Mit Titeln tue ich mich schwer und nenne es deshalb einfach Ein Wunder

Und fand am Morgen die Welt verändert vor. Noch nicht. Alles ganz wie immer. Gehe Brötchen holen, vier. Wir frühstücken zusammen, bevor ich los muss. Wurst und Marmelade, ich einen Orangensaft, sie einen Kaffee. Jeden Tag, außer samstags und sonntags. Gehe also zum Bäcker, komme wieder und finde vor der Tür einen Zettel liegen:

Das Turbinenwerk gehört nun Ihnen.

Darunter die Adresse. Es liegt auf dem Weg. Ich werde es mir anschauen. Nach dem Frühstück. Ich sage nichts, behalte das Turbinenwerk für mich. Man kann nie wissen. Es könnte ein Scherz sein. Tatsächlich, außer Nikolaus und meinem Geburtstag, bekomme ich morgens selten Geschenke. Ich will mich nicht zu früh freuen. Ich gehe, überlege, was könnte ich, wenn es wahr ist, damit anstellen. Ich hatte noch nie ein Turbinenwerk. Ich hatte mir noch nie eins gewünscht. Es sind keine zehn Minuten von zuhause. Eine Straße rechts, eine links, da sollte es sein. Es ist so.

Vor dem Turbinenwerk stehen Männer. Der mit der größten Erfahrung im Gesicht kommt auf mich zu:

Was sollen wir machen, Chef?

Ein Chef, was sagt ein Chef? Ich kenn mich da nicht aus. Ich bin ein wenig nervös. Ich überlege. Der Mann mit der Erfahrung wartet. Die Männer warten. Ich muss etwas sagen. Wenn man ein Turbinenwerk hat, muss man etwas sagen. Ich sage dann das Erste, das mir vernünftig erscheint, bleibe aber unsicher. Ich könnte mich blamieren.

Macht! Fangt an!

Der Mann mit der Erfahrung im Gesicht dreht sich um und geht zu den anderen Männern. Er sagt ihnen, was ich gesagt habe. Sie gehen ins Werk und fangen an. Ich darf gehen. Es war gar nicht so schlimm. Ich werde das Turbinenwerk behalten. Was für ein Morgen. Ein Zettel vor der Tür und plötzlich…

Doch ich weiß, alles hat zwei Seiten. Ganz besonders Zettel. Ich schau ihn mir genauer an. Auf der zweiten Seite steht:

Wenn dir nichts einfällt, schreib über das, was auf deinem Weg liegt.

Und es liegt ein Turbinenwerk auf meinem Weg. Ich besitze also gar kein Turbinenwerk. Keiner hat mir ein Turbinenwerk geschenkt. Ich bin auf meine eigene Geschichte reingefallen. Und nicht einmal gut erzählt.

Aber immerhin. Wozu Turbinenwerke gut sind.

 

Herr Hund macht Häufchen

Wenn die Zeit (genug davon) gekommen ist, mache ich Häufchen. Doch bevor der Gedankengang des Lesers dieser Zeilen ins Abartige rutscht -schämen Sie sich!-, sei er darüber einmal aufgeklärt, dass mir in Bezug auf Bücher das Wort „Häufchen“ passender erscheint, weil poetischer, als das meist verwendete Wort „Stapel“. Das klingt nach Aktenberg und Amt, nach Lagerlogistik und Supermarkt. „Häufchen“ hat dagegen etwas Natürliches an sich, etwas Verspielt-Kindliches und es lässt sich gut dabei eine Menge an Laub vorstellen, bunte Blätter, in die, zusammengebracht, man mit allergrößter Lust springen möchte – wer das noch kann und sich dessen nicht schämt.

Es bleibt vor allen Dingen unverbindlich, nichtsdestotrotz mit einem Ernst verbunden, wie man ihn nur findet, wenn man richtig zu spielen versteht.

Was mir zugegebenermaßen selbst nicht immer gelingt. Viel Kind ist in mir, ebenso aber auch ein braver deutscher Sachbearbeiter. Schön deshalb, die Freude groß, die Mühe klein, wenn ein Anderer sich meiner erbarmt und mir die Häufchen bereitet, da ich dann nur springen muss und tollen und nicht mit Vernunft und Sachverstand erst auswählen; ich habe diesbezüglich schon oft mein Fräulein gequält. Auch weil ich wie der bekannte Esel zu keiner Entscheidung fähig sie mit größter Dringlichkeit und ständig neuen Erwägungen angefleht habe, sie möge mir diese Entscheidung bitte abnehmen. Wobei zu sagen ist, dass oft genug ich mich über diese Entscheidung hinweggesetzt einfach ins nächstbeste Buch gestürzt habe, ohne dass ich dafür Gründe angeben könnte, doch bin ich mir sicher, es war nicht Trotz.

Es ist schlimmer geworden, die Zahl an möglichen Häufchen sind um ein Vielfaches angewachsen, die Gründe, (das Richtige) lesen zu müssen, haben sich mindestens verdoppelt, gleichzeitig hat sich aber die Zeit, da ich mich einfach hineinstürzen könnte, mit Sinn, erheblich reduziert. Ich sehe mich von meinem Vorhaben noch vom Sommer weiter entfernt als jemals, die internationale Elite im Viellesen konnte ihren Abstand sogar vergrößern.

Reporter: Herr Hund, Sie sind mit dem Anspruch in die Saison gegangen, aufzuschließen, mit dem ein oder anderen Buch sogar aufhorchen zu lassen. Sehen Sie Ihre Ziele erreicht?
Herr Hund: Weder noch. Das Gegenteil ist eingetreten.
Reporter: Aber Sie haben durchaus die ein oder andere Neuerscheinung….
Herr Hund: …aber selten mit dem Ergebnis, dass ich hätte zufrieden sein können. Es wäre normal, jetzt das gesamte Trainerteam und das Management auszutauschen, das Problem ist aber, ich lese schon immer allein. Da ist kein anderer, nur ich.
Reporter: Was wollen Sie machen?
Herr Hund: Ich schau mir das jetzt noch bis Saisonende an. Zum Glück bin ich Amateurleser und muss nicht davon leben. Im Sommer jedoch werde ich bilanzieren und falls es einfach nicht reicht, dann …… ich töpfere zum Beispiel sehr gern, vielleicht kann sich da was entwickeln.

(Falls Sie das komplette Interview lesen wollen, überweisen Sie monatlich meine Lebenshaltungskosten mit dem Kennwort „Mehrvonherrhundweilsonstmachtdaslebenkeinensinn“ an Volksbank Lüdenscheid, IBANDE12345000000000000)

Druck Druck Druck, der Gedanke, dass man kein Schnellkochtopf ist, lässt sich nicht einfach austreiben.

Jetzt ist Winterpause, in der Woche von 01.01.2017 bis 08.01.2017 bin ich im Trainingslager  auf Usedom. Und für dieses Lager habe ich dieses Mal selbst ein paar Häufchen vorbereitet. Eines davon würde ich mitnehmen. In einem davon würde ich mich austoben. Ansonsten die Möwen am Strand ärgern und an Fischbrötchen knabbern. Wenn es mir gelingt, gestärkt aus den Trainingseinheiten zu kommen oder aber endlich diesen ganzen Quatsch bleiben zu lassen und einfach nach meiner Natur herumzutollen, denn letztlich kommt es nicht darauf an, irgendeinem Standard zu entsprechen, dem derer, die nie Ich sagen, sowie derer, die gescheit sind, aber es nur „als Hobby“ betrachten, denn passen muss  es zu einem selbst, zu dem tief tief drinnen. Da ist ein Ich, aber doch auch ein wenig mehr.

Meine Häufchen sind, wie folgt – gerne nehme ich hier Empfehlungen entgegen, wenn auch nicht verbindlich:

A. Internationales Häufchen I 

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B. Amerikanisches Häufchen:

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C.Deutschsprachiges Häufchen:

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D.Japanisches Häufchen:

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E.Französisches Häufchen (+ vorbereitende und begleitende Lektüre):

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F.Internationales Häufchen II:

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Und G. Nichts davon und lieber ein paar Comics und ansonsten mit dem Gestreiften auf Aventiure gehen.

Also? Was soll ich lesen? Soll ich lesen? Warum?

Ich, meine Lust und ein viel zu kleines Boot

Es gibt durchaus Erkenntnisse, die nicht zu spät kommen. Mir zum Beispiel heute beim Gespräch mit einem ausgesprochenen A.Schmidt-Kenner. Ich nehme es lediglich an, dass er ein Kenner ist, denn ich bin es nicht. Und dass ich keiner bin war der erste Gedanke, als ich ihm zuhörte. Und dass ich kein Kenner von vielen Dingen bin, war ein weiterer Gedanke irgendwo dazwischen. Zuletzt dachte ich nur, ich weiß eigentlich überhaupt nichts. Dass ich morgens alleine meine Schuhe zubinden kann, nun, ich glaube nicht an Wunder, aber so müsste es ausschauen.

Da ist aber meine Lust, die ist wie ein großer Sack ausgehungerter Marder, die, einmal aufgemacht der Sack und losgelassen, in alle möglichen Richtungen, weil irgendwas zum Nagen findet sich meist. Ich würde es nicht immer als sehr ausgesucht bezeichnen, was an Beute oder Überresten davon herangeschleppt wird; gleichviel, der Hunger bleibt.

Ich habe noch die besten Jahre vor mir, ich möchte sie nicht verschwenden. Ich möchte es in Folge richtig machen. Ich beginne also ganz von vorne. Was heute falsch gemacht wurde, hat seinen Grund in der Erziehung. Brav lege ich also die Bücher, bislang zu unverdauten Stapeln angesammelt, beiseite und nehme mir ein Buch vor, das mir gerade nun sehr angemessen erscheint und mir zusagt,

erstens, weil es schmal ist und nur zu schmaler Lektüre sich im Moment Zeit findet
zweitens, weil die Bilder, die es hat, die Lektüre unglaublich erleichtern; ich weiß dann doch immer, worum es geht
drittens aber, weil ich Bären und Boote liebe. Und Pfannenkuchen. Bären und Boote kommen in dem Buch vor, Pfannenkuchen nicht. Nur falls das einer liest und ein Herz hat, schickt er mir einen, einen Pfannenkuchen. Mit Mus. Danke.

Ich lese also gerade „Der kleine Bär und sein kleines Boot“.

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Wäre mir nur schon früher so ein Buch in die Hände gefallen, ich hätte erst, wenn’s von den Proportionen her passt, mir die Brocken vorgenommen. Glück ist, Augenblick und Lage richtig einzuschätzen und mit seinen Bedürfnissen und Talenten mitzuwachsen. Ich habe noch ein paar gute Jahre vor mir, bestimmt. Sie werden mir besser sitzen als die letzten, wie angegossen. Und nach angemessener Lehrzeit und ein weiteres Mal Schulbankdrücken, werde ich mir die Brocken vornehmen, oder auch nicht, weil ich Besseres zu tun habe. Angeln. Oder Pfannenkuchen backen. Oder Nasebohren. Es kommt, wie’s kommt.

Und nur, um sicherzugehen, aber erst, wenn er an der Zeit ist, den „großen Bären“. (Zwei Bücher, bei denen jedes für sich schon größer als mein Kopf ist)

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A.Schmidt muss also warten.

XXXII. Extremlesen ODER Horrorclowns sind Luschen

„Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ , Schiller (Dichter, Schwabe, Lusche)

Ich verstehe Halloween nicht. Ich verstehe das Konzept nicht. Ich fühlte mich auch nicht bedroht von diesem Dreikäsehoch-Sith, der da vor mir stand mit seinem Plastiklaserschwert. Obwohl es unangenehm hätte werden können, inmitten des Süßwarenladens, in dem ich stand. Süßes? Jede Menge. Saures? Möge die Macht -und diese Schokolade mit knappem MHD- mit Dir sein, aber jetzt raus.

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Ein Horrorclown war nicht dabei. Was hätten wir gelacht. Für uns kommt nach Tischer lange nichts. Tischer macht nicht Angst. Es ist eher das Gefühl von Machtlosigkeit. Angst verfliegt, es ist nur eine Maske. Die Machtlosigkeit bleibt. Man, frau, es heißt, sich abzufinden. Halloween, das wahre, das wäre ein von Tür zu Tür von Tischer, „Süßes egal, auf jeden Fall Saures.“

Ein Horrorclown mit Tischer ein halbes Minütchen allein in der Besenkammer, ein Wiener Sängerknabe würde nicht heller nach seiner Mami singen. Der Mensch ist meist nicht besonders mutig. Er sucht eine Unterlegenheit und dahin zielt sein Spass. Erbärmlich.  An Tischer, da kannst du lange suchen. Vorher aber hat er dich gefunden. So läuft das Spiel. Das echte Spiel. Für Über-Mutige. Stell Dich dem Unausweichlichen. Arrangiere Dich. Das ist nichts, was auf einen Tag fällt oder nur neunzig Minuten dauert. Es ist eine Entscheidung für’s Leben, wenn Du Dich auf einen Tischer einlässt.

Ich habe dieses Buch begonnen, war zunächst amüsiert, was sich die Menschen alles einfallen lassen. Ihre Langeweile treibt Blüten der seltsamsten Art. Vieles nicht von Dauer. Dann fällt mir die feige Grausamkeit ins Auge: Bärenhatz, Löwenhatz, alle möglichen Tier, die auf kreativste Weise gequält und zu Tode gebracht werden. Heute gibt es Fussballstadien und Legebatterien. Der Mensch hält es nicht lange aus, ohne irgendwie es ausleben zu können.

Meine aktuelle Sportart ist das Extremlesen. Nicht dass es mich fitter würde werden lassen, noch meine Lebenserwartung deswegen steigen würde. Allein, es stärkt die Nerven, rede ich mir zumindest ein, da ich mit Tischer leben muss und starke Nerven nicht die schlechteste Voraussetzung dafür sind. Es wäre auch zu nennen „Die Tischerhatz“, nur dass die Rollen vertauscht sind, wo ich auch hinwill, ist er schon da und besonders wenn ich mich in Lektüre (lohnenswert? ja, kommt man an ein Ende, des Satzes, der Seite oder irgendwo sonsthin) vertiefen möchte, ist da diese gestreifte Aufmerksamkeit, die mir alle nimmt, weil sie Meiner bedarf und ich also für irgendwelche kleinen oder großen Aventiuren herhalten muss.

Les‘ da mal, wie es sich gehört. Ich bin noch Amateur, lege das Buch also nach kurzer Zeit zur Seite, wende mich untertänigst und geschlagen seinem Befinden zu, mir meiner Luschenhaftigkeit bewusst und füge mich. Mein Gott, ich bin ein erwachsener und kultivierter Mann, doch wenn ich mir einen Tischer ins Haus hole, wer ist dann selber schuld … Genau.

Aber ich liebe ihn. Möge die Ohnmacht mit mir sein.

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Enzyklopädie der vergessenen Sportarten, Edward Brooke-Hitching (Liebeskind Verlag)

(Empfehlenswerte Lektüre. Dass die „Tischerhatz“ nicht erwähnt wird, versteht sich, weil die Partie noch im Gange ist, steht der Sieger auch fest)