Joshua Groß, Hannah Gebauer / Faunenschnitt / Starfruit

Ich würde mich durchaus gewählter ausdrücken können, wahrscheinlich, aber um’s passend zu sagen, geil, das Buch ist einfach geil, mit ein wenig Polemik, es half mir, über das blaue Buch hinwegzukommen. Angezweifelt werden darf mein Urteil allerdings schon, denn so ungefähr Seite 50 nach Ansicht der filmischen Gebrauchsanweisung wurde mir klar, ich hatte falsch geschnitten. Und wenn ich falsch geschnitten hatte, so hatte ich möglicherweise auch falsch gelesen bis dahin. Da ich aber schon dabei war, wollte ich mich bis zum Schluss des Buchs nicht mehr ändern. Ich bin ein sehr träger Leser. Rollt mein Verstand in eine Richtung, dann sind Wechsel der Richtung äußerst schwierig.

Ich rede mir ein, mit meinem Cut des Bildmaterials eine weitere Möglichkeit der Deutung geschaffen zu haben.

Dieses Buch überhaupt. Soll ich den Plot erzählen? Wem würde es helfen? Wer würde damit wissen, wohin es will mit einem. Wer weiß schon bei einer großen Schüssel Pudding, wohin sie mit einem will? Um es kurz zu machen: Schriftsteller wird von seinem Noch-Verleger um Hilfe gebeten, den Diebstahl seines Krauts aufzuklären. Es könnte alles auch nur ein Traum sein, die Logik ist danach. Und wenn es kein Traum ist, so vielleicht ein Rausch.

Unter der Oberfläche lauern mehr Möglichkeiten. Die Feigen mögen bis zu den Knöcheln im seichten Realismus dahinwaten, das ist ein Buch der Tiefe – oder der größte Schmarrn.

Es ist ein gutes Buch, um wieder bei Null anzufangen, ein literarisches Reset.

Alle meinen, sie wüssten irgendwas.

Ich komme noch gut über Straßen und kann Steuererklärungen. In zumindest literarischen Dingen fühlt es sich weniger eindeutig an. Das nächste Buch wird mit Argwohn gelesen.

Ich mag dieses Buch für seine Ambivalenzen, für den Schaum an Bedeutungen, dass ich lustvoll mich darin ergebe, nichts zu wissen oder nur so ungefähr und halb. Die Wahrheiten darin

waren tastbar, aber eigentlich waren sie unbegreiflich.

Und im Grunde ist’s um einen nicht viel anders: das Viel an Information und wir gestehen uns ungern ein, wie wenig das doch ist.

Wenn wir alle nicht mehr in der Lage sind, im diffusen Durcheinander Kausalitäten zu entdecken, wird Google es noch immer können.

Oder die fundamentalen Wahrheiten, sie finden sich in den Songtexten von Roland Kaiser. Man müsste es nur an sich heranlassen.

Die große Wirrung mit ihrer glatten Oberfläche, in der sich der Himmel spiegelt. Das beschauliche Gößl (Spielort) mit seinen Tretbooten.

Gößl existiert immerfort, überall. Außer wir verändern es.

Aber es bleibt dabei, ich hatte falsch geschnitten und deshalb vielleicht auch falsch gelesen. Dann tat ich’s aber äußerst lusterfüllt.

Großes Plus zudem: ein Hund ist mit dabei.

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Joshua Groß / Hannah Gebauer – Faunenschnitt , Starfruit

 

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Über Wände

Mein Gott, ich liebe schiefe Bilder. Aber seien wir ehrlich, im Grunde ist alles Vernünftige bereits gedacht – leider das Meiste nicht von mir.

Wenn man im Denken, in der Phantasie oder ganz real einen Raum betritt, so wird der leer sein oder nicht. Aber wie auch immer, man wird beginnen, ihn sich einzurichten. Das Wichtigste dabei zunächst wird aber sein, sich zu vergewissern, welche Wände tragen, welche nicht. Denn wenn man es nicht tut und einreißt, was besser stehengeblieben wäre, dann braucht man sich auch keine weiteren Gedanken über die Farbe der Tapete machen, ob Parkett oder Teppich oder wo Möbel sich am besten machen. Dann ist es mit einem heimischen Gefühl und einer Gemütlichkeit nicht weit bestellt. Unter Schutt ist nicht gut Gäste zu empfangen.

Ich stelle mir diesen realen Raum vor und überlege, was geht. In diesem konkreten Fall muss ich es, zum Glück, nicht alleine tun. Ich liebe schiefe Bilder, aber auch für die braucht es tragende Wände.

 

Wort-brüchig

Fein und geistreich wäre er gewesen, poetisch und gehaltvoll, dieser mein neuer Text. Nein, ich habe mir diesmal richtige Mühe gegeben. ich weiß, sonst, ja sonst gebe ich mich allzu schnell mit Albernheiten und kindischen Scherzen zufrieden. Es auszuformulieren war zu mühevoll. Es gefiel und das gefiel mir. Mit diesem Beitrag nun wollte ich mich davon befreien. Was mir wirklich wichtig ist, sollte in dem Text stehen. Mein Innerstes wollte ich darein legen. Die Spur sollte tiefer sein, dauerhafter. Und es hat Kraft gekostet. Den Ärmelkanal schwimmend zu durchqueren braucht lange nicht so viel Kraft und Energie.

Am Ende war es mir gelungen. Tatsächlich war ich das erste Mal richtig zufrieden. Ich kann es, ich habe etwas zu sagen. Und ich war guter Dinge, auch gehört zu werden. Nicht nur zu unterhalten, sondern auch verstanden zu werden, die Menschen zu berühren, etwas in Ihnen anzustoßen. Ich weiß, das sollte man nicht verlangen von einem Text. das weiß ich alles und beschreibe auch nur das Gefühl, das ich hatte, als der fertige Text vor mir lag. Damit, so dachte ich, hätte ich nun eine höhere Ebene erreicht.

Es ist wirklich schön, ohne Zweifel zu sein. Ich hatte keinen.

Und wurde dabei leichtsinnig und übersah die Warnschilder, direkt vor meinen Augen. Zu sehr im Glückstaumel mißachtete ich die Gefahr. ich hätte es wissen können, Glück, wie ich es gerade noch empfand, dauert nicht ewig. Hätte, tat ich aber nicht und wurde belehrt, von gewissen Realitäten.

TroubadixDenn ein Steinschlag hat alles vernichtet oder zumindest so unter sich begraben, dass eine Bergung schwierig ist und dauern kann. Natürlich werde ich mir Mühe geben, versuchen, das Ein oder Andere zu retten. Und doch, die Hoffnung ist gering. Die Worte waren zwar richtig gewählt und drückten genau das aus, was ich sagen wollte, aber das kümmert die Realität doch nicht. Wenn ich also wiederfinde, was ich sagen wollte, wer sagt mir, dass nicht wieder mir eine Realität die Wahrheiten zertrümmert, dass zufällige Begebenheiten, die ich nicht voraussehen konnte oder wollte, meinen Weg kreuzen, das ganze Poetische zerbröseln lässt wie einen alten Keks.

Trotzdem werde ich weiter Worte suchen, Wahrheit und sowas. Ist doch klar. Ich kann gar nicht anders. Sicher werde ich aber ein wenig mehr acht geben, manchmal nach oben schauen und auf den Weg vor mir, was um mich herum passiert. Die Gefahr minimieren. Mehr kann ich nicht tun als so gut es geht meine Worte der Realität, so unkalkulierbar sie ist, annähern, auch wenn ich weiß, dass sie das letzte Wort hat, gewichtig, wie sie ist.

Falls jemand es wissen möchte, ich selbst wurde bei dem Ganzen übrigens nicht begraben. Es waren nur meine Worte. Worte? Wie schwach bisweilen. Ein wenig Realität fällt ihnen auf den Kopf und schon liegen sie da, hilflos zertrümmert. Mein Glück, dass ich nicht nur aus Worten bestehe, sonst würde ich da jetzt liegen. Und wer wäre dann da und würde mich bergen?

Was bleibt? Dieser Text hier, lange nicht so gut, wie der, der mir erschlagen wurde. Und sein Autor, ich. Ohne Kopfschmerzen.

Selbstanzeige gegen Unbekannt – ein kurzer Anfall von Philosophie

Ich könnte Beweise vorlegen, dass es mich so nicht gibt. Noch heute morgen vor dem Badezimmerspiegel fand ich mich bestätigt. Nichts fand sich darin verändert vor. Wer ist dieser Jemand also, der sich da für mich ausgibt? Und die Sätze sagt, die mir nie in den Sinn kommen würden? Dieser Jemand ist albern und macht unaufhörlich Witze. Gäbe es mich selbst, würde ich nicht so den Hanswurst machen. Das erscheint mir unangemessen. Meine Interessen würden sich ernsteren Themen zuwenden, dem Gartenbau etwa.

Darum geht es jetzt aber nicht. Mir ist dieses Festlegen meines Selbst, das so nicht aktenkundig ist, äußerst unangenehm. Gott, ich wäre doch zumindest vorher zum Friseur gegangen. Meine Hosen sind auch ganz abgetragen. Dieses mein Recht auf verbriefte Nichtexistenz und all seine Annehmlichkeiten wurde auf das Schändlichste verletzt. Jetzt, wo dieses Individuum, das ich sein soll, mich so in Szene gesetzt hat, wie einen Kasperl („Seid ihr alle da? Ich wäre es aber gerne nicht und war es auch bestimmt nicht so“), sich die Anderen und auch ich selbst bereits ein Bild haben machen können, bin ich abgeschnitten von allem, was vorher nicht gewesen ist. Hinein nun und immer weiter so.

Kennen Sie den? So fängt nicht immer ein guter Witz an. Ich kenne ihn, der ich sein soll, nicht, auf die Pointe will ich nicht warten.

Also bei wem bin ich richtig zu einer Anzeige? Mir gleich, ob es schwierig werden wird, seiner, der ich sein soll, habhaft zu werden. Die Anzeige ist auf jeden Fall statthaft und hiermit ausgesprochen. Mir selbst gegenüber. Der nächst höheren Instanz.

(Das war jetzt vielleicht zu philosophisch. ich entschuldige es damit, dass ich das auch nicht bin. Kann sich aber noch ändern.)