Bruderzwist im Hause Hund

Marcel – Nachtleser, Vegetarier, irischer Patriot
Madeleine – Muse von Marcel, im Frühsommerschlaf
Herr Hund – in der Folge nur Herr Hund genannt
Fräulein Sch. – Herr Hunds Pünktchen auf dem i
Tischer – Chef und voraussichtlich auch bald Maharadscha von allem

Erster Akt

(In der Mitte der Bühne ein weißes Bett mit Platz für Fünf. Viele Kissen und Decken. Vergraben und nicht zu sehen eine Fusseldose. Leselampen rechts und links. Links hohe Stapel von Büchern. Rechts von Schokoladentafeln.)

(Keiner tritt auf, alle liegen bereits. Marcel und Herr Hund wedeln jeweils mit einem Buch, immer heftiger.)

Marcel: Tolstoi.

Herr Hund: Proust.

Marcel: Tolstoi.

Herr Hund: Proust.

Marcel: Nein, Tolstoi.

Herr Hund: PROUST!!!

Marcel: (zu sanft, um schreien zu können, aber sichtbar erregt): Tolstoi.

Herr Hund: Müde.

Marcel: Auch.

Herr Hund: Gute Nacht.

Marcel: Gute Nacht.

(Bis auf eine kleine Taschenlampe erlöschen alle Lampen. Schlafgeräusche. Marcel blättert. Ende erster Akt.)

Zweiter Akt:

(Gleiche Szenerie. Morgendämmerung.)

(Herr Hund erwacht. Marcel beendet die Nachtlektüre gerade zum dritten Mal. Sie bemerken sich.)

Marcel: Tolstoi.

Herr Hund (sich den Schlaf aus den Augen reibend): Proust

Marcel: Tolstoi.

Herr Hund: PROUST!!!

(Von der Lautstärke Herr Hunds  aufgeschreckt aus süßen Träumen erwacht Fräulein S.. Die anderen Beiden bekommen nichts mit. Es ist Frühsommer und außerdem ein Freitag.)

Marcel: Tolstoi.

Fräulein S. (sich wachschmatzend): mnmnm…was, wer, wie?

Herr Hund: Proust

Marcel: Nein, nein, nein, Tolstoi.

Herr Hund: Und ich sage, Proust.

Fräulein S. (jetzt vollständig wach und die Sache verkomplizierend): Ihr irrt beide, Astrid Lindgren, ganz klar.

Marcel und Herr Hund gemeinsam: ………….

(Mit dem Frühstück endet der zweite Akt.)

Dritter Akt:

(Aus Kostengründen weiterhin die gleiche Szenerie. Frühstück, Mittag- und auch Abendessen sind gegessen. Es sind die meisten außer denen die sowieso schlafen, bettfertig.)

Marcel: Tolstoi

Herr Hund: Proust

Marcel: Tolstoi

Herr Hund (gähnend): Proust

Marcel (in gelangweiltem Ton, doch mit Nachdruck): Tolstoi

Herr Hund (halb im Schlaf, halb schnarchend schon): Prrrrrrrrouuuassssssssss………….(schläft ein)

Marcel (alle Lichter löschend, außer seine kleine Taschenlampe): Und wohl ist es Tolstoi.

(Marcel schlägt ein Buch auf, wahrscheinlich Tolstoi, und beginnt zu blättern. Ende dritter Akt.)

Vierter Akt:

(Wochenende. Alle schlafen aus außer Herr Hund. Marcel hat gar nicht geschlafen.)

Herr Hund (schlägt die Augen auf): Marcel?

Marcel: Ja?

Herr Hund: Gar nicht Tolstoi. Proust.

Marcel und Herr Hund (sich gegenseitig ins Wort fallend, fast hysterisch): Nein. Doch. Nein, Nein, nein und nochmal nein. Doch doch doch. Tolstoi. Proust. Tolstoi. Proust ……. usw.

(Einer erwacht vom Lärm oder weil Wochenende ist)

Tischer: Alles Luschen.

Marcel, Herr Hund: …

(Tischer nimmt seinen Hut. Irgendwo ist eine Aventiure. Wochenende. Schönes Wetter. Ende Vierter Akt)

Fünfter Akt:

(fällt aus, keine Auflösung, kein blutiges Ende in Sicht. Hier wird nie eine Einigung erzielt, bei der Frage scheiden sich die brüderlichen Geister. Gehört halt dazu. Proust oder Tolstoi? Tolstoi oder Proust? Genug Dichter für alle, um sich fürstlich streiten zu können)

 

 

 

 

 

 

 

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Die veryveryveryveryveryverylonglist für die nächsten 10000 Jahre und die darauf folgenden

Es wissen ein paar vielleicht, ich habe bereits eine Messe gebastelt. Das verlinke ich jetzt nicht für die, die das noch nicht wissen, sucht oder kommt einfach im nächsten Frühjahr vorbei.

Ich hab mir zeigen lassen, eine Liste mit Gewinnertiteln ist wichtig. Die braucht’s einfach. Nun, mein Anspruch ist Objektivität, Fairness und das, was keinen Zweifel lässt. Dann hören die Diskussionen auf und es bleibt mehr Zeit für’s Lesen.

Aus diesem Grund mit dem Strom auch meine Messe, wird es eine Liste geben, für die zur Zeit eine Jury, bestehend aus mir, die Jury auswählt, die die Jury auswählt, die dann die Bücher lesen darf…..Moment, da hab ich jetzt irgendwo eine Jury vergessen, na, die wird sich schon finden und ihren Platz einnehmen.

Diese gewählte Jury, also die letzte dann, ich gehe stark davon aus, dass ich das sein werde, aber man weiß nie, Überraschungen sind immer drin, die wird sich in einem ersten Durchgang der vvvvvvvvlonglist annehmen, sie einmal querlesen oder durch, Hauptsache gründlich, und die Bücher auswählen, die dann auf die vvvvvvvlonglist kommt. Was an Büchern und Jury dann noch übrig ist, wird in zweiter Runde usf, ihr kennt das Procedere.

Der zeitliche Ablauf sieht vor:

Bekanntgabe der Titel, die es auf die vvvvvvvlonglist geschafft haben: Herbst 4027
Dann folgt eine kurze Kaffeepause. Es wird der Presse Zeit gelassen, das Ergebnis zu bewerten. Uns/mir sehr wichtig, die mit im Boot zu haben, besonders den von der Süddeutschen.
Wer es nach dem nächsten Durchgang in die vvvvvvlonglist geschafft hat, soll im Herbst 7280 bekanntgegeben werden. Es regnet dann hoffentlich nicht. Die dann bereits bekannte Kaffeepause, einmal pinkeln und weiter……

Letzten Endes sollten wir im Jahre 23678, 12 Uhr plusminus Titel/Autor erfahren, der dieses Mal den Buchpreis der Hundsfrühjahrsmesse 2016 erhält.

Der Vorteil: neben der Objektivität, da bin ich sicher, auch das Preisgeld bis dahin zusammengespart zu bekommen, rein rechnerisch.

Der Nachteil: das Ableben von Autor und vermutlich Jury

Der Vorteil: das Preisgeld kann so eingespart werden, es sei denn…..

Nachteil: …..die Nachnachnachnachnachnachnachnachnachkommen klagen es erfolgreich ein.

Der Vorteil: mir ist das dann voraussichtlich alles egal und meine Nachnachnachnachnachnachnachnachnachkommen samt ihrer Anwälte hätten sich darum zu kümmern.

Jetzt aber, begleitend, suche ich für dieses Vorhaben ein paar Blogger, die es nicht scheuen, sich der vvvvvvvlonglist anzunehmen, diese zu besprechen und die Titel bis zum Ende der Veranstaltung und aller Dinge im Gespräch zu halten. Es wird nicht ganz ohne Anstrengung sein, ich weiß, aber es wird sich lohnen, denn diese, die sich der Sache annehmen, werden dann für die Hundsfrühjahrsmesse Freikarten erhalten und hätten uneingeschränkten Zutritt zur Lonsche.

Einzige Vorraussetzung: stabile Physis und ein gewisses literarisches Interesse. Und natürlich keine wichtigen Termine bis dahin. Es ist nämlich keine unernste Angelegenheit.

Also meldet euch! Blogger mit Nachkommen werden nicht bevorzugt. das wird schon irgendwie geregelt.

Obwohl ich mir ja fast sicher bin, dass ich am Ende Marcel Proust wähle. Und wehe, einer schreibt dann, nicht verdient, Skandal, warum nicht Setz, „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ war doch toll, fast so gut wie sein „Viertelstunde zwischen Hund und Cembalo“ oder was er dann, also echt, der Jury hat doch keine Ahnung, aber, was will man von einer Leiche schon erwarten usw. etc…………!!!!

Anmerkung: Bücher, die erst nach dem 01.10.2015 eingereicht werden, können nicht mehr berücksichtigt werden.

In Vorbereitung auf Orakel Hund

Die Fragen hören nie auf. Die Angst dabei, dass irgendwann die Antworten nicht mehr mitziehen wollen. Und das lange vorher schon. Hinzu kommt bei dem Ausblick die wachsende Unruhe, es wird mir wieder und wieder eine Frage gestellt und es werden immer mehr und da sind die, die sie stellen, die meinen, ich hätte eine Antwort darauf, EINE EINZIGE ANTWORT, nicht etwa nach Lust, Laune und geistiger Frische zahlreiche, eine spritziger und witziger als die andere, mit jedem Tag anders ausfallend, sondern eben nur die, die alles sagt und das gut genug, dass sie dem, der die Frage gestellt hat, in dem, was er meint bzw. sich vorstellt, bestätigt oder endgültig widerlegt, zumindest aber eine Leerstelle füllt, einen (winzigen) Mosaikstein hinzufügt.

Jede gute Frage, bevor sie gestellt wird, kennt mindestens schon eine gute Antwort. Die wird nicht gleich auf Moderatorenkarten stehen.

Und nun also die nächsten elf, von einem Fragesteller, kein einfacher Beckmann, und so werde ich nicht kommen können mit Geburtsdatum, Geburtsort und meiner Lieblingsfarbe, die im Übrigen Blau sein wird, falls ein anderer Jemand fragen sollte. Dieser jetzt hier fragt als einer, der allzu von dort um die Ecke herkommt, als dass ich das in meinen Antworten unberücksichtigt lassen könnte. Und weil ich es nicht ohne Rücksichtnahme könnte, erlaube ich mir den Trick, das ganze Paket an Fragen zu vereinnahmen, als wären es meine eigenen, schon lange so dringlich, mich doch einmal von ihnen in eine Konfrontation mit meinem Selbst versetzen zu lassen.

Hiermit wäre Herr Belysnächte, ein mir bei allem Hakenschlagen sehr erholsamer Beiträger, freigestellt und könnte sich wieder um seine Ecken kümmern, ohne glauben zu müssen, in meinen Antworten eine Verpflichtung zu sehen, ihnen mit Entgegnung zu begegnen, was bei den zu erwartenden Ecken und fremd anmutenden, allerdings zu keinem Zeitpunkt beliebigen Assoziationen, die er mir bei Lust anbieten würde zu einem sehr ausufernden Gespräch führen könnte, wobei wir vielleicht den ein oder anderen Verstand verlieren nicht umhin könnten, Gefahr zu laufen. Das ist so mit Ecken: je mehr es werden, umso schwieriger bisweilen, zum Ausgangspunkt mit dem Klingelschild für den eigenen Namen zurückzufinden. Ich war ein Schlüsselkind und kannte den Heimweg. Bei einer Mutter wie Belysnächte wäre ich wohl ausgesetzt in einem Dickicht von fabelhaften Mehrfachdeutigkeiten. Und wäre ich dann rechtzeitig zum Mittagessen zu Hause gewesen? Das ja, nur an welchem Tag, in welchem Jahr?

Nun denn, es sind jetzt meine Fragen, enteignet. Und ich kann machen damit, was gefällt. Damit ist mir möglich, zu behaupten, die abgegebene Antwort ist auch die vom Fragesteller vorausgesetzte. Es deckt sich so praktisch.

Ich will nun den Umschlag öffnen:

1. Würde es sie sehr verwirren, wenn nach dem Buchstaben H plötzlich eine Zahl auftauchen würde?

Dass ich mich sieze, ist mir zwar neu. Aber ja, warum nicht vornehm sich selbst gegenüber. Was die Verwirrung angeht, so glaube ich nicht, dass sie eintreten würde. Zu lange schon bin ich auf den Tag vorbereitet, an dem das passieren sollte. Ich kann wohl sagen, mein inneres Gleichgewicht würde eine solche Unordnung verkraften. Was den umgekehrten Fall betrifft, bin ich mir da weniger sicher.

2. Was denken Sie gerade?

Und wieder sieze ich mich. Bin ich mir etwa weniger vertraut, als gedacht? Oh, das ist es dann auch wohl, was ich bei dieser Frage denke. Vielleicht werde ich zum Schluss dieselbe Frage noch einmal beantworten wollen, nur um dann -hoffentlich- feststellen zu können, überhaupt noch zu denken.

3 Mögen Sie die Dritte Frage?

Wenn es eine dritte Frage ist, so kann ich sie über Nacht in ein Glas legen und am nächsten Morgen wäre sie keimfrei. Ich könnte mir eine solche dritte Frage in den und aus dem Mund nehmen, wie mir danach wäre. Alle anderen Fragen haben leider die Neigung, sich aufzudrängen und loszuplappern. So dritte Fragen könnte man dagegen ganz bequem in einem Döschen mit sich herumtragen. Da bleibt man Herr über wenigstens diese eine dritte Frage.

P.S. Das Sie habe ich bemerkt. Es beunruhigt mich mehr und mehr.

4. Wenn Sie im Regen stehen, was denken Sie?

Das ist wetterabhängig.

(Zweimal Sie. Da will einer einen Abstand betonen, von dem ich glaubte, es gäbe ihn nicht.

5. Stellen Sie sich vor, sie hätten einen Koffer mit Gedichten von Hans-Jürgen Hilbig gefunden, was tun Sie?

Hat die Polizei vor solchen Koffern nicht gewarnt. Ist ein Koffer voll von Gedichten etwa weniger gefährlich? Jedenfalls wäre ich sehr vorsichtig. Nicht, dass mir die gesamte Lyrik den Kopf abreißt. Wenn sie gut ist, kann sie das. Und das Herz zerfetzen.

(Das Sie bemerke ich weiterhin, hier sogar dreifach. Ist das vertrauliche Du bei Fragen der Selbsterkenntnis gar nicht das Angemessene? Neigt man dabei zu Kumpanei mit sich selbst, zu Durchlässigkeit und Gewährenlassen?)

6. Mögen Sie Carolin Kebekus? Und wenn nein, warum nicht?

Ich mochte schon Carolin Rrreiberrrr. Diese Schwäche für Carolinen war mir seit jeher unbegreiflich. Danke, dass ich mir hier die Möglichkeit gegeben habe, mich zu outen. Man kommt sonst so selten dazu.

(Dann stehen Ich und Ich als Fremde gegenüber oder doch zumindest in einem ernsthaften Gespräch befindlich und nicht händchenhaltend.)

7. Stehen Sie oft rum, haben eine Idee, aber keinen Korb, um sie hineinzulegen?

Zu eines Herrn Hund Grundausrüstung gehört immer ein Körbchen, gerade um solches Spiel- und Beißzeug, das Herr Hund für Ideen halten würde, darin zu verwahren. Zumindest solange, bis ein Herr Hund sich einen großen Garten leisten kann, um diese Ideen darin zu verbuddeln.

(Das mit dem Abstand halten zu sich selbst scheint mir wirklich praktisch. Ich versuche nur, ihn nicht zu groß werden zu lassen; ich würde mir immer verschwommener vorkommen, um dann gänzlich in Unschärfe zu verschwinden.)

8: Lieblingsbuch nennen!

Da kommt dann doch so eine Lieblingsfarben-Frage und dabei nicht einmal ausformuliert. Ich will sie dennoch so beantworten, wie ich sie verstehe: Marcel Proust – À la recherche du temps perdu (in der Übersetzung, gotteslästerliche Scheiße, verdamm mich!). Die Lektüre dieses Werks nur in Dosen.Es gibt nur das eine.

(Hier war kein Sie. In diesem Fall, bei Proust, bin ich bei mir selbst. Hier ist Abstand nicht möglich. Nennt es Liebe)

9. Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?

Von hier aus nicht. Nur als ich dort gewesen bin. Die viel wichtigere Frage, die ich mir hätte stellen sollen: Warum sind Sie nicht geblieben? Weil jeder Traum auch einen Tag kennt.

(Nicht weit weg von Proust ist auch das Gefühl, das ich dieser Stadt entgegenbringe. Hier hätte das Sie wegbleiben können.)

10. Was halten Sie von der Frager Zehn?

Der Frager erschöpft sich und wird fahrig. Er wollte wissen, was ich von der „Prager Zehn“ halte? Nun, ich bin nicht so vertraut mit dem Nahverkerkehr der tschechischen Hauptstadt, doch bei allem, was man hört, soll sie pünktlich fahren und auch recht komfortabel sein. Mehr weiß ich wirklich nicht. Sollte Jemand behaupten, das wäre eine Widerstandszelle während des Prager Frühlings gewesen sein, wahrscheinlich….

(Das Fahrige der Frage deutet darauf hin, dass man nicht zu lange Abstand halten sollte mit sich selbst. Selbstreflexion schön und gut, doch spätestens zum Abendbrot sollte man wieder zurück sein.)

11. Dürfen Sie auch beantworten.

Das ist von mir selbst ausgesprochen lieb, mir die Entscheidung zu überlassen. Ich nehme, da mein Bauch die älteren Rechte hat, von einer ausführlicheren Antwort zu diesem Zeitpunkt Abstand. Vielleicht komme ich darauf zurück. Auf mich wartet eine Stulle.

(Wir sind einander wieder lieb, kein Sie bleibt zurück)

Bezugnehmend auf Frage Zwei, die jetzt die Zwölf wäre, kann ich nur noch hinzufügen: da bin ich mir gar nicht mehr so sicher.

 

Von der Messe (3/3,5): Faulkner, Proust und Happy Hour

Literatur ist Rausch. Ist es das nicht, ist es keine Literatur. So viel zur Tautologie.

Der Presseausweis hing dem, der Herr Hund ist, ein wenig ärmlich und traurig weiter um den Hals. In der Ernüchterung, die eingesetzt hatte, ein unwesentliches Detail. Bevor es ihm zu Kopf stieg, die Literatur, kam dem zuvor der Kater. Es hätten Dosen von Ravioli sein können, Tiefkühllasagne, Universalreiniger, der Supermarkt um die Ecke also und ich/er mit dem Einkaufswagen durch die Gänge, die Erhebung des Geistes wäre hier wie dort nicht unbedingt zwangsläufig.

Literatur fängt mit einem Rausch an, sollte sie. Und dann wird sie gedruckt und kommt in die Regale.

Würde man die Liebe bei einer Erotikmesse suchen? Ich weiß es sicher, Herr Hund und auch ich, lieben die Literatur. Keiner soll sagen, Liebe setzt Verständnis voraus. In den wenigsten Fällen tut sie das. Oft sogar endet sie damit, wenn es dann auch wie Un-Verständnis daherkommt. In diesem Wie-sag-ich-es-ihr und Wie-kann-ich-mich-ihr-nähern so tollpatschig und ängstlich, jedesmal. Am besten gar nichts sagen, gar nichts tun und aus der Ferne, in seinem Zimmer. Heimlich. Jetzt dieser öffentliche Ort. So viele Verlockungen. Und Nebenbuhler. Konkurrenten.

Literatur ist Liebe. Eine Möglichkeit, die sich zufällig aus der Alliteration ergibt. Beides ist aber Rausch. Darin stimmen beide überein.

Wie übermütig ist man im Rausch. Wie töricht so oft. Unzurechnungsfähig? Verminderte Schuld? Vielleicht. Wenn es nicht Bücher, sondern Alkoholika gewesen wären, es wäre eine Warnung ausgesprochen worden. Ich blieb nüchtern, seltsam eingeschüchtert. Und wie nah beieinander war da auch der Impuls, nur weg. Ich hätte mich unter den Augen der Anderen nicht berauschen wollen. Ich hätte mich geschämt.

Wenn Literatur diese Liebe ist, ist sie intim. Ein kleiner Kreis von Zwei, die nicht gestört werden wollen.

Und wenn ich die Literatur der Berauschten lese, ist da immer auch das Gefühl von Intimität dabei, eine, bei der ich der Eindringling bin und die ich auch nie werde ganz verstehen können. Man kann Liebende niemals verstehen, sofern es den Rausch betrifft. Es gibt Literatur und wahrscheinlich könnte ich wirklich ganz vernünftig über sie sprechen, doch bleibt mir ein Kern auf ewig verschlossen. Mir geht es so mit Faulkner. Mir geht es so mit Proust. Mir geht es so mit ein paar Anderen. Und bei diesen ist es diese mich reizende Verschlossenheit, hinter der nicht die großen Wahrheiten stehen müssen, die mich aber immer wieder so sehr in einen Rausch versetzen kann, von dem ich glauben möchte, sie hätten dasselbe erfahren, als sie diese Literatur verfassten. Als hätten sie für mich….Nein, sicher nicht. Es ist ein Rausch, wie gesagt. Da denkt man manchmal solche Dinge.

Wenn Literatur wie Liebe ein Rausch ist, so wird die Nüchternheit folgen. Und sollte es wahrscheinlich auch. Niemand kann ewig im Rausch sein, ewig verliebt, ewig nur zu zweit.

Ein Aspekt von mir fand sich in dieser anderen Nüchternheit einfach nicht zurecht. Und wenn es mir etwas hätte geben können, so hätte ich die Happy Hours, die jeden Tag zur selben Zeit stattfanden, des Rausches zuliebe, in Anspruch genommen, als Aufputschmittel, um hinter den Büchern möglicherweise doch noch Literatur zu finden. Wahrscheinlich aber rede ich mir da nur etwas ein. Ich habe dieser Versuchung nicht nachgegeben.