Kundenwünsche

– Haben Sie Panzer?

Ich schaue die Frau an, sie trägt, in ein Tuch gewickelt und vor die Brust gebunden ein Baby, und stelle mir vor, ja, das wäre schön. Wie viel einfacher wäre es mit Panzern? Die Frage „Sind die vegan, laktose- oder glutenfrei?“ könnte ich mit einem sicheren „Spielt bei Panzern keine Rolle.“ beantworten, ohne, wenn ich ehrlich sein soll, zu wissen, ob sie es sind oder nicht. Genauso wenig wüsste ich, ob sie Spuren von Nüssen beinhalten oder irgendwelche E-Stoffe. Nein, da bin ich ganz sicher, es wäre unerheblich, da man Panzer nicht für den Verzehr sich kauft. Ist mir jedenfalls nicht bekannt.
Aber zu vermuten ist, es würden Kunden -sie können es ja nicht lassen- andere Fragen beim angedachten Panzerkauf in den Sinn kommen, nach Feuerkraft, Spritverbrauch und ob es den auch in blau oder gelb vorrätig gäbe. Sie sind nicht einfach. Statt den einen Panzer kaufen und in der Tüte nach Hause bringen, wollen sie es genau wissen. Sie sind viel anspruchsvoller geworden. Früher war das einfacher. Da gab’s einen Panzer, keine große Auswahl. Heute sind’s so viele unterschiedliche Panzer, verdammte Individualität und Wahlfreiheit, da kann das kleine Ladengeschäft nicht mehr mithalten. Maximal für vier Arten von Panzern ist in Verkaufsraum und Lager Platz. Der verwöhnte Kunde bestellt in der Folge online seine Panzer, ganz auf seine Bedürfnisse abgestimmt. Wer’s glaubt? Dabei wird aber übersehen, dass es den stationären Handel mit Panzern zerstört. Sind sie nicht alle schon aus den Fußgängerzonen verschwunden, die inhabergeführten Panzer- und Kettenfahrzeugfachgeschäfte? Viel zu bequem ist es geworden, von zuhause aus, im Bett liegend, die Schüssel mit den Erdnussflips neben sich, Panzer zu bestellen. Der Online-Panzerhandel kann Panzer auch sehr viel günstiger anbieten. Das lockt. Service und individuelle Beratung, schön und gut, aber ist halt online viel billiger so ein Panzer. Und wenn man ihn bestellt, steht er, wenn es schnell gehen muss, bereits eine Stunde später vor der Tür.

Meine Lieblingsfrage bei Panzern wäre sicherlich, „Haben Sie die alle selbstgemacht?“. Tatsächlich wäre das schön, es wäre so, nur selbst gemachte Panzer anzubieten, doch Schuster, bleib bei deinen Leisten. Wichtig ist doch heutzutage, zu wissen, wo die Panzer herkommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt worden sind. Bevorzugt würde ich Panzer aus kleinen regionalen Panzermanufakturen verkaufen, wo schon in der dritten Generation Panzer hergestellt werden. Anonyme Rüstungsindustrien lehne ich da ab. Man weiß nicht, was in so einem Panzer drin ist. Massenprodukte, die beim ersten kleinen Gefecht kaputtgehen…..

– Hallooo, haben Sie nun Panzer oder nicht?

– Wie, was? Entschuldigung. Nein, haben wir nicht.

– Gut, dann bitte eine Schokolade. Ich mag’s lieber dunkel.

– Soll sie vegan sein…..?

Die Freuden des einfachen Lebens

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Bildquelle: moglio.tumblr.com

Ich wische die Krümel vom Holztisch in die hohle Hand. Die Rechte schiebt sie zusammen, die Linke wartet an der Kante. Forme sie zum Nest, öffne das Fenster und werfe die Krümel den Spatzen im Garten vor. Diese Bewegung, diese Szene ist bis ins Detail hinein eine vierzig Jahre alte Erinnerung. Weder der Ort ist gleich geblieben noch sind es die Spatzen und noch nicht einmal die Hand, welche die Krümel wirft. Gleich ist nur die Bewegung, und alles hat sich in ihr mitgeteilt. (Gospodinov in NZZ, Die Freuden des einfachen Lebens)

Und auch wir sitzen samstags in schöner Regelmäßigkeit vor dem Laden, nehmen unser Frühstück ein, Croissants und Schokoladenaufstrich, Milchkaffee ich, Cappuccino sie, und die letzten Krümel auf den kleinen Tellern, ausgestreut neben dem Parkscheinautomaten, gehören den Spatzen. Es genügt ihnen scheinbar. Alle sind sie dick und rund.

XXXI. Die größte Aventiure (die sich denken lässt) ist die Selbsterkenntnis

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Dem Einzigartigen ist ebenbürtig nur das Selbst. Boah, der hat Streifen, der sieht wild aus, der ist definitiv keine Lusche. Denkt sich unser Tischer, also denkt, so richtig mit Gedanken. Sagt aber erstmal nichts. Die schauen sich an. Das reicht. Wenn uns Tischer so anschaut, wissen wir auch Bescheid. Nur der jetzt, zuckt nicht, wo wir sonst, weil er’s gerne hat, wie Espenlaub…..

Ich und sein Selbst, das ist ein sehr langes Gespräch. Und wenn man wie Tischer nicht so auf Worte wert legt, wird es sehr lang. Zwischendurch geht auch keiner von beiden auf Toilette. Sonne geht unter, Mond, der kommt, Sterne funkeln, Jahreszeiten fahren zusammen in Urlaub, die rühren sich nicht, merken nichts, keiner von beiden, sondern starren nur einander an. Wenn man da ein dickes Buch dazwischenschieben würde, in Flammen würde es aufgehen. Eine kleine Stadt könnte sich eine Freibadsaison  lang von dieser Energie versorgen. Wir halten lieber die Finger weg.

Irgendwann aber bekommt jede Reflexion einen Hunger. Es knurren die Mägen beim Ich und beim Selbst in Gleichklang. Da hat Tischer eigentlich schon immer irgendwie reagiert. Fragt die Spatzen. Jetzt aber, da könnten Spatzenschwärme wie Engelchen durch’s Zimmer flattern, er bleibt dran. Der andere auch. Es knurrt ungestillt weiter.

Dann, Tischer springt. Irgendwann da bekommt selbst die ausgestrickteste Logik Löcher wie eine alte Socke. Warum riecht sonst jede Philosophie, die sich mit Ich und Selbst und Angrenzendem beschäftigt meist immer nach Mottenkugeln. Und über diese Löcher taugt nur ein beherzter Sprung. (Anm.: Hegel soll übrigens bei den Bundesjugendspielen 1781 für seine Leistungen beim Weitsprung lobend erwähnt worden sein.)

Tischer springt also. Aber nicht aus philosophischen Gründen. Es wird ihm einfach zu bunt. Er will das jetzt klären. Springt und prallt gegen das Härteste, Widerständigste, das sich denken lässt, sein Selbst. „AUA!“ Nur bei diesem Sprung tat’s ihm mal ein wenig weh.

Nur Tischers Selbst kann’s mit Tischer aufnehmen. Diese größte Aventiure hat Tischer hinter sich. Und nun? Was kann noch kommen, wenn die Beule verschwunden ist und Tischers Appetit nach immer größeren Aventiuren sich wieder regt?

Es steht möglicherweise demnächst ein Planetenwechsel an.

Liebe geht durch den Magen – ein dummes Märchen

Es war einmal ein armes Würstchen, das hatte nicht einmal einen Feigensenf
Das verliebte sich in ein Gedicht. Das auch nichts Besonderes gewesen ist, sondern nur so ein ganz dünnes, ein schmales, ein kurzes, ja nichtmal ein Haiku, so kurz, aber laut Verslehre eben doch eines.
Und es gefiel dem Würstchen, dass es sich darin verliebte. Und was aus Worten ist, gefällt, dass einem ganz romantisch dabei wird, das ist ein Gedicht. PUNKT.
Nur, das Gedicht, das liebte nicht zurück (Anmerkung: mich lieben Gedichte auch sehr sehr selten; ich schau sie an -eher glotzen- wie ein Bauarbeiter, wenn, Sie wissen schon, aber es, es entzieht sich mir).
Dieses dünne, kurze Gedicht hatte gar keinen Sinn für Romantik, es hatte Bärenhunger und so musste kommen, was kommen musste, denn so wurde es uns beigebracht im Biologieunterricht, es aß das Würstchen auf, als es ihm zu nahe kam. Und verzichtete ganz dabei auf Feigensenf, den es sowieso nicht hatte und nicht das Geld, es im Biosupermarkt zu kaufen, der übrigens erst in zwei Stunden aufgemacht hätte, worauf das hungrige Gedicht nicht warten konnte/wollte.
Also: Schmatz!!! Würstchen Ade!!!
Da war es satt das Gedicht, gestärkt vom armen Würstchen, wurde kräftiger und kräftiger, schöner und schöner und erschien bald darauf allen, die es sahen als ein Sonett von Shakespeare…ach, wie wundervoll, wie geistreich, wie formvollendet.

An das Würstchen, das einmal liebte, erinnerte nichts. Aber das Sonett, das hatte hohe Auflagen und lebt heute mit einem Filmstar an der Riviera.

So, liebe Kinder, jetzt wischt euch noch schnell den Feigensenf aus dem Gesicht und geschlafen wird!

Saisonauftakt

Sie haben’s rausgenommen, sie haben’s beim Lüdenscheider Tagblatt einfach rausgenommen, es nicht gebracht, nicht einmal hinten im Sportteil. Eigentlich war Lüdenscheid immer gut auf mich zu sprechen gewesen, mir ein Rätsel. Und jetzt drucken sie es nicht. Aber sie haben mir die Fahnen überlassen, das wenigstens. Fängt ja gut an. Sehe es nicht als Rückschlag, gehe meinen Weg. Schön, wäre hilfreich gewesen, sicherlich, aber ich hätte sowieso größer zu denken und das Lüdenscheider Tagblatt, na ja….

Vorenthalten möchte ich das gegebene Interview allerdings nicht und gebe es hier auf meinem Blog unzensiert wieder.

Waldemar Hartmann: Guten Tag Herr Hund! Ich darf Sie doch Herr Hund nennen, Herr Hund?

Ich: Wenn ich Sie Waldi nennen darf, geht das wohl in Ordnung.

Waldi: Sie dürfen alles, Sie bezahlen das Bier.

Ich: Äh, ja … war ja abgemacht.

Waldi: Gut, also…Es lief ja mit den letzten Beiträgen nicht so toll und gerade so konnten Sie zum Saisonende verhindern, zu viele Follower liegenzulassen, um weiter bei den Großen mitmachen zu dürfen. Was lief schief?

Ich: Ich war einfach auf zu vielen Baustellen tätig und habe meine Kräfte überschätzt. Darunter litt natürlich zur Schlussphase die Qualität meiner Beiträge. Außerdem musste ich mit kreativen Ausfällen kämpfen. Die kann mal so eben ein Blogger wie ich nicht so einfach kompensieren. Es gibt andere, die haben noch hochkarätige Einfälle auf der Bank. Die spielen in einer anderen Liga. Die haben ganz andere Voraussetzungen.

Waldi: Lag es nicht aber auch daran, dass Sie nicht mehr Ihre Beitragsphilosophie verfolgt haben, sondern sich an anderen orientierten?

Ich: Das ist sicher richtig. Und in der Vorbereitung auf die neue Saison wird mein Hauptaugenmerk darauf liegen, zu alter Schreibstärke zurückzufinden. Was mein Schreibstil zu Beginn der letzten Saison ausgezeichnet hat, war ja der freche Konter und besonders die kurze Phrase. Da muss ich wieder hin.

Waldi: Wie wollen Sie das erreichen?

Ich: Zunächst muss die Fitness wieder besser werden. Das heißt Rote Beete, Waldläufe und Zirkeltraining.

Waldi: Zirkeltraining?

Ich: Ich lese täglich zweimal die longlist vom letzten Jahr und verfasse zu jedem Titel kurze Anmerkungen. Ist gut für’s Handgelenk. Und ein gutes Handgelenk ist in diesem Sport mit das Wichtigste.

Waldi: Haben Sie keine Angst, durch zu viel Lesen der longlist an eigener Substanz zu verlieren? Ist das nicht sehr kräftezehrend?

Ich: Ich achte schon darauf, zwischen den Durchgängen Pausen zu machen. Nur die longlist zu lesen, ich habe ja nicht die Absicht, Bodybuilder zu werden. Nein, es dient allein der Ausdauer.

Waldi: Also die Pausen, wie sehen die aus?

Ich: Mit Entspannungsübungen bei leichter Sonntagnachmittaglektüre. Meiner Meinung nach wird viel zu wenig Wert darauf gelegt auf angenehme Sonntagnachmittaglektüre, auch an anderen Tagen. Die Welt wäre besser, würden die Menschen regelmäßig Sonntagnachmittaglektüre zu sich nehmen. Wenn also Zirkeltraining, dann trägt es nur Früchte, wenn man dem Geist bisweilen einen Sonntagnachmittag gönnt.

Waldi: Wie sah das bei Ihnen aus?

Ich: Unter anderem mit der homunculus-Methode. Einen Sonntagnachmittag lang war ich O.W. Fischer, war ich Dieter Borsche, war ich Heinz Rühmann und sie war Ruth Leuwerik oder Lieselotte Pulver und dass es gut ausgeht, wussten wir beide, aber bis dahin war’s ein harmloser Spass, ohne dass es platt gewesen wäre. Erfrischend.

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Waldi: Fitness und ein gutes Handgelenk sind also die Grundlage für den Erfolg.

Ich: Bei allem. Und wenn es demnächst losgeht, bin ich auf den Punkt fit, um mithalten zu können, wenn nicht sogar, um nach ganz oben schielen zu können. Aber ich muss konzentriert und fokussiert bleiben; die richtige Einstellung zum Stoff und sich vom eigenen Stil nicht abbringen lassen.

Waldi: Ist die Meisterschaft das Ziel?

Ich: Ich denke nur noch von Beitrag zu Beitrag. Am Ende schauen wir mal, was dabei rauskommt. Aber ich bin zuversichtlich, dass die nächste Saison eine Steigerung mit sich bringt.

Waldi: Eine Frage noch zum Schluss: was halten Sie eigentlich von der Meinung, dass es immer weniger Männer gibt die lesen und schreiben, ähnlich wie Sie?

Ich: Ich kann es nicht mehr hören. Diese Pauschalisierungen. Ich lese und schreibe, weil ich diesen Sport liebe. Wenn andere Männer lieber Brücken bauen oder Autorennen fahren, dann sollen sie doch. Fragt auch keiner, warum immer weniger Frauen Brücken bauen? Ist auch nicht wichtig. Zudem sind viele Männer zu sehr etwa mit Politik beschäftigt und lassen sich Bärte und Toupets wachsen. Ich bewundere sie, das wäre nichts für mich. Jeder soll, was er kann, was er….was ist das für ein Lärm…?

Waldi: Oh, das ist nur ein Baby.

Ich: Muss das sein, während ich hier interviewt werde? Kann man das entfernen?

Waldi: Für Sie nicht.

Ich: Dann kommen wir besser zu einem Ende.

Waldi: Gibt es neben Ihrem Sport noch weitere Ziele, die Sie sich gesteckt haben?

Ich: Darf ich es sagen?

Waldi: Ein wenig Zeit ist noch.

Ich: Nun, ich werde mich ab August auch auf anderer Ebene mit Literatur beschäftigen.

Waldi: Wie das?

Ich: Wie Ihnen vielleicht bekannt sein dürfte, versuche ich mich zur Zeit auch als Buchhändler -wahrscheinlich mit ein Grund, warum mir die Kräfte fehlten, zum Lesen und Schreiben- und ich habe nun für 2016 ein paar Veranstaltungen organisiert.

Waldi: Zum Beispiel?

Ich: Am 19.08. haben wir einen japanischen Abend, am 02.09. wird Herr Guggolz bei uns ein Buch vorstellen, ganz nach meinem Geschmack, denn es geht ein wenig um den Mond, ab dem 23.09. gehört der Laden für eine Woche binooki und dazu wird’s eine Komplettlesung geben. Letztlich wird am 09.12. Terézia Mora bei uns zu Gast sein.

Waldi: Wird’s Freibier geben?

Ich: Nein.

Waldi: Dann danke ich für das Gespräch, Herr Hund.

Ich: Waldi, Prost.