Ein wenig Sly

Eigentlich wollte ich es für mich behalten. Jeder hat so seine kleinen Geheimnisse, unvorstellbare Schwächen, die nicht so richtig ins Bild passen wollen, das die Menschen sich von einem gemacht haben. Es ist mir doch schon ein wenig peinlich, es zuzugeben, Und wenn ich mich nicht schon eine sehr lange Zeit leidenschaftlich und intensiv mit dem Werk von Sylvester Stallone (seit seinem beeindruckenden Kurzauftritt in Kojak 1975) beschäftigen würde, wäre mir ein Detail wahrscheinlich nie aufgefallen und ich wäre jetzt nicht mit dem Bedürfnis konfrontiert, davon berichten zu müssen. Ein Detail, das manche Frage aufwirft, und das mir erst gestern Abend auffiel, als ich mal wieder in alten Drehbüchern zu Filmen mit ihm herumblätterte, in dem Fall war es eine der ersten Fassungen zu Judge Dredd von 1995. Ich muss nämlich noch dazu sagen, dass ich mir nicht nur alle seine Filme regelmäßig anschaue und wenn möglich zu den Deutschlandpremieren gehe, wie erst vor einer Woche noch (Expendables 3 ist sowas von geil und vielschichtig, das nur als kleiner Tipp), sondern ich versuche nach Möglichkeit auch, besondere Devotionalien zu bekommen, sofern es mein Budget zulässt. Der größte Stolz meiner Sammlung ist die verschossene Munition aus Rambo III. Und eben auch diese erste Drehbuchfassung zu Judge Dredd, die ich im Tausch mit meiner Frankfurter Goethe-Ausgabe von einem belgischen Sammler erhalten habe.

Nun gut, jedenfalls stieß ich gestern beim Durchblättern auf eine bemerkenswerte Stelle, die es (leider) später nicht in den fertigen Film geschafft hat. Sie ist nur kurz. Da sie in Englisch ist, habe ich versucht, sie so gut, es geht, zu übersetzen. Mein Grundkurs liegt schon eine Weile zurück, aber für einen Film mit Sly sollte es reichen:

„Sie hatten nur eine verdammte Aufgabe: Diesen Code zu knacken.“
„Ich…ich…ich bin mir ziemlich sicher, dass uns dieser Code nur in die Irre führen sollte. Wir sollten uns nicht weiter damit aufhalten.“
„Das haben Sie nicht zu entscheiden. Und wenn ich behaupte, R(h)einfall-Schlüssel-Bauchpinsel-Wien-Hinterausgang-Osso Bucco-Oralfreude-Laurie Anderson-Rittberger-Schaum ist ein Code, ist es so. Verstanden!“
„Ich glaube vielmehr, man treibt bewußt ein Spiel mit……..“
(Rico erschießt den Handlanger.)
„Ein Spiel! Arschloch. Besorgt mir mal Jemand einen, der diesen Code für mich knackt. Bitte!“

Ja, genau, ich war auch ziemlich von den Socken, nachdem ich die Szene gelesen habe. Ich glaube nicht an Zufälle. Also woher kennt der werte Zolaski diese Stelle? Ich füge hinzu, dass ich im Besitz der einzigen Fassung zu dieser Szene bin. Hat er sogar am Ende an diesem Drehbuch mitgeschrieben? Es ist zwar wenig glaubhaft, da seine bisherigen Texte eine ganz andere Sprache sprechen, eine, die ich sehr schätze. Doch ist es nicht unmöglich. Und wenn er auf diesem Weg verhindern wollte, dass sein damaliger Beitrag nicht verlorengeht, kann ich das verstehen. Und möglicherweise sind die Geschichten, die dabei herausgekommen sind, wesentlich gelungener, als es der fertige Film ohne diese Szene letzten Endes wurde. Ich kann es, als eingefleischter Stallone-Anhänger, nicht objektiv beurteilen. Das mögen andere tun.

Für mich ist einzig interessant und bedenkenswert, dass alles Neue am Ende immer schon auch Zitat ist. Und wenn sich in den zahlreichen gelungenen und sehr schönen Beiträgen Spuren aus alten Sly-Filmen finden sollten, bin ich der Letzte, der sich nicht darüber freuen würde.

 

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40 Gedanken zu “Ein wenig Sly

  1. ich stecke gerade etwas fest.
    denke eher an sly stone als an silvester.
    vielleicht auch eine schwäche die nicht ins bild passt.
    aber die geschichte an sich ist schön und bringt meine synapsen in schwung.
    ich knacke den code und denke über dem heißen espresso an ihre liebe zu silvester.
    ungeachtet der tatsache das ich silvester schon immer fragwürdig fand.
    dein verehrter zolaski

  2. Herr Hund, Sie sind ein ganz geschickter, ich merke es immer wieder… Ich reiche Ihnen amüsiert die Keksdose (sofern Sie nicht mehr an den Keksen von Arabella knabbern).

  3. Ach, da sehe ich gerade, der werte Zolaski sendet auch gerade Kekse. Wohin um alles in der Welt mit so vielen Keksen? Herr Hund, nicht dass Ihnen schlecht wird… Passen Sie auf sich auf!

  4. … meine natürlich diese Zartpflanze, wie kann ich es wagen, es so unpoetisch auszudrücken… und das, wo ich doch solch einen hervorragenden Dienstagskurs genossen habe!

  5. Sind etwa Krümelreste in dieser anmutigen Pflanze zu finden? Nein, jetzt sorgen Sie bitte nicht dafür, dass ich ein anderes Bild von Ihnen erhalte, mein Lieber!

  6. So, nun weiß ich Bescheid. Herr Hund ist ein hyperaktiver Border Collie, der bei zehn Worten geifernd seinen Hintern wegwedelt und einfach nicht anders kann. Die Suchtfrage ist damit wirder aktuell.

    Eine kleine Beanstandung zwecks Unglaubwürdigkeit: „…erste Drehbuchfassung zu Judge Dredd, die ich im Tausch mit meiner Frankfurter Goethe-Ausgabe…“
    Wer, der diese erste Drehbuchfassung besitzt, würde dafür mit einer Goethe-Ausgabe vorlieb nehmen? Kommt mir sehr fragwürdig vor.

  7. Sie haben mich köstlich amüsiert mit Ihrem Text – dafür danke ich Ihnen und hinterlege zehn amaretti di saronno links neben Ihre Hütte…
    Sommermorgensonnenheisse Grüsse vom Schwarzen Berg

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