. Er bereitet das Feld für Tischer, wenn man so will. Und Tischer, scheinbar, weil er nicht will, dass da noch einer kommt und er wäre dann höchstens Dritter, also ganz sicher Lusche, mit ebenso leichtem Zittern wie Marcel vor ihm, konfrontiert sich auch mit Al Feucht. Und so kann das Saubere-Wäsche machen, wie es in Chicago genannt werden würde, beginnen.

DSCF3391Wobei Wäsche ist da ja nicht. Das abgelegte Jacket ist bereits erwähnt. Aber selbst Tischer geht ohne Hose und Tuch in diese Konfrontation. Rituale wahrscheinlich. Doch wenn es gut ist und hilft, den Frieden wieder herzustellen, dann also nackt. Vielleicht sollte bei eskalierenden Krisen eh mehr nackt diplomatiert werden. Das müssen die wissen. Hier bei uns, da scheint es zu funktionieren.

DSCF3390Mitten drin in der Bereinigung nehmen Marcel und Tischer die Sache auch sehr ernst und sind sehr gründlich. Marcel wird seinem Al Bruder sicher den ein oder anderen Hinweis geben und der wird sich, so klug ist er dann schon, danach richten. Trotzdem, es dauert. Nicht gerade einen ganzen Tag, aber doch so lange, dass angedachte Aventiuren oder das Versenken von Nasen in Tolstoi erst einmal verschoben werden müssen.

Tatsächlich, dank Marcels Geschick und Tischers Folgsamkeit -die Bläschen, die er gelegentlich hat aufsteigen lassen, tun dem keinen Abbruch-, entspannt sich so die hochbrenzlige Situation und……….

DSCF3386…..,wenn man es nicht besser wüsste, so könnte man den Eindruck gewinnen, die beiden fangen an, sich wohlzufühlen. Was Diplomatie so alles erreichen kann. Jetzt, das Anstrengende hinter sich gebracht, lässt auch Marcel das ein oder andere Bläschen steigen. Der Frieden ist wieder hergestellt. Mehr als das.

DSCF3393Denn wie es aussieht, sind Marcel und Al Tischer sauberer aus der Sache herausgekommen als Al Feucht. So macht man Geschäfte, so wahrt man den Frieden. Und das Erreichte in trockene Tücher gebracht, ist wieder Ruhe für einige Zeit.

Ich bin sehr stolz auf die Beiden.

Doch jetzt, Bitte!, rasch wieder angezogen. Es sind Damen unter den Lesern. was sollen die denken, bzw, wer soll sie aufhalten, wenn sie das noch länger sehen?