In Vorbereitung auf Orakel Hund

Die Fragen hören nie auf. Die Angst dabei, dass irgendwann die Antworten nicht mehr mitziehen wollen. Und das lange vorher schon. Hinzu kommt bei dem Ausblick die wachsende Unruhe, es wird mir wieder und wieder eine Frage gestellt und es werden immer mehr und da sind die, die sie stellen, die meinen, ich hätte eine Antwort darauf, EINE EINZIGE ANTWORT, nicht etwa nach Lust, Laune und geistiger Frische zahlreiche, eine spritziger und witziger als die andere, mit jedem Tag anders ausfallend, sondern eben nur die, die alles sagt und das gut genug, dass sie dem, der die Frage gestellt hat, in dem, was er meint bzw. sich vorstellt, bestätigt oder endgültig widerlegt, zumindest aber eine Leerstelle füllt, einen (winzigen) Mosaikstein hinzufügt.

Jede gute Frage, bevor sie gestellt wird, kennt mindestens schon eine gute Antwort. Die wird nicht gleich auf Moderatorenkarten stehen.

Und nun also die nächsten elf, von einem Fragesteller, kein einfacher Beckmann, und so werde ich nicht kommen können mit Geburtsdatum, Geburtsort und meiner Lieblingsfarbe, die im Übrigen Blau sein wird, falls ein anderer Jemand fragen sollte. Dieser jetzt hier fragt als einer, der allzu von dort um die Ecke herkommt, als dass ich das in meinen Antworten unberücksichtigt lassen könnte. Und weil ich es nicht ohne Rücksichtnahme könnte, erlaube ich mir den Trick, das ganze Paket an Fragen zu vereinnahmen, als wären es meine eigenen, schon lange so dringlich, mich doch einmal von ihnen in eine Konfrontation mit meinem Selbst versetzen zu lassen.

Hiermit wäre Herr Belysnächte, ein mir bei allem Hakenschlagen sehr erholsamer Beiträger, freigestellt und könnte sich wieder um seine Ecken kümmern, ohne glauben zu müssen, in meinen Antworten eine Verpflichtung zu sehen, ihnen mit Entgegnung zu begegnen, was bei den zu erwartenden Ecken und fremd anmutenden, allerdings zu keinem Zeitpunkt beliebigen Assoziationen, die er mir bei Lust anbieten würde zu einem sehr ausufernden Gespräch führen könnte, wobei wir vielleicht den ein oder anderen Verstand verlieren nicht umhin könnten, Gefahr zu laufen. Das ist so mit Ecken: je mehr es werden, umso schwieriger bisweilen, zum Ausgangspunkt mit dem Klingelschild für den eigenen Namen zurückzufinden. Ich war ein Schlüsselkind und kannte den Heimweg. Bei einer Mutter wie Belysnächte wäre ich wohl ausgesetzt in einem Dickicht von fabelhaften Mehrfachdeutigkeiten. Und wäre ich dann rechtzeitig zum Mittagessen zu Hause gewesen? Das ja, nur an welchem Tag, in welchem Jahr?

Nun denn, es sind jetzt meine Fragen, enteignet. Und ich kann machen damit, was gefällt. Damit ist mir möglich, zu behaupten, die abgegebene Antwort ist auch die vom Fragesteller vorausgesetzte. Es deckt sich so praktisch.

Ich will nun den Umschlag öffnen:

1. Würde es sie sehr verwirren, wenn nach dem Buchstaben H plötzlich eine Zahl auftauchen würde?

Dass ich mich sieze, ist mir zwar neu. Aber ja, warum nicht vornehm sich selbst gegenüber. Was die Verwirrung angeht, so glaube ich nicht, dass sie eintreten würde. Zu lange schon bin ich auf den Tag vorbereitet, an dem das passieren sollte. Ich kann wohl sagen, mein inneres Gleichgewicht würde eine solche Unordnung verkraften. Was den umgekehrten Fall betrifft, bin ich mir da weniger sicher.

2. Was denken Sie gerade?

Und wieder sieze ich mich. Bin ich mir etwa weniger vertraut, als gedacht? Oh, das ist es dann auch wohl, was ich bei dieser Frage denke. Vielleicht werde ich zum Schluss dieselbe Frage noch einmal beantworten wollen, nur um dann -hoffentlich- feststellen zu können, überhaupt noch zu denken.

3 Mögen Sie die Dritte Frage?

Wenn es eine dritte Frage ist, so kann ich sie über Nacht in ein Glas legen und am nächsten Morgen wäre sie keimfrei. Ich könnte mir eine solche dritte Frage in den und aus dem Mund nehmen, wie mir danach wäre. Alle anderen Fragen haben leider die Neigung, sich aufzudrängen und loszuplappern. So dritte Fragen könnte man dagegen ganz bequem in einem Döschen mit sich herumtragen. Da bleibt man Herr über wenigstens diese eine dritte Frage.

P.S. Das Sie habe ich bemerkt. Es beunruhigt mich mehr und mehr.

4. Wenn Sie im Regen stehen, was denken Sie?

Das ist wetterabhängig.

(Zweimal Sie. Da will einer einen Abstand betonen, von dem ich glaubte, es gäbe ihn nicht.

5. Stellen Sie sich vor, sie hätten einen Koffer mit Gedichten von Hans-Jürgen Hilbig gefunden, was tun Sie?

Hat die Polizei vor solchen Koffern nicht gewarnt. Ist ein Koffer voll von Gedichten etwa weniger gefährlich? Jedenfalls wäre ich sehr vorsichtig. Nicht, dass mir die gesamte Lyrik den Kopf abreißt. Wenn sie gut ist, kann sie das. Und das Herz zerfetzen.

(Das Sie bemerke ich weiterhin, hier sogar dreifach. Ist das vertrauliche Du bei Fragen der Selbsterkenntnis gar nicht das Angemessene? Neigt man dabei zu Kumpanei mit sich selbst, zu Durchlässigkeit und Gewährenlassen?)

6. Mögen Sie Carolin Kebekus? Und wenn nein, warum nicht?

Ich mochte schon Carolin Rrreiberrrr. Diese Schwäche für Carolinen war mir seit jeher unbegreiflich. Danke, dass ich mir hier die Möglichkeit gegeben habe, mich zu outen. Man kommt sonst so selten dazu.

(Dann stehen Ich und Ich als Fremde gegenüber oder doch zumindest in einem ernsthaften Gespräch befindlich und nicht händchenhaltend.)

7. Stehen Sie oft rum, haben eine Idee, aber keinen Korb, um sie hineinzulegen?

Zu eines Herrn Hund Grundausrüstung gehört immer ein Körbchen, gerade um solches Spiel- und Beißzeug, das Herr Hund für Ideen halten würde, darin zu verwahren. Zumindest solange, bis ein Herr Hund sich einen großen Garten leisten kann, um diese Ideen darin zu verbuddeln.

(Das mit dem Abstand halten zu sich selbst scheint mir wirklich praktisch. Ich versuche nur, ihn nicht zu groß werden zu lassen; ich würde mir immer verschwommener vorkommen, um dann gänzlich in Unschärfe zu verschwinden.)

8: Lieblingsbuch nennen!

Da kommt dann doch so eine Lieblingsfarben-Frage und dabei nicht einmal ausformuliert. Ich will sie dennoch so beantworten, wie ich sie verstehe: Marcel Proust – À la recherche du temps perdu (in der Übersetzung, gotteslästerliche Scheiße, verdamm mich!). Die Lektüre dieses Werks nur in Dosen.Es gibt nur das eine.

(Hier war kein Sie. In diesem Fall, bei Proust, bin ich bei mir selbst. Hier ist Abstand nicht möglich. Nennt es Liebe)

9. Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?

Von hier aus nicht. Nur als ich dort gewesen bin. Die viel wichtigere Frage, die ich mir hätte stellen sollen: Warum sind Sie nicht geblieben? Weil jeder Traum auch einen Tag kennt.

(Nicht weit weg von Proust ist auch das Gefühl, das ich dieser Stadt entgegenbringe. Hier hätte das Sie wegbleiben können.)

10. Was halten Sie von der Frager Zehn?

Der Frager erschöpft sich und wird fahrig. Er wollte wissen, was ich von der „Prager Zehn“ halte? Nun, ich bin nicht so vertraut mit dem Nahverkerkehr der tschechischen Hauptstadt, doch bei allem, was man hört, soll sie pünktlich fahren und auch recht komfortabel sein. Mehr weiß ich wirklich nicht. Sollte Jemand behaupten, das wäre eine Widerstandszelle während des Prager Frühlings gewesen sein, wahrscheinlich….

(Das Fahrige der Frage deutet darauf hin, dass man nicht zu lange Abstand halten sollte mit sich selbst. Selbstreflexion schön und gut, doch spätestens zum Abendbrot sollte man wieder zurück sein.)

11. Dürfen Sie auch beantworten.

Das ist von mir selbst ausgesprochen lieb, mir die Entscheidung zu überlassen. Ich nehme, da mein Bauch die älteren Rechte hat, von einer ausführlicheren Antwort zu diesem Zeitpunkt Abstand. Vielleicht komme ich darauf zurück. Auf mich wartet eine Stulle.

(Wir sind einander wieder lieb, kein Sie bleibt zurück)

Bezugnehmend auf Frage Zwei, die jetzt die Zwölf wäre, kann ich nur noch hinzufügen: da bin ich mir gar nicht mehr so sicher.

 

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Von der Messe (3/3,5): Faulkner, Proust und Happy Hour

Literatur ist Rausch. Ist es das nicht, ist es keine Literatur. So viel zur Tautologie.

Der Presseausweis hing dem, der Herr Hund ist, ein wenig ärmlich und traurig weiter um den Hals. In der Ernüchterung, die eingesetzt hatte, ein unwesentliches Detail. Bevor es ihm zu Kopf stieg, die Literatur, kam dem zuvor der Kater. Es hätten Dosen von Ravioli sein können, Tiefkühllasagne, Universalreiniger, der Supermarkt um die Ecke also und ich/er mit dem Einkaufswagen durch die Gänge, die Erhebung des Geistes wäre hier wie dort nicht unbedingt zwangsläufig.

Literatur fängt mit einem Rausch an, sollte sie. Und dann wird sie gedruckt und kommt in die Regale.

Würde man die Liebe bei einer Erotikmesse suchen? Ich weiß es sicher, Herr Hund und auch ich, lieben die Literatur. Keiner soll sagen, Liebe setzt Verständnis voraus. In den wenigsten Fällen tut sie das. Oft sogar endet sie damit, wenn es dann auch wie Un-Verständnis daherkommt. In diesem Wie-sag-ich-es-ihr und Wie-kann-ich-mich-ihr-nähern so tollpatschig und ängstlich, jedesmal. Am besten gar nichts sagen, gar nichts tun und aus der Ferne, in seinem Zimmer. Heimlich. Jetzt dieser öffentliche Ort. So viele Verlockungen. Und Nebenbuhler. Konkurrenten.

Literatur ist Liebe. Eine Möglichkeit, die sich zufällig aus der Alliteration ergibt. Beides ist aber Rausch. Darin stimmen beide überein.

Wie übermütig ist man im Rausch. Wie töricht so oft. Unzurechnungsfähig? Verminderte Schuld? Vielleicht. Wenn es nicht Bücher, sondern Alkoholika gewesen wären, es wäre eine Warnung ausgesprochen worden. Ich blieb nüchtern, seltsam eingeschüchtert. Und wie nah beieinander war da auch der Impuls, nur weg. Ich hätte mich unter den Augen der Anderen nicht berauschen wollen. Ich hätte mich geschämt.

Wenn Literatur diese Liebe ist, ist sie intim. Ein kleiner Kreis von Zwei, die nicht gestört werden wollen.

Und wenn ich die Literatur der Berauschten lese, ist da immer auch das Gefühl von Intimität dabei, eine, bei der ich der Eindringling bin und die ich auch nie werde ganz verstehen können. Man kann Liebende niemals verstehen, sofern es den Rausch betrifft. Es gibt Literatur und wahrscheinlich könnte ich wirklich ganz vernünftig über sie sprechen, doch bleibt mir ein Kern auf ewig verschlossen. Mir geht es so mit Faulkner. Mir geht es so mit Proust. Mir geht es so mit ein paar Anderen. Und bei diesen ist es diese mich reizende Verschlossenheit, hinter der nicht die großen Wahrheiten stehen müssen, die mich aber immer wieder so sehr in einen Rausch versetzen kann, von dem ich glauben möchte, sie hätten dasselbe erfahren, als sie diese Literatur verfassten. Als hätten sie für mich….Nein, sicher nicht. Es ist ein Rausch, wie gesagt. Da denkt man manchmal solche Dinge.

Wenn Literatur wie Liebe ein Rausch ist, so wird die Nüchternheit folgen. Und sollte es wahrscheinlich auch. Niemand kann ewig im Rausch sein, ewig verliebt, ewig nur zu zweit.

Ein Aspekt von mir fand sich in dieser anderen Nüchternheit einfach nicht zurecht. Und wenn es mir etwas hätte geben können, so hätte ich die Happy Hours, die jeden Tag zur selben Zeit stattfanden, des Rausches zuliebe, in Anspruch genommen, als Aufputschmittel, um hinter den Büchern möglicherweise doch noch Literatur zu finden. Wahrscheinlich aber rede ich mir da nur etwas ein. Ich habe dieser Versuchung nicht nachgegeben.

 

 

Platz ist in der kleinsten Idee

Anschließender Film, Inspiration, letztlich ein klein wenig anders.

Produktionsaufwand und die Menge an Komparsen. Es wurde nichts. Ich hatte es mir so schön gedacht. Nun gut.

Für den Moment aber ganz zufrieden mit dem Erreichten und Fertiggestellten (ich durfte die Requisiten aufessen, außer den Hunden), sollen jetzt noch möglichst viele Fans gefunden werden, die in unsere kleine, wohlige Idee passen, je mehr, umso besser. Und ja, man darf auch jemanden mitbringen:

https://www.startnext.de/fraeulein-schneefeld-herr-hund

Das „Fanwerden“ ist frei (die Registrierung nur eine Formalität)……nur vor dem Eintritt Schuhe ausziehen, die Idee hat einen ganz neuen Teppich. Frische Socken setze ich voraus.

Beantwortung von 11 + 11 Fragen

Gerade als mein Anwalt abgeflogen ist in den wohlverdienten Urlaub -So viel Arbeit mit mir-, werde ich mit 11 + 11 äußerst heiklen Fragen konfrontiert. Wie riskant so ein Unternehmen ohne juristischen Beistand? Ich las andere Beiträger werden/wurden auch gefragt, wie mutig/tollkühn dieser und wie vorsichtig/vernünftig jener, der nicht antworten wollte. Nun, ich habe 1,5 Tage gebraucht um meine Vernunft und Vorsicht geknebelt und gefesselt zu beruhigen und jetzt, in völliger Ahnungslosigkeit und lange vor Ablauf des Badeurlaubs (hauptsächlich durch mich finanziert) setze ich mich daran, ehrlich, offen und nicht einmal sturzbetrunken Wahrheit zu sprechen, So ist Herr Hund:

1. Wofür lohnt es sich, jeden Tag aufzustehen?
Im Besitz einer schwachen Blase erübrigt sich fast die Frage, oder?
1. Was ist dein Lieblingszitat?
„Herr Hund, nur Du konntest uns alle retten!“ (Vielleicht wird jemand alt genug, das in den Wikipedien (alt: Enzyklopädien) nachzuschlagen.
2.Wenn du für ein, zwei Tage ein Tier sein könntest, was für eines wärst du gern?
Offensichtliches muss ich nicht beantworten, gell?
2. Wenn du den Rest deines Lebens entweder nach Moschus oder nach Lasagne riechen müsstest, was würdest du nehmen?
Wenn es keine Lasagne vom Discounter ist. Aber auf welchem Weg wäre die Lasagne konserviert? Sind da Pilze dabei? Welcher Käse? Seh schon, die Frage lässt selbst zu viele Fragen offen. Zur Lasagne wäre wahrscheinlich ganz gut gewesen, ein Rezept anzuhängen. Ziehe ich deswegen Moschus in Betracht? Nein.
3.Hast du einen Traum, den du dir noch unbedingt erfüllen willst? Wenn ja, welchen?
Enthaltung, da ich versucht sein könnte, Werbung zu machen.
3. Wie würden Stühle aussehen, wenn wir die Knie hinten hätten?
Wie müssten Toiletten aussehen, wäre die Frage.
4.Wovon besitzt du am meisten? Bücher, Musik oder Filme?
Bei nur zehn Fingern, schwer zu sagen.
4. Was ist das Erfolgskonzept für deinen Blog?
Erst dachte ich die Ankündigung von Nacktfotos. Die habe ich allerdings versäumt, also, ich weiß es nicht.
5.Hat sich durch deinen Blog etwas in deinem Leben verändert?
Der Größenwahnsinnige in mir fände es viel interessanter, zu erfahren, ob sich durch meinen Blog das Leben seiner Leser verändert hat. Der Vorsichtige in mir stellt diese Frage lieber nicht, sie könnte Gelächter hervorrufen.
5. Wieso hast du den Blog gestartet?
Ich war jung und hatte für Anderes nicht den richtigen Körper.
6. Was findet sich immer bei dir im Kühlschrank?
Moment, da schau ich kurz………mmmmmmmpppppppffffff……wie war nochmal die Frage?
6. Fernsehen oder Buch?
Wenn nichts mehr im Kühlschrank wäre? Wahrscheinlich das Buch.
7.Schlag das nächste Buch in Reichweite auf Seite 37 auf und poste den dritten Satz. (Und sag bitte, was das für ein Buch ist.)
……mmmmmmmpppfffffff…….uuuups!?
7. Was tust du bei Motivationsflaute?
Ich setz mir meine Fellohrmütze auf.
8.Gibt es für dich eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens?
Die Frage nicht zu stellen.
8. Wohin reist du am Liebsten?
In die Zukunft. Oder vergangenheit. Oder einmal um die Gegenwart herum.
9. Wer ist deine Lieblings-Filmfigur (ODER -Buchfigur) und warum?
Der Joker. Das Warum gibt mir zu denken.
9. Welcher Schokoladensorte kannst du nicht widerstehen?
Kartoffelchips. Jedem dankbar, der Fräulein Schneefeld das nicht verrät.
10. Was isst du NICHT?
Fernsehgeräte. Das hatte ich doch bereits beantwortet.
10. Was ist deine witzigste Schulgeschichte?
Meine Schulnoten.
11. Wofür hättest du gern mehr Zeit?
Für den Weg vom Bett zur Toilette.
11. Nerven dich Nominierungen?
Es ist die letzte Frage, Erleichterung macht sich breit, die Anspannung löst sich. Kurz: jetzt nicht mehr.
(Doch einmal, nominiert für das Bikinimodel des Jahres. Da hat mich allerdings nur genervt, nicht ins Finale der letzten 500 gekommen zu sein. Ansonsten sehe ich das locker)

Durch. Die Antworten waren umsonst/kostenlos/gratis. Waren Sie auch erleuchtend und hilfreich?

(Für sachdienliche Hinweise, die zu einer Erleuchtung führen könnten, wenden Sie sich bitte an meine Interpreten. Die tun mir jetzt schon leid.)

 

Von der Messe (2/3,5): Ma(i)nhattan

Orientierung ist eine feine Sache. Im Wald und in den Bergen, an manchem Rindvieh vorbei, abseits markierter Wege und dieseits der Irrwege fand ich immer, auch mal auf allen Vieren, durch die Wetter hindurch, Gamaschen an den Beinen, die Schuhe fest verschnürt, verschmutzt alles und die Finger, letztlich abends meine Pension, am Morgen verlassen, Hunger und Appetit wohl verdient. Ja, ich habe dieses Verlaufen genossen, ein ganz klein wenig eine Angst im Gepäck.

Nun die Messe, ich bin nicht allein unterwegs diesmal; Marcel mein Gefährte. Es ist eine wetterfreie Zone. Die Wege sind  gerade und ja, es hat zahlreiche Wegmarken, E107, K044, A012, M087, Halle 4.1, Halle 3.0, literarischer Salon hier, Forum da, ein blaues Sofa (nicht zum Verweilen und Ausruhen). Es hat sie also und dennoch, ich fühle Verlorenheit, keine erhebende wie in der Natur.
Das Alphabet als Ordnungsprinzip, Manhattan, die geraden Wege, ich gehe folgerichtig vor, von A vorwärts oder vom letzten Buchstaben rückwärts der Reihe nach die Gänge hindurch, entlang, diese in den Zahlen auf- oder absteigend. Das funktioniert etwa drei Reihen lang gut, dann weiß ich nicht mehr, wo ich bin. Bei einem der Stände, einem Durchgang, einer der Foren- und Lesungsinseln verweile ich für Momente, entdecke ein Buch, glaube, einen Vortrag interessant finden zu müssen und weiß anschließend nicht mehr, aus welcher Richtung ich gekommen bin. Ich laufe letztendlich im Kreis, in Achten, komme immer wieder an denselben Stellen vorbei, ohne sie aber gleich als solche, die ich schon hätte kennen sollen, zu erkennen. Meine Methode trotz der geometrisch einleuchtenden Vorgabe, hilft mir nicht weiter.

Für solch einen Fall müssen Termine erfunden worden sein. Wenn man weiß, zu einer bestimmten Zeit ist man verabredet, Halle 3.1 C066, mit Herrn oder Frau Mustermann, findet sich leichter ein Weg. Und ich sehe an den Ständen die reservierten Tische, für Vertrieb/Presse/Autoren; selbst aber habe ich keine Termine, die ich als Koordinaten hätte installieren können.

Ich zerstreue mich und weiß lange Zeit nicht, wie mich bewegen.

Denn ich hatte ja einen guten Grund, hier zu sein. Und wollte hier sein. Ich wollte es genießen. Herr Hund der Relevante, Herr Hund der Geschäftstüchtige und vergaß dabei, ich bin hier kein Herr Hund, auch wenn es so auf dem Presseausweis steht. Das ist nicht Herrn Hunds Welt. In Herrn Hunds Welt hätte Marcel nicht in der Tasche bleiben müssen. Alles wäre ein wenig langsamer und der Nase nach und mehr wie im Wald und auf allen Vieren. Ich denke, derjenige in mir, der Herr Hund ist, sucht nicht und hat keine Termine, er nimmt sich, was er findet und findet abends nach Hause.

Für mich, der ich Herr Hund bin, hat das, was hier gesucht wird von Menschen mit Terminen, die Dinge zwischen den Buchdeckeln, viel eher mit planlosem Finden zu tun, ohne dass man vordergründig die Absicht gehabt hätte, etwas (?) zu suchen zu haben. Für einen Herrn Hund wie mich ist das, was Literatur genannt wird, zweierlei, ein wenig Irrweg, dass man dabei bisweilen gerade eben vor einem Abgrund zum Stehen kommen kann und zurückschreckt vom Hinunterschauen, die kleine Angst. Und Literatur hat es nicht eilig, ist vielleicht noch nicht mal aktuell. Nicht, dass sie von gestern und immer nur hinterher wäre. Sie funktioniert nur nicht nach Schlagworten, Hinweisschildern und Terminen.

Ich weiß, ich rede hier nur meine eigenen Schwächen schön. Dass ich nicht auf dem Laufenden bin und vieles ganz Wichtige noch nicht gelesen habe, ich vieles vergesse, ganz anders verstehe und sowieso nicht dazu tauge, akademisch oder feuilletonistisch mitzureden. Ich liebe das zwischen den Deckeln und finde vieles darin, ohne Kenntnis darüber, wie ich zu suchen hätte und bei der Lektüre, langsam wie immer, weist Manches über die Deckel hinaus und auf andere Dinge (in mir selbst). Nichts davon jemals in gerader Linie.

Zeit spielt keine Rolle.

Literatur ist ein wenig Traum, ein wenig Flanieren, ein wenig Zerstreuung und ein wenig Angst.

Doch abgesehen davon konnte ich den ein oder anderen Termin dennoch wahrnehmen und fand mich auch letztlich zurecht und wieder hinaus. Nicht immer bin ich Herr Hund. Wenn ich es auch gern wäre.